CD-Review: Ex Deo - The Thirteen Years Of Nero

Besetzung

Maurizio Iacono – Gesang
Jean-François Dagenais – Gitarre
Stéphane Barbe – Gitarre
Dano Apekian - Bass
Clemens Wijers - Orchestrierung
Jeramie Kling - Schlagzeug

Tracklist

01. The Fall Of Claudius
02. Imperator
03. The Head Of The Snake
04. Boudicca (Queen Of The Iceni)
05. Britannia: The 9th At Camulodonum
06. Trial Of The Gods (Intermezzo)
07. The Fiddle & The Fire
08. Son Of The Deified
09. What Artist Dies In Me…
10. The Revolt Of Galba


Die historischen Ereignisse der Vergangenheit liefern nach wie vor spannenden Stoff für moderne Umsetzungen. EX DEO nehmen sich seit 2008 der Geschichte des römischen Reiches an. Nach der Gründung und des Aufstieges Roms („Romulus“, 2008), dem berühmtesten römischen Kaiser Cäsar („Caligvla“, 2012) und den Punischen Kriegen („The Immortal Wars“, 2017) ist nun der als verrückter Kaiser und Brandstifter Roms bekannte Nero in „The Thirteen Years Of Nero“ das Thema.

Kataklysm-Frontmann Maurizio Iacono will also nach wie vor seine Begeisterung für das antike Rom mit der Metalgemeinde teilen. Musikalisch können sich EX DEO endlich noch mehr von der Hauptband des Kanadiers emanzipieren. Während vor allem das Debütalbum noch zu sehr nach einem mäßigen Kataklysm-Abklatsch mit mäßigem Keyboard-Geklimper klang, schlug die Combo auf „The Immortal Wars“ bereits einen anderen Weg ein, den sie mit „The Thirteen Years Of Nero“ konsequent fortführen: Das Tempo wurde nochmals gedrosselt, die Orchestrierungen sind wesentlich stimmiger und qualitativ besser geworden und das gesamte Material ist brutaler, epischer und bombastischer. Clemens Wijers sorgt wie schon bei Carach Angren für atmosphärische Orchester-Arrangements und wertet mit seiner Arbeit auch EX DEO massiv auf. Die Musik wirkt dadurch wie der Soundtrack zu einem Film oder einem Theaterstück und vermag in Verbindung mit dem textlichen Konzept Bilder im Kopf entstehen zu lassen.

„The Fall Of Claudius“ eröffnet mit einer berühmten Rede Neros, in der er ankündigt, alles Verrottete im römischen Senat zu ersetzen. Entsprechend aggressiv und wütend erklingen die Riffs und allen voran Iaconos Growls. Diese bieten nicht nur die gewohnte Aggressivität, sondern präsentieren sich äußerst dynamisch und storydienlich und leiten dadurch durch die Erzählung. Wenn bei „Imperator“ die erklärten Senatsfeinde Neros vergiftet, ermordet und zum Selbstmord gezwungen werden, erschaffen die stampfenden Drums zusammen mit einem fiesen Bassrhythmus und gezielt eingesetzten Orchesterelementen eine passende bedrohliche Atmosphäre. Durch das instrumentale und symphonische Auf und Ab der Musik wird zudem deutlich, dass hier eine Geschichte über einen vermutlich wahnsinnigen Unheilstifter erzählt wird.

Im Albumverlauf werden weitere wichtige Ereignisse dieser Zeit behandelt, etwa der Boudicca-Aufstand mit der gleichnamigen keltischen Königin (“Boudicca (Queen of the Iceni)” mit der fantastischen Brittney Slayes von Unleash The Archers als Gastsängerin), das berühmte Geigenspielen während Rom brannte („The Fiddle & The Fire“) und der Herrschaftsübernahme durch Galba und dem Selbstmord Neros („The Revolt Of Galba“). „Son Of The Deified“ und „What Artist Dies In Me…“ behandeln Neros innere Zerrissenheit, der sich selbst als Künstler und Musiker sah. Auch dieser Gemütszustand wird musikalisch durch bedrückende Klänge wunderbar dargestellt, Iacono schreit die Sinnkrise wehklagend heraus und zeigt sowohl die Missverstandenheit als auch den daraus resultierenden Wahnsinn des Imperators.

Wie geschichtlich korrekt die hier dargebotenen Lyrics wirklich sind, kann ohne Expertenurteil schwer beurteilt werden, zudem sind Neros Taten unter Historikern nach wie vor umstritten. Ob er nun wirklich das alte Rom anzünden ließ, nur um es anschließend umso prunkvoller wieder aufzubauen, können natürlich auch EX DEO nicht klären. „The Thirteen Years Of Nero“ aber kann durchaus das Interesse an dieser sehr spannenden Epoche von 54 bis 68 wecken. Die Musik ordnet sich dabei tatsächlich der Geschichte unter, verzichtet auf besonders herausstechende Refrains und funktioniert am besten als Gesamtkunstwerk. Wichtig ist, dass sich EX DEO mit ihrem vierten Album endlich eine eigene musikalische Identität fernab von Kataklysm aufbauen können und eigenständig sind. Zudem ist „The Thirteen Years Of Nero“ das musikalisch beste Album der Bandgeschichte. Wer seinen Death Metal bombastisch und orchestral mag und an Bands wie Fleshgod Apocalypse, Nile oder Septicflesh Gefallen findet, ist bei EX DEO goldrichtig aufgehoben.

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Bewertung: 8.5 / 10

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1 Kommentar zu “Ex Deo – The Thirteen Years Of Nero”

  1. Moritz Grütz

    puh … also diese neue single (head of the snake) klingt für sich genommen ja eher wie ein medley aus einem ganz furchtbar langweilig-kitschigen album. ich war echt motiviert, mir das album anzuhören, aber davon ist grad nicht mehr viel übrig.

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