CD-Review: Soror Dolorosa - Blind Scenes

Besetzung

Andy - Gesang
Moulay - Gitarre
Hervè - Bass
Franck - Schlagzeug, Percussion

Tracklist

01. Crystal Lane
02. Autumn Wounds
03. Damaged Dreamer
04. Low End
05. Soror Dolorosa
06. Scars Of Crusade
07. In A Glance
08. Broken Wings


Tjoa, hier präsentiert sich also eine mir bis dahin völlig unbekannte Truppe. SOROR DOLOROSA heißt der Vierer und nach einiger Recherche – welche unter anderem dahin führte, dass SOROR DOLOROSA der Name eines französischen SM-Romans aus dem Jahr 1996 ist (ob da wohl ein Zusammenhang besteht?!?) – kam heraus, dass man seit gut 10 Jahren zunächst in Toulouse, jetzt in Paris aktiv ist.

Die vom Label ausgegebene Rubrik Gothic / New Wave kann ich in Grundzügen zwar verstehen, teilweise muss ich sie aber auch ablehnen. Es sei denn, dass die neue Welle doch sehr historische Aspekte der Musik aufgreift. Beim Anhören der fast durchweg clean arrangierten Stücke kommen mir am ehesten Bands wie The Mission oder die in gewisser Weise verwandten The Sisters Of Mercy in den Sinn und diese Bands hatten ihre beste Phase wohl zweifellos um das Jahr 1990 herum. Nun, natürlich will ich niemanden in die Sache hereinreden, soll doch jeder die Musik spielen, die ihm am besten gefällt. Und, um das gleich vorweg zu sagen, der Sound der Franzosen ist keineswegs schlecht. Die gotischen Elemente lehnen sich, wie könnte es auch anders sein, an die vermeintlichen Vorbilder an, man sollte also nicht den Fehler machen und annehmen, dass SOROR DOLOROSA Gothic im heutigen Sinne machen. Vielmehr ist die Musik sehr basslastig ausgelegt, dazu kommt die gute, die warme Stimme von Frontmann Andy, der am meisten von allen nach Wayne Hussey von The Mission klingt. Die Gitarren spielen den Stoff in der Regel clean herunter, was zu einer gewissen Eintönigkeit führt, die durch Songlängen um sechs bis sieben Minuten noch weiter unterstützt wird. Ein schmaler Grad zwischen atmosphärischer Wirkung und Langeweile, den SOROR DOLOROSA in meinen Ohren gut meistern.

Tatsächlich gelingt es der Band, eine gewisse Spannung aufzubauen, der transparente Sound unterstützt das in den meisten Fällen gelungene Songwriting. Fraglich bleiben ein wenig die Adressaten der Musik. Der geneigte Metalfan wird sicher nach einiger Zeit eine ordentliche Portion Power vermissen, während es für die Dancefloor-Fraktion im Gothicsektor etwas mehr Tanzbarkeit bräuchte. Vielleicht die ruhige Rotweinrunde an einem verregneten Herbstabend oder ganz einfach Musik zum Relaxen? Das sollte jeder für sich herausfinden, mein Fazit ist kurz und knapp: SOROR DOLOROSA übertreiben es an der einen oder anderen Stelle etwas mit der Theatralik, zeigen aber auch, dass sie des Songwritens mächtig sind. Interessante Lieder mit etwas schwermütiger Atmosphäre kann man hier erwarten und wem zusätzlich die genannten Paten gefallen, kann gerne mal ein oder zwei Ohren riskieren.

Bewertung: 7.5 / 10

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