CD-Review: Rage - Speak Of The Dead

Besetzung

Peter „Peavy“ Wagner – Gesang, Bass
Victor Smolski – Gitarre, Piano, Keyboard, Cello, Percussion
Mike Terrana – Schlagzeug, Percussion

Tracklist

Suite Lingua Mortis
01. Morituri Te Salutant
02. Prelude Of Souls
03. Innocent
04. Depression
05. No Regrets
06. Confusion
07. Black
08. Beauty

09. No Fear
10. Soul Survivor
11. Full Moon
12. Kill Your Gods
13. Turn My World Around
14. Be With Me Or Be Gone
15. Speak Of The Dead


Szene-Kennern sind RAGE schon lange ein Begriff gewesen. Das bis dato beste Werk ihres Schaffens haben die drei Musiker aber mit „Speak Of The Dead“ hingelegt. Diese Scheibe, die einem schon beim Anblick des Artworks den Atem raubt, sollte auch jedem anderen Metal-Fan und generell den Anhängern etwas anspruchsvollerer Musik zusagen.

Für diesen Effekt sorgt die geradezu geniale „Suite Lingua Mortis“, eine Komposition in acht Teilen, die komplett auf die Kappe des Ausnahme-Gitarristen Victor Smolski geht. Vergesst „Alive IV“ von Kiss, stellt Metallicas „S&M“ wieder zurück in den Schrank! Mit diesem Opus haben wir eindeutig die perfekte Melange aus Metal und klassischer Orchestermusik vor uns. Denn keine andere Band hat es bisher geschafft diese so unterschiedlichen Stile so homogen unter einen Hut zu bringen. Da reihen sich Passagen mit heftigen Thrash-Riffs plötzlich ganz natürlich an gefühlvoll-epische Orchester-Arrangements und immer wenn man denkt die ausgefeilte Struktur kapiert zu haben, kommt Meister Smolski mit einer neuen Überraschung um die Ecke. Aber bei der „Suite Lingua Mortis“ handelt es sich keinesfalls um ein Soloprojekt Smolskis. Auch die anderen beiden Musiker Peavy Wagner und Mike Terrana haben ihr Scherflein zu dieser gelungenen Komposition beigetragen. Dabei klingen ihre Schlagzeug- und Gesangsparts allerdings keinesfalls holperig oder unpassend, sondern fügen sich wie weitere Elemente des Orchesters in das Gesamtklangbild ein. Man kann dieses Meisterwerk musikalischer Kunst einfach nur mit einem Wort beschreiben: Unglaublich!
So ein langes Stück eignet sich auf der anderen Seite natürlich kaum als Single-Auskopplung. Also hat das Trio direkt noch mal eben den Gassenhauer „No Fear“ hinterher geschoben. Dieser Titel hat mit seinem eingängigen Refrain, den bratenden Gitarren und dem heftigen Groove alle Chancen darauf das bisherige RAGE-Meisterwerk „Straight To Hell“ als den Song der Band schlechthin abzulösen.
Das Potential dazu hätte sicherlich auch das etwas epischere „Full Moon“, das auf der Limited Edition auch in einer spanischen und einer deutschen Version enthalten ist, besessen. Dieser Track legt zwar mit einer episch getragenen Passage los, in ungewöhlicherweise auf spanisch anmutenden Flamenco Gitarren beruht, jedoch geht es danach um so heftiger zur Sache. Vor allem Peavy und Victor packen die Riff-Keule aus und Mike unterlegt das Ganze noch mit einem packenden Rythmus. Hin und wieder erinnert das schon eher an Thrash als an Power Metal. Umso verwunderlicher, wie selbstverständlich der Titel plötzlich zum Anfangsthema mit den Flamenco-Gitarren zurück kehrt.
Im Gegensatz zu diesen drei Über-Titeln von „Speak Of The Dead“ ist das restliche Material „nur“ sehr gut. „Soul Survivor“, „Kill Your Gods“, „Turn My World Around“, „Be With Me Or Be Gone“ und der Titeltrack „Speak Of The Dead“ bieten allesamt eingängigen Power Metal, der sämtlichen technischen Anforderungen gerecht wird und dazu auch noch jeglich Klischeeklippe gekonnt umschifft.
Aber wen wundert das auch bei der Klasse dieser drei Musiker? Spätestens dem letzten Zweifler sollte nun klar sein, dass Peavy Wagner einer der besten Sänger ist, den es im Metal je gab, dass sich Victor Smolski in seiner Virtuosität und seinem technischen Können nicht hinter Helden wie Steve Vai oder Yngwie Malmsteen zu verstecken braucht und das Mike Terrana wohl DAS Tier hinter der Schießbude ist, neben dem selbst Dave Lombardo wie eine zahnlose alte Dame wirkt.

RAGE präsentieren auf diese Art und Weise auf „Speak Of The Dead“ sieben zeitlose Metal-Hymnen und die unvergleichliche „Suite Lingua Mortis“. Selbst um nur einmal einen der weniger spektakulären Songs schreiben zu können, würden wohl 95% aller anderen Metal-Bands ihre Seele verkaufen. Diese drei Ausnahmemusiker hingegen schütteln dieses Überalbum mal so eben aus dem Ärmel. Wenn es einen gerechten Metal-Gott gibt, dann sitzt spätestens in fünf Jahren diese Scheibe auf dem goldenen Thron im Metal-Olymp.

Bewertung: 9.5 / 10

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