CD-Review: Morbid Saint - Spectrum Of Death (Re-Release)

Besetzung

Pat Lind - Gesang
Jim Fergades - Gitarre
Jay Visser - Gitarre
Tony Paletti - Bass
Lee Reynolds - Schlagzeug

Tracklist

01. Lock Up Your Children
02. Burned At The Stake
03. Assassin
04. Damien
05. Crying For Death
06. Spectrum Of Death
07. Scars
08. Beyond The Gates Of Hell


Erschienen die großen Alben des Thrash Metal Mitte der 80er, so  gehörten die 90er dem Death Metal – das wird schon daran deutlich, dass Cannibal Corpse, die wichtigste Death-Metal-Band überhaupt, 1990 mit „Eaten Back To Life“ ihr Debüt veröffentlichte. Allerdings waren die beiden Genres in dieser Übergangsphase noch nicht so klar getrennt wie heute: Thrash-Bands wie Demolition Hammer standen auf Platten wie ihrem ebenfalls 1990 erschienenen Erstlingswerk „Tortured Existence“ mit einem Bein im Death Metal und Formationen wie Death konnten mit Alben wie „Spiritual Healing“ auch als härtere Thrash-Kapelle durchgehen. In dieser Phase des Umbruchs machten auch die relativ kurzlebigen MORBID SAINT von sich reden, die mit „Spectrum Of Death“ ihr erstes und lange Zeit einziges Album veröffentlichten. Ziemlich genau 30 Jahre später wird die Scheibe nun vom Underground-Spezialisten High Roller wieder aufgelegt.

„Spectrum Of Death“ macht in seinen gerade mal 32 Minuten Spielzeit deutlich, wie eng Thrash- und Death Metal Ende der 80er bzw. Anfang der 90er verwoben waren: MORBID SAINT setzen auf ihrem Debüt vornehmlich auf rasend schnelle Songs, die in ihren Riffs stets stark von Slayer insbesondere zu Zeiten von „Reign In Blood“ inspiriert sind. In Verbindung mit dem kehlig-rotzigen Gesang ihres damaligen Frontmanns Pat Lind erinnern die Burschen aus Wisconsin in Nummern wie „Burned At The Stake“, dem unerbittlich rasenden „Damien“ oder „Crying For Death“ so stark an Kollegen wie Demolition Hammer oder eben frühe Death. Letzteres verwundert kaum, zumal deren Manager Eric Greif auch bei Produktion und Mix des ersten MORBID-SAINT-Albums seine Finger im Spiel hatte.

Melodiöse Intros und unverzerrte Gitarren sucht man auf „Spectrum Of Death“ also – abgesehen vom 40-sekündigen Titelstück – vergebens, denn bei MORBID SAINT gibt es eine gute halbe Stunde lang voll auf die Zwölf. Ironischerweise ist die Musik der Thrasher aber gerade dann am spannendsten, wenn sie zur Abwechslung mal nicht versuchen, alle Geschwindigkeitsrekorde zu brechen: Die mit Songlängen jenseits der sieben Minuten geradezu episch angelegten „Assassin“ und „Scars“ bieten auf „Spectrum Of Death“ mit Abstand das intelligenteste Riffing und erlauben bisweilen gar infektiösen Groove. Natürlich hat auch das kompromisslose Hochgeschwindigkeits-Stakkato dieser Platte seinen Reiz, aber wahre Heavyness entsteht eben nicht selten durch Mut zur Langsamkeit …

Klanglich fällt „Spectrum Of Death“ genau so aus, wie man es von einem 30 Jahre alten Underground-Thrash-Geheimtipp erwarten möchte: Dank der Nachbearbeitung durch Remaster-Profi Patrick W. Engel in dessen „Temple Of Disharmony“ kommt die Platte sicherlich weitaus druckvoller als in der Erstpressung aus den Boxen. Davon abgesehen war hier aber wohl ohne Neueinspielung nur wenig zu machen, denn der kratzige, spitze Gitarrensound und das rumpelige Schlagzeug lassen keinen Zweifel daran, dass „Spectrum Of Death“ auch 1990 keine Major-Label-Produktion war. Das kann man MORBID SAINT allerdings kaum zum Vorwurf machen und letztendlich würde eine klinische Hochglanz-Produktion dem räudigen Anti-Establishment-Sound dieser Band wohl kaum gut tun.

Aus heutiger Sicht ist das, was MORBID SAINT mit ihrem Erstlingswerk anbieten, kaum aufregend. Der Thrash Metal der ersten und zweiten Welle wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten durch diverse Revivals wahrlich oft genug abgehandelt und ein Album wie „Spectrum Of Death“ war dank der enormen Konkurrenz vermutlich selbst bei Erstveröffentlichung nicht viel mehr als eine Randnotiz. Dennoch: Erstens ist es immer cool, wenn lange vergriffene Underground-Platten wieder aufgelegt werden und zweitens können MORBID SAINT kaum etwas dafür, dass ihr Sound bis heute unzählige Nachahmer fand. Und während die jungen Wilden von heute im besten Fall authentisch klingen, hat eine Platte wie „Spectrum Of Death“ den Vorteil, dass sie absolut authentisch IST – so wie hier festgehalten sind Feeling und Sound der Szene nicht mehr reproduzierbar und so ist dieser Re-Release ein Fenster in eine andere Zeit.

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