CD-Review: Grailknights - Knightfall

Besetzung

Sir Optimus Prime – Gesang
Sovereign Storm – Gitarre
Count Cranium – Gitarre
Duncan MacLoud – Bass
Lord Drumcules – Schlagzeug
Gastmusiker
Joakim Brodén – Gesang (Track 02)
Lukas Remus – Gesang (Track 07)
Van Canto – Gesang (Track 11)

Tracklist

01. Into The Abyss Of The Grail
02. Pumping Iron Power
03. Cthulhu
04. Black Spider’s Web
05. Grailskull Asylum
06. March Of The Skeletons
07. Shadow Of The Mountain
08. Laser Raptor 3D
09. Ghost Town
10. Book Of A Hero
11. Knightfall


Da sind sie wieder, die GRAILKNIGHTS – Album Nr. 5 steht an und hört auf den kalauernden Titel „Knightfall“. Wie, die Band kennt ihr nicht? Glaube ich nicht. Wenn doch, wäre das ungerecht. Denn die GRAILKNIGHTS haben eigentlich den Party Power Metal erfunden, bevor es den Begriff gab. Und sogar, bevor sie selbst Power Metal spielten. Zu kompliziert? Okay, noch mal langsam von vorne.

Die GRAILKNIGHTS haben bereits 2004 ihr erstes Album veröffentlicht. Das war ein Jahr vor den Debütalben von Sabaton und Powerwolf, den „big player“ des Party Power Metals. Ehrlich gesagt war die Musik der GRAILKNIGHTS damals eher belanglos und noch dazu astreiner Melodic Death Metal. Das interessante an der Band waren immer die Bühnenshows: Die Band steckte in knallepeinlichen Superheldenkostümen und rahmte um ihre Auftritte stets eine Rahmenhandlung, in der sie mithilfe des „Battle Choir“ genannten Publikums böse Drachen und den fiesen Dr. Skull besiegen musste. Verschiedene Interaktionsmomente, wie gemeinsame „Grailrobics“ oder eben auch Biertrinken gestalteten diese Auftritte stets zu bemerkenswerten Ereignissen – und das lange bevor man im Hause Sabaton „Noch ein Bier“ schrie und den historischen Gegenstand der eigenen Songs zum Beiwerk der Party degradierte.

Jetzt aber genug Geschichtsunterricht. Es ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die GRAILKNIGHTS mit „Knightfall“ stilistisch nun nach der klaren Tendenz des Vorgängers beim Party Power Metal angekommen sind. Der geneigte Hörer darf sich also auf hymnische Chöre und die eine oder andere Düdelmelodie einstellen. Das gelingt den GRAILKNIGHTS ein ganzes Stück besser als beim Vorgänger. Die Songs haben einen deutlich höheren Wiederspielwert, sind dynamisch und entfalten sogar eine Langzeitwirkung – die Hooklines von „March Of The Skeletons“ oder „Black Spider’s Web“ sind zwar nicht superkreativ, aber eben on point abgeliefert. Zwischendurch wird es gewohnt folkig („Ghost Town“).

Für Fans des Party Power Metals ist es also Pflicht, in die Scheibe reinzuhören. Alle anderen wissen vermutlich eh schon, was sie von diesem Genre halten. Exemplarisch dafür steht sicher der Song „Cthulu“. Manch ernsthafter getrimmte Metaler wird sich fragen, ob wir einen Song über den großen Alten brauchen, der zum Schunkeln einlädt. Aber, ach, dieser Refrain hat ja schon was.

Dringend zu kritisieren ist außerdem die Produktion – der Sound klingt doch arg dünn und flach aus den Boxen und lässt die von der Band vielfach besungenen Muskeln vermissen. Konkret bedeutet das, dass die Höhen stärker betont werden, als für das Klangbild gut ist. Zudem fehlt dem Schlagzeug der Druck: Es klingt sehr eindimensional und hat kaum Volumen. Die Keyboards überdecken das gelegentlich erfolgreich, aber gerade bei den Songs ohne größere Keyboard-Passgen fällt es ärgerlich auf. Wer sich davon nicht stören lässt, bekommt ein launiges Album mit ordentlich kulturellem 80er-Vibe – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Hinweis: Der Text wurde im letzten Absatz hinsichtlich der Produktion noch einmal nachträglich präzisiert.

Bewertung: 7.5 / 10

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4 Kommentare zu “Grailknights – Knightfall”

  1. Tom Rothe

    Hi, einen dünnen Sound hat das Album auf KEINEN FALL! Ich weiß nicht mit welchem Medium ihr die Scheibe gehört habt oder über welche Anlage – aber hier liegt einfach eine Aussage vor, die so nicht zutrifft. :(

    Liebe Grüße
    Tom

  2. Marc Lengowski Post Author

    Hey Tom,
    gut, dass du fragst, denn oft bekommen wir Promo-MP3s oder MP3-Streams, die in der Qualität von dem späteren Produkt abweichen können, in einzelnen Fällen sogar extrem (ich bereue immer noch meine Behauptungen zu der Produktion eines Volbeat-Albums, die im Nachhinein auf CD ganz anders klang – erstaunlicherweise schlechter).

    In diesem Fall allerdings lag dem Test die Verkaufs-CD zugrunde, die auf einer guten Anlage und über gute Kopfhörer gehört wurde. Insofern scheinen wir unterschiedliche Ansprüche an die Produktion zu haben. Was ich meinte, führe ich aber gerne noch einmal aus: Der Sound klingt in vielen Fällen sehr vordergründig und streckenweise etwas flach. Er betont die Höhen stärker, als ich es für angemessen halte. Dem Schlagzeug fehlt außerdem der Druck, es klingt sehr eindimensional und hat kaum Volumen. Die Keyboards überdecken das gelegentlich, wie bei dem im Video unter dem Text verlinkten Song. Das ist nun aber gerade auch der, bei dem die Keyboards besonders dominant sind.

  3. Jochen graber

    Das Album ist so fett produziert. Sich als Ausrede auf nen MP3 Stream (oder nen illegalen Download!?) zu berufen zeugt von der Qualiät dieses Forums/ Blogs?!

  4. Marc Lengowski Post Author

    Bemerkenswert, wie da die Meinungen auseinanderzugehen scheinen. Trotzdem. lieber Jochen, weise ich deine Unterstellungen zurück. Sachlich begründet habe ich das in dem Kommentar direkt über deinem, den du vielleicht zuerst ganz (oder sorgfältiger) lesen solltest: Es handelt sich keineswegs um einen Stream oder einen „illegalen Download“ – letzteres wäre doch bei einem Musikmagazin auch ganz schön verrückt, oder? Immerhin zwingt uns keiner, die CD zu besprechen. Es handelt sich stattdessen, wie buchstäblich wenige Zeilen über deinem Kommentar steht, um die Verkaufs-CD, deren Produktion ich weiterhin mit den angeführten Kritikpunkten für dünn halte.

    Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, habe ich im Text jetzt noch einmal genauer ausgeführt, was mich an der Produktion stört.

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