CD-Review: Krigsgrav - The Carrion Fields

Besetzung

Justin Coleman - Gesang, Gitarre
David Sikora - alle Instrumente
Corey Smith - Gitarre
Wes Radvansky - Bass

Tracklist

01. Akitu
02. Words Of Aeolus
03. Spire Of The Hunt
04. Ghosts Among The Ashes
05. Cold Wounds Of Virtue
06. A Grand Desolation
07. In The Waning Light We Bloom


Atmosphärischer Black Metal und ein schwedischer Bandname, wer denkt da nicht gleich ans sonnendurchflutete Texas? KRIGSGRAV kommen genau dort her, haben sich entweder aus coolness- oder marketingstechnischen Gründen einen skandinavischen Namen verpasst und legen mit „The Carrion Fields“ dieser Tage ihr drittes Album vor. Zumindest inhaltlich würde man dem Quartett die Herkunft nicht anhören, was eingangs sicher schon das größte Kompliment ist, welches sich die Amerikaner vorstellen können.

Lyrisch zäumt man das Pferd ganz von hinten auf. Thematisch widmet man sich „allen Jahreszeiten, sowohl in der Natur, als auch denen, die jedes Lebewesen während seiner Zeit auf Erden durchlebt.“ Die Frage, warum die Platte dann sieben (abzüglich des Intros zumindest sechs) Songs enthält, wäre in diesem Zusammenhang nicht uninteressant.
Wie auch immer, musikalisch stellt man sich jedenfalls nicht allzu schlecht an. Sicherlich, technische Großtaten wird man ebenso vermissen wie die allergrößte Abwechslung im Songwriting. Man gestaltet Atmosphäre und nutzt dafür eher bescheidene Mittel: Entweder spielen KRIGSGRAV längere akustische Passagen oder schleppenden Metal, auf den Sänger Justin mit heiserer Stimme intoniert. Selten zieht man die Geschwindigkeit mal etwas an, aber auch das erweckt nicht unbedingt aus der Eintönigkeit, diese wird eher durch die angesprochenen Akustikeinsätze aufgebrochen.
Dabei bieten die mitunter sehr langen Songs (fünfmal läuft man erst nach fast neun Minuten und länger ins Ziel) eine Menge Potential, um spannende Momente zu erschaffen. Leider wird durch die konzeptuelle Festlegung auf die kalte Atmosphäre einiges Potential verschenkt. KRIGSGRAV orientieren sich dann einen Hauch zu sehr an vermutlichen norwegischen Vorbildern, anstatt der Musik einen größeren eigenen Stempel aufzudrücken. An sich wären ja einige Möglichkeiten da, der Sound ist ganz gut getroffen, den schmalen Grat zwischen zu altbacken und zu modern produziert, treffen die vier ganz gut und die Frontstimme klingt meistens doch auch ganz gut. Etwas Variabilität wäre in diesem Fall wünschenswert gewesen, das Gekrächze klingt cool, aber manchmal fehlt es an Volumen, um die Musik noch etwas mächtiger zu machen.

„The Carrion Fields“ ist irgendwie schon ein typisches Atmospheric-Black-Metal-Album geworden. Nicht wirklich schlecht, aber ebenso fehlt das entscheidende Quäntchen Qualität. KRIGSGRAV präsentieren sich insgesamt sympathisch und machen nicht zu viel falsch, aber eben auch nicht so viel richtig, dass man das Album jedem dringend ans Herz legen müsste. Anchecken kann man schon mal, in Vorbereitung auf den anstehenden Winter vielleicht nicht verkehrt.

Bewertung: 6 / 10

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