Review Grailknights – Calling The Choir

GRAILKNIGHTS Battle Choir – Yes, Sire! So kennt man den Schlachtruf der Metaller mit ausgeprägtem Hang zum Blödeln aus dem Norden Deutschlands. Die fünf Jungs können trotz einiger Besetzungswechsel auf eine schöne Kontinuität in ihren Live-Aktivitäten verweisen, die sie stets als interaktives Spiel im Kampf gegen ihren Erzfeind Dr. Skull gestalten. Das geschieht konsequent und mit massiver Publikumsbeteiligung, sodass ihre Auftritte in aller Regel gute Laune machen und für großartige Stimmung sorgen. Die Musik allerdings tritt dabei meist gegenüber dem Eventcharakter in den Hintergrund.

Entsprechend waren ihre Alben immer so eine Sache. Weder schienen sie sich allzu gut zu verkaufen, noch wirkten die GRAILKNIGHTS in der heimischen CD-Anlage so überzeugend wie live auf der Bühne in ihren bunten Kostümen, wild wehenden Capes und dem Bier verschenkenden Pferd Zapf Beauty. Nun hatten Superhelden in den letzten Jahren aber unübersehbar Konjunktur in der Popkultur, sodass auch den GRAILKNIGHTS mit ihrem aktuellen Album „Calling The Choir“ eine neue Chance gegeben werden sollte.

Auf ihm präsentieren sich die Jungs musikalisch äußerst abwechslungsreich. Besonders stellen sie inzwischen ihren Folk-Einschlag nach vorne, der auf Schunkelliedern wie „Morning Dew“, „Sea Song“ oder der Ballade „Anna Lee“ mit nautisch anmutendem Beiklang daher kommt. Leider haben die simplen folkigen Melodien in etwa den Nährwert von Schokoladenriegeln: Sie machen zuerst großen Spaß und füllen den Magen, aber schon bald will man etwas Richtiges. Ähnlich ist es mit diesen Liedern. Sie erzeugen zuerst gute Laune und lassen den Kopf hin und her wippen, spätestens beim vierten Durchlauf aber hat man sich an ihnen satt gehört. Dasselbe gilt für das fast schon schlagerhafte „Calling The Choir“, das die CD eröffnet. Der Refrain wird mit derartig maximierter Eingängigkeit auf den Hörer losgelassen, dass er einem schon bald wieder über ist.

Vieles liegt auch an dem Gesang von Sir Optimus Prime. Auf „Calling The Choir“ benutzen die GRAILKNIGHTS größtenteils cleane Vocals, bei denen er sich in einem eher kleinen Tonspektrum bewegt. Das gelingt in einigen Fällen gut, wie bei dem eingängigen „Now Or Nevermore“. Besser sind aber die Lieder, in denen auch unclean gesungen wird, wie „Desert Star“, „Absence Of Gravity“ oder „Far And Away“, die so weniger vorhersehbar geraten und von der Abwechslung in den Gesangstechniken hörbar profitieren.

Insofern hat sich die Meinung über die GRAILKNIGHTS leider kaum geändert. Die Musik ist für die Livesituation geschrieben und wird in ihr mit Sicherheit wieder hervorragend funktionieren. Ohne das gesamte Drumherum und die damit einhergehende gelöste Stimmung aber bleibt „Calling The Choir“ etwas zu dünn und nutzt sich trotz einiger guter Ansätze und gelungener Melodielinien zu schnell ab.

Wertung: 6 / 10

Publiziert am von Marc Lengowski

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