Review Envinya – The Harvester

Beim Terminus „Female Fronted Metal“ denkt man oftmals zuerst an Symphonic-Metal-Größen wie Nightwish oder Epica, die ihren Sound gerne pompös mit orchestralen Arrangements ausschmücken. Dass die Genrebezeichnung aber auch Bands mit erdigerem Sound betreffen kann, zeigen unter anderem die Müncher ENVINYA, welche eher dem melodischen Power Metal zuzuordnen sind. Mit „The Harvester“ veröffentlicht die Band ihr zweites Studioalbum.

Eine Veränderung im Vergleich zum ersten Silberling, die den Sound natürlich nicht unerheblich mitbestimmt, ist der Besatzungswechsel am Mikrofon: Den Posten, den Natalie Pereira dos Santos auf dem Debüt „Inner Silence“ übernommen hatte, besetzt auf „The Harvester“ die Nachfolgerin Mery Diaz Serrano und leider erfährt das Album hierdurch keine durchgehende Aufwertung. Man kann der Dame ein gewisses Talent und die technisch versierte Beherrschung ihrer Stimme gewiss nicht absprechen, aber die oft eingesetzte, recht hohe Lage, wie sie etwa direkt im Opener „Bewitched“ zu hören ist, vermag nicht vollends zu überzeugen und gibt den Songs einen unangenehmen Beigeschmack. Recht inflationär wird dieser helle Gesang durch gutturale Vocals ergänzt, welche man zwar ebenfalls schon weitaus besser gehört hat, die allerdings einen angenehmen Kontrast zur weiblichen Stimme darstellen.
ENVINYA halten ihr zweites Album also weniger durch den Gesang über Wasser, instrumental sieht es da glücklicherweise schon besser aus. Bisweilen sehr kräftiger Gitarrensound (man beachte alleine den Beginn des schon erwähnten „Bewitched“) wird durch melodiöse Keyboardeinlagen ergänzt, und so manche gelungene Riff-Idee wie auf dem überhaupt durchaus gefallenden Titelsong ist es, was der Platte letztendlich in erster Linie ihre Daseinsberechtigung verleiht. Dennoch gelingt es unterm Strich nur einzelnen Songs, vollständig zu überzeugen. Doch Nummern wie der Titeltrack oder „Vallant“ machen noch kein besonderes Album aus, wenn sie neben eher belanglos wirkenden Titeln wie „Nightdweller“ stehen müssen, die leider überwiegen.

Was letzten Endes bleibt, ist ein durchaus hörbares Album, auf dem sich gute und gelungene Momente mit Schwächen abwechseln, die das Gesamtwerk nach unten ziehen. Die paar insgesamt überzeugenden Songs bleiben dabei hörenswert, genügen allerdings nicht, um „The Harvester“ weiter als etwas über den Durchschnitt zu heben.

Wertung: 6 / 10

Publiziert am von Pascal Weber

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