CD-Review: Soror Dolorosa - Apollo

Besetzung

Andy Julia – Gesang
Nicolas Mons – Gitarre
David-Alexandre Parquier – Gitarre
Hervé Carles – Bass
Frank Ligabue – Schlagzeug

Tracklist

01. Apollo
02. Locksley Hall
03. That Run
04. Everyway
05. Night Is Our Hollow
06. Another Life
07. Breezed & Blue
08. Yata
09. The End
10. Long Way Home
11. A Meeting
12. Deposit Material
13. Golden Snake
14. Epilogue


Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis SOROR DOLOROSA bei Prophecy Productions unterkommen würden. Immerhin stehen die französischen Gothic-Rocker in engem Kontakt mit den Mitgliedern von Alcest und Les Discrets und haben mit ihrer ganz klar von frühen The Cure, The Mission und Fields Of The Nephilim inspirierten Musik von Anfang an viel Eindruck geschunden. Dass das Quintett auf seiner dritten Platte, dem Doppelalbum „Apollo“, gefühlt ein wenig mehr Post-Rock in seinen wavigen Gothic-Sound einfließen hat lassen, mag durchaus mit der neuen Labelheimat zu tun haben. Dies jedoch nur als kleine Notiz am Rande, denn letztlich kommt es eigentlich nur darauf an, ob SOROR DOLOROSA sich ihren Platz bei dem renommierten Label auch wirklich verdient haben.

Schon mit dem melancholischen Opening-Riff, das nostalgisch an Klassikerscheiben wie „God’s Own Medicine“ zurückdenken lässt, verbeugen sich SOROR DOLOROSA auf dem eröffnenden, achtminütigen Titeltrack ehrfürchtig vor ihren Vorbildern. Als wäre es noch nicht genug, dass die Franzosen dieses wundervolle, herbstliche Retro-Gothic-Feeling so gekonnt in die Gegenwart holen, setzen SOROR DOLOROSA stets auch eigene, unverkennbare Akzente.

Während der zurückhaltende, leicht verträumte Gesang ein wenig unscheinbar – aber dennoch stimmig – wirkt, zeigen die Gothic-Rocker in ihrer feinfühligen Gitarrenarbeit ihr ganzes Geschick als Komponisten. Die Bandbreite geht von verwässerten Klängen in der Tradition von The Mission über ätherisches, unverzerrtes Post-Rock-Flirren wie im unglaublich atmosphärischen, sehnsüchtigen „Night Is Our Hollow“ und nachdenkliche Akustik („A Meeting“) bis hin zu wüsten, regelrecht misstönenden Ausbrüchen („Everyway“). Wie es sich für eine schwermütige Düsterrock-Platte gehört, geben SOROR DOLOROSA dem warmen Bass viel Platz zur Entfaltung und auch in der simplen, aber kreativen Perkussion offenbart sich das ausgeprägte Fingerspitzengefühl der Band.

Das vielleicht hervorstechendste Merkmal, das „Apollo“ zu einem so einzigartigen Hörerlebnis macht, ist jedoch die Keyboarddecke, die SOROR DOLOROSA über den meisten ihrer Tracks ausbreiten. Gerade durch die flächigen Electro-Sounds erhalten Songs wie „That Run“ oder das ergreifend hoffnungsvolle „Another Life“ ihren herrlich eigentümlichen Charakter. Letztlich begeistert „Apollo“ aber schlicht und einfach aufgrund seiner ausdrucksstarken Melodien, die den verschiedensten Gefühlslagen Gehör verschaffen, so wie im schwermütigen und doch kraftvollen „The End“.

Was SOROR DOLOROSA auf ihrer dritten Studioplatte geschaffen haben, rechtfertigt die vierjährige Wartezeit nach „No More Heroes“ voll und ganz. Dass „Apollo“ zum Ende hin geringfügig nachlässt, ist in Anbetracht der Spielzeit von 70 Minuten verständlich und nicht weiter tragisch. Wenn auch die letzten paar Nummern etwas unauffällig daherkommen, ist das Album in seiner Gesamtheit doch unfassbar fesselnd, emotional und darüber hinaus auch noch außergewöhnlich detailorientiert und sphärisch produziert. Peppige, fast schon tanzbare Goth-Rock-Nummern bringen SOROR DOLOROSA genau so authentisch rüber wie träumerische Balladen. Dieses Kunststück muss ihnen erst mal jemand nachmachen.

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Soror Dolorosa – Apollo”

  1. Winterpercht

    Definitiv eine starke Scheibe wieder, die sich nahtlos in die Discographie einreiht. Waviger wie Beastmilk/Grave Pleasures und weniger Hit-verdächtig, dafür in Sachen Langzeitwirkung unschlagbar. Die Platte kann man auch mehrfach hören, ohne dass sie sich total abnutzt. Eben, weil „Hits“ und Melodien nicht so völlig offensichtlich hinein rauschen.

    Wenn man vom Debut „Low End“ mal anhört, kann sich vielleicht ausmalen, was ich meine. Diese Stelle, wo der Bass dann nach oben wandert…das ist marginal, aber für den Song so wichtig, dass auch die über sieben Minuten bei aller hypnotischer Gitarrenarbeit immer ein wenig spannend bleibt.

    https://www.youtube.com/watch?v=eaA0FuOs228

    Ansonsten gibt es aktuell wohl keine Band, die Bands wie The Cure auf so eine gelungene Art und Weise huldigt und mit eigener Ästhetik versieht, wenn man mal an das sehr gelungene Artwork der zweiten Platte denkt.

    Ähnlich fesselnd, dabei leicht punkiger, sind die Landsmänner Varsovie. Dahinter steckt Arnault Destal, den vielleicht manche noch von seinem Black Metal-Projekt Forbidden Site kennen. Varsovie sind dabei weniger versteckt mit ihren Hits, sondern schon viel eher geradeaus, eben durch den rockig/punkigeren Einfluss. Der einnehmende französische „Sprech“-Gesang gibt dem ganzen dann noch die nötige eigene Note.

    https://www.youtube.com/watch?v=s83Ryv17zJg

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: