CD-Review: Nocturne - Nocturne

Besetzung

Essark – Gesang
Tenebris – Schlagzeug

Sessionmusiker:
Stefan Traunmüller – Gitarre
Gastmusiker:
Dan Swanö – Gesang (Track 09)

Tracklist

01. Return To Chaos
02. Eleven
03. Into The Great Below
04. Udinbak
05. Nocturne
06. Ama Lilith
07. He Before Whom The Sky Shakes
08. Son Of Darkness
09. Sign Of The Dark (De Infernali Cover)


Black Metal ist nicht gleich Black Metal, das lernt man meist sehr schnell bei der Suche nach neuen Interpreten ebenjenes Genres. Von den vielen Inkarnationen dieser Spielart ist die melodische im Stile alter Dissection überaus beliebt und für viele neuere Bands – allen voran Thulcandra – ein Vorbild. Auch die österreichischen Neulinge NOCTURNE haben sich offenbar in vielerlei Hinsicht von erstgenannter Truppe inspirieren lassen. Vieles an ihrem selbstbetitelten Debüt weckt Erinnerungen an die schwedischen Black-Metaller, ergänzt wird das ganze aber noch um ein paar Gimmicks, die verhindern, dass NOCTURNE zu einem identitätslosen Klon verkommen.

Die Assoziation fängt schon mal bei den Vocals an: die meiste Zeit wird hoch, aggressiv und gut verständlich gescreamt, nur ganz selten schlägt der gutturale Gesang in etwas tiefere Growls um, so etwa beim episch-hymnischen Opener „Return To Chaos“. Bei den Texten lassen sich Parallelen zu „Reinkaos“ ziehen, NOCTURNE thematisieren demnach Chaosgnostizismus, allerdings ohne die seltsamen Fremdbegriffe, die ebenjenes Album zuhauf enthielt. In den meisten Songs finden sich außerdem beschwörende Clean-Vocals, die bisweilen fast schon chorartig erschallen, was den hymnenhaften Charakter der Tracks unterstreicht. Die Gitarren werden weitgehend im Tremolo-Stil gespielt, sind zwar nicht allzu düster, aber rau, melodiös, episch und manchmal traditionell rauschend. „Ama Lilith“ beginnt diesbezüglich sogar eher rockig und in gewisser Weise feierlich.
Hin und wieder macht sich sogar der Bass bemerkbar, beispielsweise zu Beginn von „Into The Great Below“, bei dem NOCTURNE zum Schluss sogar ruhige, cleane Gitarren auspacken. Die schlagende Rhythmusfraktion bietet sowohl knallharte Blast-Beats als auch treibende Double-Bass, wird aber, wenn nötig, auch gezügelt, so zum Beispiel beim vorwiegend langsamen, instrumentalen Titeltrack. Ebenjener Song ist außerdem das Paradebeispiel für ein Merkmal, das NOCTURNE doch noch ein wenig von ihren Vorbildern anhebt: das vielerorts präsente, jedoch stets unaufdringliche Piano. Das Tasteninstrument bereichert neben mystischen Synthesizern („Nocturne“) und düsteren Orgeln („Udinbak“) viele der Songs, allerdings noch in einem Rahmen, der für eine Klassifizierung als Symphonic Metal zu eng ist.
Gestandene Schwarzmetaller können also beruhigt sein, auch bezüglich der Produktion, die weder zu glatt noch zu ungeschliffen ausgefallen ist. Zuletzt sei noch das abschließende „Sign Of The Dark“ erwähnt, ein wirklich gelungenes De-Infernali-Cover, für das sogar der Sänger der Original-Version, Dan Swanö, den Klargesang übernommen hat. Kraftvoll, episch, melodiös, das Cover ist ein wahres Highlight des Albums und übertrifft sogar das Original.

Fazit: NOCTURNE haben mit ihrem Debüt ein hochqualitatives Melodic-Black-Metal-Album geschaffen, das vor allem Dissection-Jüngern ans Herz gelegt sei. Den Tracks fehlt es zwar im Vergleich zu denen der Schweden noch ein wenig an Eingängigkeit und Eigenständigkeit, aber es handelt sich hierbei nichtsdestotrotz um eine empfehlenswerte Platte, die definitiv eine Daseinsberechtigung hat. NOCTURNE sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

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Bewertung: 8 / 10

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