CD-Review: Dynfari - Myrkurs Er Þörf

Besetzung

Jóhann Örn – Gesang, Gitarre, Bass, Akkordeon, Synthesizer
Martin Tsenov – Gitarre
Bragi Knutsson – Gitarre
Jón Emil – Gitarre, Perkussion

Tracklist

01. Dauðans Dimmu Dagar
02. Langar Nætur (Í Botnlausum Spíralstiga)
03. Myrkurs Er þörf
04. Ég Fálma Gegnum Tómið
05. Svefnlag
06. Ég Tortímdi Sjálfum Mér
07. Peripheral Dreams
08. Of Suicide and Redemption


Wie Norwegen und Frankreich steht auch Island in den Augen der Black-Metal-Fangemeinde für eine bestimmte, einzigartige Variation des Genres, die dank der Pionierarbeit von Bands wie Svartidauði, Misþyrming und Auðn einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Doch auch weniger bekannte Vertreter der Stilrichtung wie Carpe Noctem, die erst 2018 aus Draugsól hervorgegangenen Kaleikr und DYNFARI haben den eigenwilligen Sound ihrer heimischen Szene in der Vergangenheit bereits auf interessante Weise interpretiert. Letztere versuchen sich auf „Myrkurs Er Þörf“, ihrem fünften Album, nach einigen progressiv ausgerichteten Veröffentlichungen an einem etwas direkteren, schlagkräftigeren DIY-Ansatz – ein Vorhaben, das DYNFARI gekonnt umsetzen, ohne dabei an Komplexität vermissen zu lassen.

Dass DYNFARI bemüht sind, weniger verkopft zu klingen, schlägt sich schon im Umfang des Albums nieder: Mit einer Gesamtdauer von 47 Minuten handelt es sich bei „Myrkurs Er Þörf“ um das kürzeste Album der Band seit ihrem selbstbetitelten Debüt (2011) und von den einzelnen Tracks überschreitet diesmal lediglich einer knapp die Zehn-Minuten-Marke („Peripheral Dreams“). Obwohl das Songwriting hier tatsächlich um einiges griffiger wirkt als zuletzt auf „The Four Doors Of The Mind“ (2017), spielt das Quartett immer noch etwas filigranere und sich mitunter langsamer entfaltende Musik als die Galionsfiguren der isländischen Szene.

Es erfordert durchaus eine gewisse Geduld, DYNFARI dabei zuzuhören, wie sie die Platte im rein instrumentalen Opener „Dauðans Dimmu Dagar“ anfänglich nur mit sphärischen Klangflächen, zaghaften Clean- und sanft gestreichelten Akustikgitarren einleiten und erst nach und nach kraftvolles Riffing und Schlagzeug hinzutreten lassen. Doch das Abwarten lohnt sich: Mit ihren unverkennbar kehligen, grimmigen Vocals, manchmal geradezu überschwänglichen Gitarrenleads („Langar Nætur“) und ihren geradlinigen, aber effektiven Rhythmen halten DYNFARI das in ihren sich stetig aufbauenden Arrangements steckende Versprechen eines emotionalen Höhepunkts über das gesamte Album hinweg geradezu mustergültig ein. Insbesondere die aufwühlend-ungestüme Klimax gegen Ende von „Ég Tortímdi Sjálfum Mér“ sei hier exemplarisch genannt.

Neben dem stets nachvollziehbaren Aufbau der überwiegend melancholischen Songs trägt auch der stilistische Ideenreichtum der Band zur einnehmenden Stimmung der Musik bei. Mal klingen DYNFARI lieblich wie Alcest, mal schleicht sich eine trostlose Doom-Melodie im Geiste Bethlehems ein („Myrkurs Er Þörf“) und auf „Peripheral Dreams“ sorgen die Synthesizer mit ihrer verstärkten Präsenz für eine fast schon behütende Atmosphäre. Abgerundet wird das Album schließlich von der hervorragend abgestimmten Produktion, die zugleich kräftig und angenehm unaufdringlich klingt.

Vielleicht liegt der bislang vergleichsweise geringe Bekanntheitsgrad der Band darin begründet, dass DYNFARI in ihrer Musik seltener zu extremen Mitteln greifen als die meisten ihrer nordeuropäischen Kollegen. Gerade hierdurch hebt sich die Gruppe jedoch in beachtenswerter Weise von anderen Black-Metal-Interpreten ab. Sowohl kompositorisch als auch soundtechnisch beeindruckt „Myrkurs Er Þörf“ restlos durch seine wohlüberlegte Realisierung und Einzigartigkeit. Dass das Material von DYNFARI auf den ersten Blick etwas unscheinbar wirkt, sollte demnach niemanden davon abschrecken, sich damit auseinanderzusetzen, gibt es darin doch unglaublich viel Spannendes zu entdecken.

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Bewertung: 8 / 10

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