Review Nordjevel – Nordjevel

  • Label: Osmose
  • Veröffentlicht: 2016
  • Spielart: Black Metal

Wenn die musikalischen Ideen für eine neue Black-Metal-Band so überzeugend sind, dass ein Fredrik Widigs, aktueller Schlagzeuger von Marduk, angeblich beim Angebot in die Band einzusteigen sofort zusagte, lohnt es sich womöglich, die Musik mal genauer unter die Lupe zu nehmen. NORDJEVEL aus dem Black-Metal-Paradies Norwegen legen nun, knapp ein Jahr nach Bandgründung, ihr gleichnamiges Debütalbum vor. Und dieses ist, entgegen der Erwartung beim Betrachten des etwas ulkigen Albumcovers, eine Offenbarung.

Gleich beim Opener „The Shadows Of Morbid Hunger“ knüppeln NORDJEVEL mit enorm hohem Tempo mit einer geballten Ladung atmosphärisch erhabener, tiefschwarzer Aggression auf den Hörer ein, wie es zuletzt wahrscheinlich Dark Funeral mit ihrem letzten Album „Angelus Exuro Pro Eternus“ schafften. Überhaupt erinnern die Harmonien, Melodien und die ganze Atmosphäre sehr an Dark Funeral, aber auch die Verbindung zu Marduk hört man wiederholt heraus. Anders als erstere beschränken sich NORDJEVEL aber nicht nur auf Dauerblasts und Doublebass, sondern bauen immer wieder eingängige, zum Teil sogar enorm groovige und fetzige Riffs ein und sorgen somit nicht nur für Abwechslung, sondern auch für ein individuelles Klangbild. Besonders beeindruckend ist dabei die Fähigkeit, Songs zu kreieren, die sich, ohne dabei kitschig zu wirken, hartnäckigst im Ohr einnisten, so zum Beispiel das unfassbar brillante „Djevelen I Nord“, der beste Song des Albums, für den auch das Troll-Mastermind Nagash seine Stimme lieh. Oder das hymnenhafte „Denne Tidløse Krigsdom“, das mit seiner epischen Atmosphäre an die wuchtige Klanggewalt von Keep Of Kalessin erinnert. Dazwischen findet sich sogar der eine oder andere Paganmoment, perfekt homogen in die Songgebilde eingefügt. Mit „Det Ror Og Ror“, „Blood Horns“ und „Når Noen Andre Dør…“ befinden sich weitere beeindruckend erbarmungslose Kracher auf dem Album. Nicht nur an der glasklaren, kräftigen Produktion, sondern auch an der makellosen Präzision, mit der die Instrumente eingespielt wurden, erkennt man, dass hier absolute Könner am Werk sind.
Dass leider „The Funeral Smell“ mit seinem Thrash-Metal-Beat etwas holprig daherkommt und dass der Rausschmeißer „Norges Sorte Himmel“ (für den jedoch immerhin Archaon von 1349 ein Gitarrensolo sowie erneut Nagash Gesang beisteuerte) in der Grundstimmung befremdlich viel sanfter klingt als der Rest des Albums, zudem mit 10 Minuten etwa doppelt so lang ist, wie er sein müsste, um zu funktionieren und dem Album damit auf den letzten Metern noch etwas die Puste ausgeht – geschenkt. Dafür machen NORDJEVEL mit ihrem Debüt so enorm viel richtig, dass man nach den 45 Minuten dieses überwältigenden Werkes sofort wieder von vorne beginnen möchte.

„Nordjevel“ ist ein purer Triumph: Wenn die Band es mit diesem fantastischen Release in den kommenden Monaten nicht schafft, wie eine gnadenlos voranpreschende Dampfwalze die Konkurrenz zu überrollen und ihren Platz auf großen Bühnen zu erkämpfen, dann läuft in der Black-Metal-Szene definitiv etwas falsch. Diese Truppe gehört zweifellos ganz nach oben. Man darf sich bereits jetzt darauf freuen, was als nächstes kommt. Fazit: Großartig!

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Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Simon Bodesheim

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