Mit „The Great Satan“ schlägt ROB ZOMBIE ein weiteres Kapitel in einer Diskografie auf, die seit den späten 1980ern konsequent zwischen Industrial Metal, Horror-Ästhetik und B-Movie-Exzess pendelt. Der ehemalige Frontmann von WHITE ZOMBIE etablierte spätestens mit seinem Solo-Debüt „Hellbilly Deluxe“ (1998) seine stampfenden Grooves, Samples aus Horrorfilmen und einen Hang zur grotesken Überzeichnung in der Musikwelt. „The Great Satan“ knüpft hörbar an diese Tradition an, wirkt zugleich aber wie eine Verdichtung seines Spätwerks. Wo frühe Alben noch stärker von tanzbaren Industrial-Beats geprägt waren, dominiert hier ein schwerer, gitarrenlastiger Sound, der an die rohe Direktheit von „The Sinister Urge“ oder „Educated Horses“ erinnert.
Dies zeigt sich bereits mit dem Opener „F.T.W. 84“, der sich zwischen Industrial Metal, Groove Metal und Hard Rock bewegt. Auch der Großteil der weiteren Songs wie „Heathen Days“ und „Punks And Demons“ baut häufig auf simplen, aber effektiven Riff-Strukturen auf, die sich mantraartig wiederholen und dadurch eine fast hypnotische Wirkung entfalten. Elektronische Elemente und Samples setzen Akzente, ohne den organischen Bandsound zu überdecken. Wer ROB ZOMBIE erwartet, bekommt genau das. Auch thematisch bleibt er seiner Linie treu: Okkultismus, Horror-Ikonografie, popkulturelle Zitate und eine selbstironische Lust am Abgründigen.
Innerhalb von ROB ZOMBIEs Gesamtwerk wirkt „The Great Satan“ weniger wie ein stilistischer Bruch, sondern vielmehr wie eine Konsolidierung. Während „The Lunar Injection Kool Aid Eclipse Conspiracy“ aus dem Jahr 2021 durch deutliche Industrial- und Electro-Anleihen noch stark vom Zeitgeist der späten 90er geprägt war, setzt der Nachfolger stärker auf klassische Metal-Elemente. Die Arrangements sind kompakter und überflüssige Experimente wurden zurückgefahren. Gleichzeitig bleibt die überzeichnete Horror-Ästhetik das verbindende Element seiner gesamten Karriere.
So überzeugend die stilistische Geschlossenheit auch ist, genau hier liegt auch eine Schwäche des Albums. Wer den Sound des US-Amerikaners kennt, wird kaum überrascht. Die Riffs sind effektiv, aber selten innovativ. Die Songstrukturen ähneln sich teilweise stark. Manche Tracks wirken wie Variationen eines bewährten Konzepts, ohne neue Impulse zu setzen.
„The Great Satan“ ist ein typisches ROB-ZOMBIE-Album, im positiven wie im negativen Sinne. Es liefert kraftvolle Riffs, düstere Atmosphäre und alle Trademarks, die vom Meister des Horrors erwartet werden. Für langjährige Fans dürfte es eine mehr als solide Ergänzung der Diskografie darstellen. Wer jedoch auf stilistische Weiterentwicklung oder überraschende Experimente hofft, könnte das Album als zu vertraut empfinden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wertung: 7 / 10


