CD-Review: Dynfari - Sem Skugginn

Besetzung

Jóhann Örn - Gesang, Gitarre, Bass
Jón Emil - Schlagzeug, Gitarre

Tracklist

01. Glötun
02. Hjartmyrkvi
03. Svartir Himnar
04. Myrkrasalir
05. Stillt
06. Augnablik
07. Sem Skugginn I
08. Sem Skugginn II
09. Eilífð


Im Metal1.Kochstudio liegen heute folgende Zutaten bereit: Island, zwei junge Burschen und atmosphärischer Post-Black-Metal. Die Zubereitung ist denkbar einfach, alles in einen Topf, umrühren und fertig ist DYNFARI, eine frische Band von der Insel im Nordatlantik. Jón und Jóhan sind gemeinsam seit 2010 aktiv und nach einem Fünf-Track-Demo 2011, welches auf lediglich 50 Einheiten limitiert worden war, legen die Beiden jetzt ihr Labeldebüt „Sem Skugginn“ vor.

Zunächst einmal erstaunt die äußerst opulente Spielzeit von 75 Minuten. Selbstverständlich erklärt sich einiges durch die stilistische Ausrichtung, verzichten sie doch nicht auf die üblichen, hypnotisch gedachten Wiederholungen und strecken die Songs somit auf bis zu knapp 16 Minuten. Immerhin tun sie das nicht schnöde und langweilig, wie man es von vielen Möchtegern-Epikern so kennt, sondern agieren abwechslungsreich und mitunter spannend. Die Songs bauen sich teilweise etwas zu langsam auf, hier wäre eine etwas kompaktere Ausrichtung in den Arrangements wünschenswert. Trotzdem kommen die Lieder in Verbindung mit einem phasenweise eisigen Sound (die Akustikgitarren lassen die Welt wahrlich schockfrosten, Immortal auf „At The Heart Of Winter“ lassen da irgendwie grüßen) ziemlich individuell daher.
Ganz coole Gedanken hat man sich auch über Variationen im Gesangsbereich gemacht, anstatt stundenlang zu grunzen und zu keifen, kommen klare und geflüsterte/gehauchte Stimmeinsätze zum Einsatz. Ich finde es schwierig, vergleichbare Bands zu finden, andererseits möchte ich aber nicht so weit gehen zu sagen, dass DYNFARI bereits mit dem Debüt einen ureigenen Stil gefunden haben. Und ganz ehrlich: Unter dem Strich wirkt das Material auch noch etwas unausgegoren, lange Spielzeiten kann man mal einbringen, aber neun Songs – davon ein dreieinhalbminütiges Instrumental – müssen nicht unbedingt die ganze Platte voll machen. Allerdings ist ein gutes Fundament für weitere Veröffentlichungen schon gelegt, dazu sollte man das Alter der Protagonisten nicht aus den Augen verlieren. Artwork- und texttechnisch macht man aus isländischer Sicht natürlich nichts falsch, eine Schneelandschaft, ein paar Felsen und eine Geschichte, die die Winzigkeit des Menschen im großen Kosmos illustriert…eigentlich hätte ich dies vielleicht als Einleitung formulieren sollen, dann wäre den Interessenten an der Band vielleicht von vorne herein geholfen gewesen ;)

Machen wir uns nichts vor, trotz diverser guter Ansätze bleibt noch eine Menge zu tun. DYNFARI haben einen guten Anfang gemacht, ihr Potential werden sie in weiteren Veröffentlichungen bestätigen müssen. Ich für meinen Teil bin gespannt, wie es für Jón und Jóhan weitergeht.

Bewertung: 6.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: