Review Sentenced – North From Here

Kaum zu glauben, dass es schon mehr als drei Jahre her ist, dass die großen SENTENCED mit einer letzten Show in ihrer Heimat Oulu zu Grabe getragen wurden, aber es ist tatsächlich wahr. Drei Jahre ist es her, dass für die finnischen Düstermänner der Vorhang fiel und ihr Dahinscheiden hinterließ eine große Lücke in der modernen Gothic Metal Landschaft, die von einem ganzen Haufen Möchtegern-Nachfolger nur zu gerne gefüllt werden würde, aber da sprach ich ja schon an anderer Stelle drüber. Fakt ist, dass SENTENCEDs insgesamt acht Alben großen Einfluss hatten, nicht nur auf mich und meinen Musikgeschmack, sondern auf das Musikgeschäft im Allgemeinen. Sie machten den Suicider-Rock (wenn man das so nennen möchte) salonfähig und glänzten immer wieder mit ausgefeilten und trotzdem lockeren Kompositionen, die vor Allem durch ihren bösartigen Humor überzeugen konnten. SENTENCED, schade, dass ihr schon so früh von uns gehen musstet…

Dabei fing alles ganz anders an bei den Knaben aus dem Norden und jetzt, in der Rückbetrachtung, möchte man kaum glauben, dass allein der Sängerwechsel (und halt der damit verbundene neue Bassmann) so einen gewaltigen Einfluss auf ihren musikalischen Stil hatte. Denn an den Start gingen SENTENCED im Jahre 1989 als lupenreine Death Metal Band. Nach drei Demos schmissen sie dann ihre erste Langrille mit dem Namen „Shadows of the Past“ auf den Markt, ein ganz nett bollerndes Death Metal Album, das mich im Großen und Ganzen aber nie so wirklich überzeugen konnte. Aber der Nachfolger… Das ist ein ganz anderes Kaliber.

Bereits 1992 und 1993 aufgenommen und über Spikefarm rausgekloppt kauften Century Media die Rechte und brachten gute Stück erst 1995 weltweit in die Läden und ich würde ja gerne sagen, dass es einschlug wie eine Bombe, aber ehrlich gesagt habe ich keinen Schimmer, was den Erfolg von „North From Here“ betrifft. Verdient hätte die Scheibe jedenfalls einiges. Acht Tracks mit einer Gesamtlänge von knapp 44 Minuten hämmerten SENTENCED hier ein, wobei einer („Wings“) eine Neuauflage eines älteren Songs vom „Shadows of the Past“-Album ist, aber der war da schon einer der besseren, also will ich mal nicht meckern. Sondern lieber zur Sache kommen, was der geneigte Hörer denn auf „North From Here“ geboten kriegt.

Einiges, das ist mal sicher. Erstens Mal eine volle Ladung sehr episches Todesblei, angereichert mit viel Melodie, extrem fiesen Vocals und einer bewundernswerten technischen Kompetenz. Und als ob das noch nicht genug wäre, zieht die Atmosphäre der Scheibe da auch noch ganz klar mit. Los geht’s mit dem Opener „My Sky Is Darker Than Thine“ und nach einem sehr gemäßigten Vorspiel langen die Finnen auch gleich in die Vollen: versiertes Drumming aus dem Hause Ranta inklusive mächtig bollernder Double-Bass, dazu alle Nase lang sägende Tremolo-Riffs und Jarvas heftiges Gekeife. Die Abmischung ist eine erstaunlich runde Sache, der Sound ist extrem fett geraten, die Snare klingt zwar etwas holzig und die Bassdrum hat hin und wieder einen unangenehm künstlichen Sound, aber das kann man verschmerzen. Die Gitarren, Jarvas Stimme (ich will jetzt nicht sagen, dass Jarva der bessere Sänger war als Laihiala, er war einfach anders, definitiv aber nicht schlechter) und das dezent eingesetzte Keyboard reichen aus, um den Hörer einer eisigen Sturmböe gleich umzupusten.

Das ist auch ein ziemlich guter Vergleichspunkt, denn wie schon oben angedeutet ist die Atmosphäre des ganzen Werkes sehr schön gelungen. In den eher rasenden Parts geht sie zwar hin und wieder etwas unter, aber meistens wird die Scheibe ihrem Titel voll und ganz gerecht: Sie klingt nordischer als nordisch, einfach absolut frostig (den Höhepunkt des Ganzen erreicht die Chose bezeichnenderweise am Anfang von „Awaiting The Winter Frost“). Dazu passt die epische Erhabenheit des einen oder anderen Riffs, das die Finnen locker flockig aus dem Ärmel schütteln, bei „My Sky Is Darker Than Thine“ zum Beispiel, oder – wer hätte es gedacht – beim Rausschmeißer „Epic“. Es erreicht keine Primordial-Dimensionen, aber es klingt schon alles verdammt nett…

Damit ist das Schlusswort auch schon gesprochen: SENTENCEDs zweites Album „North From Here“ ist eine verdammt nette Sache, die jedem Freund von episch-melodischem Death Metal und sowieso nordischer Musik einen ganzen Haufen Freude bereiten dürfte. Auch Fans von Immortal und Catamenia können ob der Frostigkeit des Materials einen Lauscher riskieren, es könnte sich möglicherweise lohnen. Zur Höchstpunktzahl fehlt den „Northernmost Killers“ mit dieser Scheibe zwar noch ein Quentchen, dazu hätte die CD im Großen und Ganzen noch ein klein wenig genialer ausfallen müssen, aber mit „North From Here“ kann man eigentlich absolut nichts falsch machen.

Wertung: 9 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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