CD-Review: Herman Frank - Two For A Lie

Besetzung

Rick Altzi - Gesang
Herman Frank - Gitarre
Michael Pesin - Gitarre
Michael Müller - Bass
Kevin Kott - Schlagzeug

Tracklist

01. Teutonic Order
02. Venom
03. Hate
04. Eye Of The Storm
05. Liar
06. Hail The New Kings
07. Just A Second To Lose
08. Danger
09. Stand Up And Fight
10. Open Your Mind


Das Cover von "Two For A Lie" von Herman Frank

HERMAN FRANK gehört definitiv zu den Schlüsselfiguren der deutschen Heavy-Metal-Szene: Als Gitarrist von Bands wie Accept und Sinner nahm er legendäre Alben wie „Balls To The Wall“ oder „Touch Of Sin“ auf und als dienstältestes Mitglied von Victory ist er bis heute die Triebfeder einer der wichtigsten Hard-Rock-Bands des Landes. Trotzdem war es nie sein Name, der an erster Stelle genannt wurde und so fristete HERMAN FRANK lange – vollkommen zu Unrecht – ein Dasein im Schatten von Bandkollegen wie etwa Accept-Boss Wolf Hoffmann. Dass das kaum an seinem Talent liegt, beweist der Musiker seit etlichen Jahren mit seiner Soloband, mit der er seit knapp anderthalb Jahrzehnten durchweg gelungene Studioalben veröffentlicht. Mit „Two For A Lie“ steht nun seit Kurzem das neueste HERMAN-FRANK-Album in den Regalen.

Die Besetzung der Solotruppe von HERMAN FRANK mag sich an Schlagzeug und zweiter Gitarre leicht geändert haben, inhaltlich bleibt auf „Two For A Lie“ aber alles beim Alten. Die Mannschaft spielt nach wie vor deftigen Teutonenstahl in wuchtiger Produktion, wobei zu keiner Zeit irgendwelche Zweifel daran aufkommen könnten, in welchen Bands der namensgebende Gitarrist vorher aktiv war. Auf seiner neuen Platte mäandert Herr Frank wie zuvor zwischen zwei Polen hin und her, nämlich härterem Teutonenstahl auf der einen Seite und rockigeren, (noch) traditioneller verwurzelten Nummern auf der anderen.

Ersteres macht sich dabei in Songs wie dem eröffnenden „Teutonic Order“ oder auch „Liar“ sowie „Just A Second To Lose“ bemerkbar. Hier wird schnell klar, dass sich HERMAN FRANK an stilbildenden Nummern von Accept sowie auch deren „Nachfolgeband“ U.D.O. orientiert. Weil das Ganze aber in eine ziemlich massige Produktion verpackt wurde und hier und da auch noch von tonnenschwerem Groove lebt, mutet „Two For A Lie“ deutlich moderner als die Vorbilder an und ist somit mehr als ein bloßer Aufguss. Das Gegengewicht zu diesen vergleichsweise harten Songs bietet kerniger Hard Rock wie in „Venom“ oder dem Stadionrocker „Danger“ – diese Songs könnten ohne Schwierigkeiten auch auf dem letzten Album von Victory stehen. Es scheint, als entfalte „Two For A Lie“ vor allem in diesen Momenten sein volles Potenzial, denn ähnlich geartete Heavy-Metal-Hymnen wie „Hail The New Kings“ und „Stand Up And Fight“ gehören zu den besten Songs des Albums.

Wenngleich „Two For A Lie“ also vornehmlich bekannte Elemente in neuem Sound erstrahlen lässt, ist die Platte doch für Fans des Genres unverzichtbar. Das liegt vor allem daran, dass HERMAN FRANK eben wie eingangs angesprochen schuldlos ein Dasein in der zweiten Reihe fristet: Es mag technischere oder gefühlvollere Gitarristen geben, aber niemand spielt mit derart viel Attitüde wie dieser Musiker. Das macht sich einerseits in den durch die Bank bockstarken Riffs auf dieser Platte bemerkbar, die stets mit einer Coolness abgeliefert werden, zu der schlicht kein anderer imstande ist. Hinzu kommen Leadgitarren, die nie übermäßig technisch ausfallen, aber immer mit derart viel Ausdruck gespielt sind, dass man Herrn Frank bei jeder Note folgt. „Two For A Lie“ ist somit kaum ein revolutionäres Album, aber es ist ein Musterbeispiel für zeitgemäßen Teutonenstahl.

Eines ist klar: HERMAN FRANK macht keinerlei Hehl daraus, wo er musikalisch herkommt, denn das Erbgut seiner bisherigen Bands ist auch tief in der DNA von „Two For A Lie“ festgeschrieben. Fans traditionellen Metals deutscher Machart bekommen hier also genau das, was sie sich wünschen, denn die Platte lässt sich am besten als „Teutonenstahl fürs 21. Jahrhundert“ beschreiben. Dass dabei viel Altbekanntes verarbeitet wird, liegt in der Natur der Sache, weil HERMAN FRANK aber maßgeblich an der Entstehung dieses Sounds beteiligt war, hat er mehr Berechtigung als die meisten anderen, ihn auf diese Art und Weise am Leben zu erhalten. Wer Accept nach ihrem letzten Umbau nicht mehr authentisch genug findet und obendrein nicht an ein neues Victory-Album glaubt, bekommt mit „Two For A Lie“ alles, was er braucht.

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Bewertung: 8.5 / 10

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