Review Poverty’s No Crime – Spiral Of Fear

Als ich erfahren habe, dass POVERTY’S NO CRIME ein neues Album herausbringen, war ich doch überrascht. Die letzte Platte der deutschen Progmetaller liegt immerhin schon neun Jahre zurück, und seitdem war es um das Quintett sehr ruhig geworden.

Die gute Nachricht: Hört man „Spiral Of Fear“, merkt man von der langen Funkstille nichts – doch das ist leider auch die schlechte Nachricht! Denn POVERTY’S NO CRIME klingen noch exakt wie vor einem Jahrzehnt. Sie spielen handwerklich tadellosen, aber sehr traditionellen Progmetal der alten Schule, der eine gewisse Nähe zum Melodic Rock mitbringt. Die Songs sind ordentlich komponiert, nett arrangiert und sauber produziert. Leider gibt es solche Musik in dieser Qualität aber wie Sand am Meer – und ich gebe gerne zu, dass ich diesem Strickmuster über die Jahre etwas müde geworden bin. In Zeiten, in denen Bands wie Haken oder Leprous dem Progmetal haufenweise neue Impulse geben, sind für mich selbst ehemalige Heroen wie Dream Theater, die diese Art Musik groß gemacht haben und in Perfektion beherrschen, verhältnismäßig unspannend geworden. Wem es nicht so geht, der kann mit „Spiral Of Fear“ aber durchaus Spaß haben.

Schon im recht knackigen Opener „The Longest Day“ bündelt die Band all ihre Stärken: Treibendes Riffing, melodische Hooklines und virtuose Instrumentalpassagen. Der Refrain ist ein nachhaltiger Ohrwurm! Leider steht das (energetische) Highlight damit direkt am Anfang. „Spiral Of Fear“, „Dying Hopes“ und „A Serious Dream“ sind ebenfalls gut gelungen, wenn auch weniger kraftvoll. Das Instrumental „The Fifth Element“ hingegen finde ich eher zäh, genauso wie die gefühlt zum tausendsten Mal gehörte „orientalische“ Melodieführung in „Fatamorgana“.

Neben recht seichtem Progmetal und Melodic Rock lässt sich auch eine Prise Retro-Prog in den acht Songs der CD ausmachen, z. B. im abschließenden Longtrack „Wounded“. Sänger Volker Walsemann liefert genau wie seine Kollegen an den Instrumenten eine technisch saubere Leistung ab, sitzt aber stilistisch zwischen allen Stühlen und kann sich nicht nachhaltig in Szene setzen. Für Metal ist seine Stimme nicht kräftig und dunkel genug. Die melodischen Passagen gelingen ihm deutlich besser, doch auch hier wirkt sein Gesang ein wenig farblos. Schade! Die Show hingegen gehört Gitarrist Marco Ahrens, der einige schöne „Helden“-Soli zum besten gibt – das macht Spaß und sorgt für Farbe in der recht tristen Soundwelt von POVERTY’S NO CRIME.

Fazit: Wer die Band vor zehn Jahren mochte oder auf traditionellen Progmetal mit Melodic-Rock-Einschlag steht, der wird von „Spiral Of Fear“ für einige Zeit gut unterhalten. Mehr aber auch nicht, denn den Jungs aus Twistringen gelingt es leider nicht, sich qualitativ oder stilistisch aus dem Überangebot dieses Genres abzuheben.

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Wertung: 6.5 / 10

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