Die Avantgarde-Black-Metaller INFERNO blicken bereits auf 31 Jahre des Bestehens zurück. Mehrere Live-Alben, diverse Compilations und Splits sowie acht bisherige Studioveröffentlichungen führt die Band aus Tschechien in ihrem Katalog. Jetzt präsentiert das Gespann mit „The Anthropic Sophisms (On The Heights Of Despair)“ sein neues Album. Und so viel sei vorweg gesagt: Auch der Neuling der Truppe ist eine Reise in avantgardistische Untiefen.
Das eröffnende „Fission Of The Soul“ bringt es direkt auf über zehn Minuten Laufzeit. Dabei hält sich die Nummer trotz repetitiver Arrangements sehr gut im Ohr. Das liegt vor allem daran, dass INFERNO nicht zuerst auf Geschwindigkeit oder flirrende Gitarren und damit absolute Genrekonventionen setzen. Der Start von „The Anthropic Sophisms (On The Heights Of Despair)“ ist trotz enormer atmosphärischer Dichte angenehm tight. Die darüberliegenden Riffwände indes bleiben durchweg drängend und wirken sehr mächtig, was das wendige Drumming umso wertvoller macht. Und wo es dem Song an Melodie fehlt, schafft es die Band dennoch mühelos, eine ungeheure Finsternis zu kreieren, ohne dabei überladen zu wirken.
Das folgende „Dekranos Katexochen (Mých Smrtí Je Bezpočet, Mých Nemocí Mnoho)“ setzt diesen Weg weit schleppender, in Sachen Stimmung jedoch keinesfalls weniger intensiv fort. Als wollten INFERNO ihr Publikum einen bodenlosen Mahlstrom hinabziehen, wälzt sich auch dieses Stück erneut durch die fast erdrückenden Riffkulissen von Morion und Ska-Gul, während sich das Schlagzeugspiel vom zähen Beginn an immer weiter in Richtung Hochgeschwindigkeit verschiebt. Der hintergründige Gesang von Adramelech verschmilzt dabei mit einem unendlichen Chaos, das sehr deutliche Assoziationen zu AKHLYS zulässt.
Die Explosion dieses Tracks ist auch insofern stimmig, als „With Raving Mouths They Utter Things Mirthless, Unadorned And Unperfumed“ zunächst mit einem stumpfen, aber wirkungsvollen Beat eingeleitet wird. Darüber spannen sich im Verlauf unangenehm verzerrte Klangwälle, sodass eine geradezu hypnotische Atmosphäre entsteht. Nach vier Minuten wird diese industrielle Düsternis von rauschendem Riffing und wütenden Blastbeat-Salven abgelöst. Auffällig ist, dass INFERNO genau wissen, wann sich bestimmte Arrangements erschöpft haben. So verbleibt Position drei auf „The Anthropic Sophisms (On The Heights Of Despair)“ nicht durchweg im Dauerfeuer, sondern etabliert auf Grundlage seiner eigenwilligen Komposition hier und da fast schon eine schmissige Dynamik.
Wie gut sich die Band auf das Erschaffen unangenehmer Stimmungen versteht, beweist zum Schluss noch einmal „Circulus Vitiosus Deus (The Infinity Ravages All)“. Der Song schließt sich in Sachen Drive wieder stärker an den Opener an, was zumindest eine kleine Auflockerung, wenn auch keine Entspannung bedeutet. Bedrohlich und drückend bleiben die sich aufbäumenden Gebilde aus zähen, fast monolithischen Riffs, abwechslungsreichem Drumming und maximaler Dissonanz nämlich dennoch – und bis zuletzt.
„The Anthropic Sophisms (On The Heights Of Despair)“ ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Nischenalbum. INFERNO bleiben vom ersten bis zum letzten Ton ihrem extrem atmosphärischen Avantgarde-Black-Metal verschrieben. Die kleinen Spielereien mit elektronischer Musik funktionieren überdies sehr gut. Woran es ein wenig fehlt, sind feste Bezugspunkte, zum Beispiel in Form griffiger Hooks oder etwas mehr Melodie, um in all der herausragenden Düsternis, die INFERNO hier manifestieren, nicht den Kopf zu verlieren. Nichtsdestotrotz ist das neunte Album der Band eine Empfehlung für jeden Genrefreund.
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Wertung: 7.5 / 10


