CD-Review: Huldre - Intet Menneskebarn

Besetzung

Nanna Barslev - Gesang
Lasse Olufson - Gitarre
Bjarne Kristiansen - Bass
Jacob Lund - Schlagzeug
Laura Emilie Beck - Violine
Troels Dueholm Nørgaard - Flöte, Drehleier

Tracklist

01. Knoglekvad
02. Havgus
03. Gennem Marsken
04. Trold
05. Ulvevinter
06. Skovpolska
07. Brandridt
08. Vaageblus
09. Spillemand
10. Beirblakken
11. Skærsild


In Sachen Folk Metal hinkt Dänemark den anderen skandinavischen Staaten noch so ein wenig hinterher. Einzig Svartsot konnten sich in dem Metier bereits etablieren. Doch es gibt in unserem nördlichen Nachbarland noch etliche Truppen, die dem nachstreben. Eine davon sind HULDRE, die aktuell ihr Debutalbum „Intet Menneskebarn“ herausbringen.

Der Folk Metal von HULDRE ist aber wesentlich traditioneller gehalten und kann eigentlich nicht mit dem recht feierfreudigen Sound von Svartsot verglichen werden. Viel mehr reichen die musikalischen Ursprünge bis ins Mittelalter oder noch weiter zurück. Durch Instrumente wie Flöte, Violine und Drehleier wird dieser urtümliche Touch noch forciert. Dennoch muss man auch die Dynamik nicht missen. HULDRE wissen die traditionellen Elemente und den druckvollen Metal gekonnt zu verbinden.
Dass die in der Band involvierten Künstler aus vielen unterschiedlichen Bereichen stammen – von Klassik, über Mittelalter Rock bis zu Black Metal –, macht sich in einem vielschichten Sound und mannigfaltigen Songwriting bemerkbar. Man bekommt viele Stimmungen und Emotionen präsentiert, die sehr authentisch dargeboten werden. HULDRE beweisen ihr kompositorisches Können, wenn sich innerhalb eines Stückes teilweise ganz verschiedene Gefühlsregungen abwechseln und das Zusammenfügen romantischer, melancholischer und energischer Abschnitte als Gesamtergebnis dennoch stimmig erscheint.
In den Texten werden Geschichten und Legenden aus Dänemark und den übrigen nordischen Staaten erzählt, und HULDRE erreichen es, dass diese Schilderungen durch ihre Musik sehr lebendig wirken. Man kann sich auch ohne ein Verstehen der Lyrics ganz gut vorstellen, welche Emotionen gerade verarbeitet werden und ob dem jeweiligen Song ein fröhliches, trauriges, mystisches oder kriegerisches Ereignis zugrunde liegt. Bei diesem Werk mag ich auch gar nicht irgendwelche Anspieltipps hervorstellen, da sich die Stücke durch ihre so mannigfaltige Arrangierung nur schwer miteinander vergleichen oder gar messen lassen. Um die musikalische Sinnesreise so richtig geniesen zu können, muss man sich ohnehin das ganze Album anhören und sich von den bezaubernden Melodien treiben lassen.
Die helle, klare Stimme von Sängerin Nanna Barslev ist erst ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch merkt man schnell, dass sie ihr viele Facetten verleihen und so der Songstimmung immer gut anpassen kann. Selbst richtig energische Ausbrüche sind kein Problem für sie. Und auch alle anderen Künstler machen einen guten Job. Die traditionellen Instrumente werden nie zu dominant, sondern ausschließlich songdienlich eingesetzt. Und zusammen mit dem Rockinstrumentarium bilden sie eine harmonische Einheit.

HULDRE präsentieren auf ihrem Erstwerk vielfältigen und intensiven Folk Metal der berauscht und mitreißt und die alten Geschichten aus nordischen Landen wieder lebendig werden lässt. Wer sich weniger für Humppa und Viking-Power interessiert, sondern mehr für einen Folk-Sound mit reichhaltigen Emotionen und vielen musikalischen Nuancen, sollte in „Intet Menneskebarn“ unbedingt reinhören.

Bewertung: 8.5 / 10

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