Review Powerwolf – Bible Of The Beast

Attila Dorn/Gesang, Matthew Greywolf/Leadgitarre… Falk Maria Schlegel/Orgel. Orgel? Das brachte mich erst einmal zum stutzen. Was zum Teufel hat eine Orgel denn im Lineup zu suchen? Keyboard ok, aber Orgel? Doch die Angst vor Kitsch durch die Orgel blieb unbegründet! Die Band POWERWOLF an sich ist im Jahre 2004 von den Brüdern Geywolf gegründet worden. “Bible Of The Beast” stellt dabei den dritten Longplayer der deutsch-internationalen Truppe dar. Geboten wird einem astreiner Power Metal europäischen Stils.

Doch nun zur Musik. Was erwartet einen auf “Bible Of The Beast”? Der Opener “Prelude To Purgatory” kommt mystisch und geheimnissvoll angehaucht daher und versprüht eine Mischung aus Transsylvanien, Dracula und einer gewissen Sakralität. Für gewöhnlich finde ich solche pseudo- bombastischen Intros, vor allem seit Manowars “Gods Of War” einfach nur nervig, doch hier wirkt es wirklich passend und leitet ohne zu penetrant zu sein gleich über in “Raise Your Fist, Evangelist”. Na müsst ihr schmunzeln? Also ich konnte mir den ein oder anderen Schmunzler bei den Songtiteln nicht verkneifen. “Ressurrection By Erection” sagt wohl alles dazu. Die Band macht klasse Musik nimmt sich dabei aber in keinem Moment zu wichtig und versprüht eine gehörige Portion Selbstironie. Ein hymnischer Refrain jagd den nächsten, ein melodisches Solo folgt dem anderen. Was POWERWOLF hier bieten ist einfach wahnsinnig eingäniger und auf hohem technischem Niveau angesiedelter Power Metal. In “Moscow After Dark” singt Attila stellenweise sogar auf russisch (oder zumindest einer osteuropäischen Sprache). Besonders angetan hat es mir “Panic In The Pentagram” ,das mit seinem sehr melodischem Riffing an Klassiker aus den 80ern erinnert. Zukünftige Hymnen haben POWERWOLF auch mit “Werewolfs Of Armenia” und “St. Satan’s Day” geschrieben, die im Refrain einfach zum Mitgröhlen einladen. Etwas ruhiger und geheimnissvoller lassen POWERWOLF “Bible Of The Beast” mit “Wolfes Against The World” ausklingen und schließen damit den Kreis zum Intro.

Wie kann man die Gesamtatmosphäre des Albums beschreiben? Stets sorgt die Orgel bzw. das Keybard im Hintergrund für eine gewisse Sakralität und Epik ohne aufdringlich und übertrieben zu wirken. Worte wie mystisch, sakral, düster, melodisch, kraftvoll und episch treffen die Scheibe meiner Meinung nach am besten. Es gibt keinen Song der nicht im Ohr hängen bleibt. Besonders herauszuheben ist auch die fantastische Gesangsleistung von Attila, der eine klassische Gesangsausbildung absolviert hat. Immer wieder werden lateinische Worte in die Songs eingesträut, die die Atmosphäre verstärken. POWERWOLF haben wirklich die Eigenschaft, eigentlich oft verwendete Stilmittel so zu interpretieren, dass sie nicht langweilig und ausgelutscht rüberkommen. Textlich bewegt man sich zwischen satanischen Themen, Werwölfen und erotischen Fantasien ohne sich aber zu ernst zu nehmen. Man will einfach rocken und das ist genau das richtige Rezept für eine gute dreiviertel Stunde beste Metal Kost. Die Soli kommen ohne übertriebenes Geschredde wunderbar eingängig und melodisch rüber. Auch der Sound knallt schön prickelnd aus den Boxen.

Alles in allem gibt es also auf “Bible Of The Beast” nicht viel zu meckern. Wer auf Power Metal steht sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren. POWERWOLF stechen meiner Meinung nach durch den ausergewöhnlichen Sänger Attila und durch ihre großartige Soundkullisse aus der Masse von europäischen Power Metal Bands heraus. Einen wirklich gravierenden Kritikpunkt kann ich nicht finden, außer das man keine wirklich großen Innovationen erwarten darf. Das hohe Nieveau wird auf jeden Fall die ganze Platte über beibehalten.

Anspieltipps: “Panic In The Pentagram”, “Werewolves Of Armenia” .
(Maximilian Lechner)

Wertung: 8.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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