CD-Review: Dark Age - Acedia

Besetzung

Eike Freese – Gesang, Gitarre
Jörn Schubert – Gitarre
Alex Frank – Bass
André Schumann – Schlagzeug
Martin Reichert – Keyboad

Tracklist

01. Kingdom Nevercome
02. Devote Yourself To Nothing
03. Neon Gardens
04. Snake Of June
05. Zeitgeist (Ghost In A Machine)
06. 10 Steps To Nausea
07. Halo Meridian
08. Underneath These Burdens
09. All The Unfulfilled
10. Babylon Riots
11. Myself Heretic


Nachdem sich DARK AGE rund vier Jahre Zeit für ihr mäßiges 2008er Album „Minus Exitus“ ließen, mag es sehr überraschen, dass nun – nur eineinhalb Jahre später – bereits der Nachfolger namens „Acedia“ in den Läden liegt. Besonders skeptisch dürfte dies jene machen, die an „Minus Exitus“ einen fast 1:1-Abklatsch von dessen Vorgänger erkannten, wie sollen denn nun nach so kurzer Zeit tatsächlich neue Ideen zu hören sein, wenn dies in vier Jahren nicht gelang?

Vom Opener an merkt man schon deutlich, dass eine totale Umwälzung auch 2009 nicht statt gefunden hat. „Kingdom Nevercome“ und auch „Devote Yourself To Nothing“ machen schon von Beginn an klar, dass das wie üblich von Bandkopf Eike Freese selbst produzierte Album keinen harten Bruch mit der Tradition bedeuten soll. Dennoch lässt sich im weiteren Verlauf der Platte feststellen, dass eine solche Stagnation wie beim Vorläufer auf „Acedia“ nicht statt gefunden hat. Von den Songstrukturen her hat man nun mal wieder ein paar neue Ideen, von der namensgebenden Todsünde Faulheit macht sich DARK AGE offensichtlich nicht schuldig. Insbesondere im Bereich Keyboard und Gesang wird offensichtlich, weshalb man sich von der einstigen Selbstbezeichnung „Dark Metal“ gelöst hat – denn wirklich düster ist „Acedia“ kaum noch. Eike singt so viel klar, wie er dies noch nie getan hat, und ein gestiegener Elektronik-Anteil unterstreicht mehr und mehr das moderne Selbstverständnis der Band.

Den traditionellsten Teil bildet die Mitte der Platte mit Nummern wie „Snake Of June“, die insbesondere von der großartigen Growl-Stimme Eikes lebt und Jörn ein ganz besonders amtlich oldschooliges Gitarrensolo abliefert – leider neben „Myself Heretic“ das einzige in dieser Gestalt – oder „10 Steps To Nausea“, in der vor allem die Rhythmik und eine Reminiszenz an die alten Keyboard-“Chöre“ vermehrt an die früheren Werke der Band erinnert.
Songs wie „Neon Gardens“ oder „Zeitgeist (Ghost In A Machine)“ hingegen setzten auf einen bewusst modernen Anstrich (die Songtitel deuten es schon an), mal durch Industrial-Rhythmen, mal durch künstlich verzerrten Gesang. An Stellen wie diesen wird zumindest offensichtlich, dass die vergangenen eineinhalb Jahre nicht auf der faulen Haut verbracht wurden.

Leider geschehen die genannten Veränderungen nicht immer zum Besten. Man muss kein verbohrter Nostalgiker sein, um den klaren Refrain bei „Neon Gardens“ ganz schön daneben zu finden, man muss kein Prog-Frickler sein, um die Eröffnungsriffs bei „All The Unfulfilled“ und „Babylon Riots“ für unglaublich belanglos und austauschbar zu halten und man braucht auch kein Todesbleifanatiker zu sein, um auf der ganzen „Acedia“ die notwendige Härte zu vermissen.

„Acedia“ fordert einem langjährigen DARK AGE-Fan einiges ab, denn nicht umsonst gelten die Pinneberger mittlerweile als Band mit einem der modernsten Sounds in der metallischen Musiklandschaft. Es mag nun widersprüchlich anmuten, dass bei der letzten Platte noch der Stillstand kritisiert wurde und jetzt diejenigen Songs hervorgehoben werden, die am ehesten mit den alten Werken in Verbindung stehen. Doch „Acedia“ krankt an ganz anderen Dingen als „Miunus Exitus“, was der aktuellen Platte vor Allem fehlt, ist der Druck, die Wucht und vor allem die Energie, die zu früheren Zeiten noch so reichlich versprüht wurde.
Das ist zum großen Teil auf den viel zu hohen Anteil an Klargesang zurückzuführen, aber auch die Saiten- und Rhythmusinstrumente agieren da nicht gerade förderlich. Immerhin driften DARK AGE nicht wie beispielsweise In Flames in eine fürchterliche Jammervariante ihrer Musik ab, nach wie vor hat der Gesamtklang schon noch reichlich Eier. Sicherlich wird „Acedia“ einen Haufen von Hörern überzeugen, aber der Versuch, so modern wie möglich zu klingen, macht leider allmählich das zunichte, wofür das DARK im Namen steht oder zumindest einst stand.

Bewertung: 5.5 / 10

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