CD-Review: Oceans Of Slumber - Winter

Besetzung

Cammie Gilbert – Klargesang
Anthony Contreras – Gitarre, gutturaler Gesang
Sean Gary – Gitarre, gutturaler Gesang
Keegan Kelly – Bass, gutturaler Gesang
Uaeb Yelsaeb - Synthesizer
Dobber Beverly – Schlagzeug

Tracklist

01. Winter
02. Devout
03. Nights In White Satin
04. Lullaby
05. Laid To Rest
06. Suffer The Last Bridge
07. Good Life
08. Sunlight
09. Turpentine
10. Apologue
11. How Tall The Trees
12. ... This Road
13. Grace


(Progressive / Doom / Black / Death Metal) Sängerwechsel gehören ja meist ohnehin zu den radikaleren Änderungen im Line-up einer Band, gibt der Gesang der Musik doch oft noch einen ganz eigenen Charakter. Beinhaltet der Sängerwechsel die Aufnahme einer weiblichen, gefühlvoll und soulig angehaucht singenden Lead-Sängerin, wo vorher männlicher, gutturaler Gesang dominierte, führt das unweigerlich zu einer stilistischen Umorientierung. So ist es auch in diesem Fall bei OCEANS OF SLUMBER aus Texas geschehen, die mit „Winter“ ihr zweites Album veröffentlicht haben, das im Vergleich zum Vorgänger „Aetherial“ ganz neue Wege beschreitet.

Gleich der Opener und Titeltrack gewährt umfassende Eindrücke der neuen Ausrichtung der Band. „Winter“ beginnt als wundervoll düstere, depressive Post-Rock-/Doom-Ballade mit Cleangitarren, getragen von Cammie Gilberts zauberhaftem Gesang, die sich jedoch in der zweiten Hälfte zu einem kraftvollen Prog-Death-Monster weiterentwickelt und fasst damit zugleich die nun wartende einstündige musikalische Reise treffend zusammen: OCEANS OF SLUMBER haben auf „Winter“ eine grandiose Zusammenstellung an gefühlvollen, unfassbar schönen und trotzdem vor Energie strotzenden Songs erstellt, die nicht zuletzt durch die stilistische Vielfalt durch und durch beeindruckend ist.
Denn gleich der zweite Song, „Devout“, zeigt, dass sie auch ganz anders können. Deutlich härter steigert sich der progressive Song immer weiter in die Aggressivität hinein, bis hin zum atmosphärischen Highspeed-Blastbeat-Gewitter. Überhaupt muss hier unbedingt die fantastische Leistung des Schlagzeugers Dobber Beverly hervorgehoben werden. Sein vielseitiges, technisch brillantes Spiel verleiht sowohl den ruhigeren Songs einen passend unaufgeregten, dynamischen Charakter als auch den härteren, schnelleren Stücken eine beeindruckende Wucht. So präsentiert er beispielsweise in „Apologue“ einen (hörbar nicht künstlich perfektionierten!) extrem schnellen Blastbeat, der es in Sachen Tempo und Präzision mühelos mit Fleshgod Apocalypse, Dark Funeral oder Nile aufnehmen kann.
Natürlich ist aber größtes Wiedererkennungsmerkmal Cammie Gilberts Gesang, der technisch ausgereift ist und dennoch stets gefühlvoll Trauer und Verletzlichkeit übermittelt. Wer bei ihrem kurzen (Beinahe-)Solostück „Lullaby“, dem kreativen Moody-Blues-Cover „Nights In White Satin“ oder der rührenden ersten Hälfte von „… This Road“ nicht zutiefst ergriffen jeder Silbe lauscht, die ihr sanft über ihre Lippen geht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Zum Schluss gibt es dann mit „Grace“ noch ein großartiges, virtuoses Klavierstück, welches die Platte passend und würdig abschließt.
Ganz frei von Schwächen ist „Winter“ dennoch nicht. In der Mitte hat das Album mit dem etwas sehr gewöhnlich rockigen „Suffer The Last Bridge“ und dem etwas kitschigen „Sunlight“ einen kleinen Durchhänger. Zudem haben manche Songs zwar unbestreitbar geniale Teile, die aber in einige unnötige Fillerriffs oder seltsames Songwriting eingebettet sind. So ist beispielsweise „… This Road“ bis zur Mitte absolut brillant, bekommt aber eine weit weniger mitreißende und arg unpassende zweite Hälfte angeheftet, während „Apologue“ lange braucht, um endlich in Fahrt zu kommen. Doch all das ist angesichts der unzähligen wundervollen Momente, die das Album zu bieten hat, leicht zu verschmerzen. Wenn so der Winter klingt, dann sollte dieser spätestens jetzt die neue Lieblingsjahreszeit eines jeden Metal-Hörers werden.

OCEANS OF SLUMBER haben mit „Winter“ vielleicht nicht das beste, aber auf jeden Fall das schönste Album des bisherigen Jahres veröffentlicht. Wer mit Progressive, Doom, Black und/oder Death Metal auch nur ansatzweise etwas anzufangen weiß und weiblichem Gesang nicht abgeneigt ist, der sollte hier unbedingt zugreifen. Nach diesem wundervollen Album wird man in Zukunft mit Sicherheit mehr von OCEANS OF SLUMBER hören – zu Recht!

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: