CD-Review: Ordeal & Plight - Her Bones In Whispers

Besetzung

Stefan Hackländer
Reiner H. Wiese

Gastmusiker:
Ryanne von Dorst – Gesang (Track 06)
Alessandro Tartarus – Schlagzeug
Daniel Schweigler
Cornelia Schmitt

Tracklist

01. I’m Seriously Not Over It
02. Extra Pain Medication
03. In The Desert I Prefer You Over Water
04. Empty Stages 05. A Hole In The Ocean
06. ...And I Miss Her
07. Maybe Tomorrow
08. Pictures At An Inhibition
09. Morro Bay
10. 50.73743°, 0.24768°
11. Beautiful Fever
12. Exit: Let’s Be Careful Out There


Bislang stand das deutsche Underground-Label Eisenwald in erster Linie für archaisch anmutende Musik zwischen Black Metal und Folk. Nachdem mit Mosaic jedoch jüngst eines der tragenden Projekte der Plattenfirma die Fühler nach moderneren Klängen ausgestreckt hat, findet sich inzwischen ein gar völlig aus dem Rahmen des Erwartbaren fallender Neuzugang im Eisenwald-Roster: ORDEAL & PLIGHT. Deren zweites Album „Her Bones In Whispers“ wird als Post-Rock angepriesen, enthält aber unter anderem auch Spuren von Trip-Hop und Ambient und hebt sich mit seiner zeitgenössisch-sterilen, leicht avantgardistischen Ästhetik stark von den üblichen Veröffentlichungen des Labels ab.

„Her Bones In Whispers“ fällt allerdings nicht bloß im Kontext seiner Veröffentlichungsplattform auf, es markiert auch im Schaffen der Band einen Wendepunkt. Spielten ORDEAL & PLIGHT auf ihrem 2017 erschienenen selbstbetitelten Debüt noch relativ konventionellen Post-Rock mit dezenten, doomig getragenen Black-Metal-Anleihen, so ist der Nachfolger um einiges schwerer zu katalogisieren. In jedem der zwölf über weite Strecken instrumentalen Tracks stellen ORDEAL & PLIGHT ihren Sound von Neuem auf den Kopf. Zwar stößt man im Verlauf der Platte immer wieder auf rauschende, atmosphärische Synthesizer, unverzerrte Gitarren, elegantes Piano und dezente Drums und Beats, in seinem Aufbau gleicht hier jedoch kein Stück dem anderen.

Einzig die ernüchternde, kalte Grundstimmung bleibt von Track zu Track annähernd dieselbe. Dass „Her Bones In Whispers“, das von Projektkopf Stefan Hackländer als Kreuzung von Angst Skvadron, Klaus Schulze und Portishead beschrieben wird, alle paar Minuten mit Überraschungen aufwartet, resultiert in einem gemischten Hörerlebnis. In manchen Tracks gelingt es ORDEAL & PLIGHT sehr gut, auf interessante Weise eine einnehmende Stimmung aufzubauen. Zu diesen Highlights zählen das von luftigen Synths und geschäftigen Drums getragene „Empty Stages“, „Maybe Tomorrow“, das mit deinen zischenden Beats und verschroben wabernden Gitarren an Autumnblazes „Bleak“ (2000) erinnert, sowie „Pictures At An Inhibition“ mit seiner rollenden Perkussion, seinem geschmackvollen Piano und seinen flippigen Electro-Sounds.

Leider zündet jedoch nicht jede Idee, die ORDEAL & PLIGHT im Zuge des 45 Minuten lang Albums verarbeiten. Das karge „In The Desert I Prefer You Over Water“ ist mit seinen grob verfremdeten Vocals zum Beispiel eher anstrengend anzuhören und die sechs Minuten, die das behäbig dahintreibende „50.73743°, 0.24768°“ für sich in Anspruch nimmt, fühlen sich wie eine kleine Ewigkeit an.

Mit ihrem zweiten Full-Length haben ORDEAL & PLIGHT weniger ein herkömmliches Album als vielmehr eine ungewöhnliche Klangcollage kreiert. Wie es bei Collagen nun mal oft der Fall ist, wirkt „Her Bones In Whispers“ mitunter ein bisschen unzusammenhängend und stellenweise etwas verfehlt. Auf ihre eigentümliche Weise ist die Platte aber definitiv spannender als ein Großteil dessen, was man sonst aus dem Metal-affinen Underground zu hören bekommt. Obwohl ORDEAL & PLIGHT es bedauerlicherweise nicht geschafft haben, aus den Kompositionen mehr als die Summe ihrer Teile herauszuholen, ist „Her Bones In Whispers“ dank seiner stärkeren Momente also durchaus hörenswert.

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Bewertung: 7 / 10

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