Review Krypteria – Bloodangels Cry

Quasi ein Neuanfang und gefühltes Debütalbum ist „Bloodangels Cry“ von KRYPTERIA. Mit „Krypteria“ und „In Medias Res“ kann die Truppe zwar schon zwei Scheiben verbuchen, jedoch war die Band anfangs ein Musical-(Rock-)Projekt mit mehreren Sängern. Daraus entstammt unter anderem auch die erfolgreiche Single „Liberatio“, die im Zuge der RTL-Spendenaktion für die Tsunami-Flutopfer als Werbesong eingesetzt wurde. Ausserdem konnten sie in Südkorea bereits Platz 1 der internationalen Rockcharts einnehmen und schrieben sogar die Fanhymne „Na Ga Ja“ der südkoreanischen Fußballfans für die WM 2006. Mit der EP „Evolution Principle“ kam im Sommer 06 inklusive des Auftritts in Wacken eine musikalische Wende weg vom breit gefächerten Aufgebot an Sängern und hin zu härteren Klängen zwischen Hardrock, Heavy und Gothic Metal.

Als einzige Stimme ist hier die Koreanerin Ji-In Cho zu hören, die in Köln Gesang und Klavier studiert hat und, Obacht, 2003 bei der Castingshow Fame Academy gewann und Teil der Band Become One war. Das sollte heute niemanden mehr interessieren müssen, ist Ji-In Cho doch die große Stärke KRYPTERIAs. Die Frau hat nicht nur eine wunderschöne Stimme, sie ist dazu auch noch extrem variabel, was Höhen und Tiefen wie auch verschiedene Gesangsstile anbelangt. Hier wurde definitiv der richtige Schritt getan, weg von verschiedenen Sängern hin zu einer führenden Stimme zu gehen.

Die neu gewonnene Härte zeigt sich gleich mit dem Eröffnungsstück „All Systems Go“, nach wenigen Sekunden setzt es bereits ein schweres Riff und einen treibenden Rhythmus. Der Refrain setzt sich dazu noch beim ersten Mal hören direkt ganz böse fest, obwohl oder weil er ziemlich ungewöhnlich wirkt. Die Gesangsharmonie erinnert mich irgendwie ständig an „Powerless“ von Nelly Furtado, meine Gedanken jedenfalls driften bei Hier-kommt-der-Ohrwurm-Momenten stets in dieses Lied ab. Eine poppige Schlagseite kann man dem Material also auch nicht absprechen, aber wir wissen ja: Poppig ungleich schlecht. Die Musical-Vergangenheit ist KRYPTERIA natürlich auch nicht ganz abhanden gekommen, so ist der gesamte Sound der Scheibe sehr breit und bombastisch, ausserdem werden sehr häufig Chorgesänge zur Unterstützung Ji-Ins eingesetzt, vor allem in den Refrains.

Dass jetzt Plagiatsvorwürfe kommen werden, dürfte klar sein. Diejenigen kann ich aber beruhigen, KRYPTERIA sind keine Kopie oder Nachahmer der bereits etablierten „Female Fronted Metal Bands“ wie Nightwish, Evanescence oder After Forever. Die deutsch-koreanische Formation klingt anders und eigen; auf männlichen Gesang wird auch komplett verzochtet; und dürfte Freunden der genannten Bands mit ziemlicher Sicherheit gefallen. Auch hier gibt es die typische Vielfalt innerhalb der Lieder, neben den nach vorne rockenden Stücken wie „All Systems Go“, „Dream Yourself Far Away“ oder dem megabombastischen „Sweet Revenge“ gibt es bombastisch-balladeske Stücke mit herrlich gefühlvollen Pianoeinleitungen („The Night All Angels Cry“, „Somebody Save Me“ und „The Promise“) sowie gemäßigte Rocker wie „Out Of Tears“ und „Time To Bring The Pain“. Das abschließende zehnminütige „At The Gates Of Retribution“ klingt dafür noch stark nach dem Musical-Material aus der Vergangenheit kombiniert mit der neugewonnenen metallischen Schlagseite, hier sind ausserdem sogar Streicher zu hören.

„Bloodangels Cry“ bietet so innerhalb seiner genau 60 Minuten Spielzeit gefundenes Fressen für Freunde einer bombastischen (erwähnte ich es bereits?) und symphonischen Mischung aus Heavy und Gothic Metal mit weiblichem Gesang inklusive exotischer Note. Unter den zwölf Liedern befindet sich kein schwerer Ausfall und mit „All Systems Go“, „The Promise“, „The Night All Angels Cry“ und „Sweet Revenge“ vier hymnenhafte Ohrwürmer, die im Liveprogramm beste Figur machen dürften. Zudem ist der Sound noch perfekt, und hier ist das große Problem der Scheibe: Er ist zu perfekt. Die Ecken und Kanten fehlen nahezu vollends, was wohl auch am Songwriting und an der musikalischen Vergangenheit KRYPTERIAs liegt, es wirkt im Großen und Ganzen einfach ein wenig zu glatt geschliffen und poliert. So fehlen leider die Überraschungen und die musikalische Mischung erscheint eben allzu typisch für diese Richtung.
Nichtsdestotrotz ist „Bloodangels Cry“ ein richtig gutes Album geworden, welches KRYPTERIA mit einem Schlag in der Metalwelt etablieren kann und nicht zuletzt durch Ji-In bereits eine eigene Note bietet. Für die Zukunft wünschen wir uns trotzdem mehr Mut zu Experimenten.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert