Rechte Umtriebe im Black Metal – bringt Licht in die Grauzonen!

Manchmal fühlt es sich wie ein Ding der Unmöglichkeit an, eine musikalische Vorliebe für Black Metal mit einem humanistischen Wertesystem in Einklang zu bringen. Ein aus dem Alltag gegriffenes Beispiel: Man entdeckt beim Stöbern eine interessant wirkende Band und möchte mehr darüber erfahren. Beim internetgestützten Background-Check dann das erste böse Omen: Der Vorschlag, den die Suchmaschine an oberster Stelle ausspuckt, lautet „[Band X] rechts“. Eine üble Vorahnung macht sich breit: Bin ich schon wieder an eine sogenannte „Grauzonenband“ geraten? Was ist es denn diesmal? Hat eines der Mitglieder mit einem einschlägigen, vielleicht sogar verbotenen Symbol hantiert? Oder hat die Band bei [Label Y] unterschrieben oder mit [Band Z] auf demselben Festival gespielt? Beim weiteren Nachforschen stößt man schließlich auf das obligatorische Statement der Gruppe, in dem diese sich als „unpolitisch“ positioniert und sich von Extremismus „jedweder Art“ distanziert. Na, wenn das so ist, ist doch alles in Butter, oder nicht? Wenn es doch bloß so einfach wäre …

Machen wir uns nichts vor: Wenn ein Künstler in einem Interview ausspricht, „kein Ausländerfreund“ zu sein, oder ein Mitglied aus einer Band geworfen wird, weil dieses sich als transgender zu erkennen gibt, dann ist eine ausweichende Rechtfertigung, in der die jeweilige Band auf ihre angeblich „unpolitische“ Haltung verweist, vollkommen wertlos. So etwas wie „unpolitisch“ sein gibt es nämlich gar nicht – jede Handlung und jede Äußerung hat eine politische Tragweite. Klar Stellung zu beziehen, ist doch eigentlich nicht so schwer. Schließlich gibt es viele Beispiele für Bands, die Fehler machen, indem sie etwa aus Unwissenheit Musik über ein rechtsextremes Label veröffentlichen oder aus unbedarfter Ignoranz problematische Äußerungen tätigen, sich im Nachhinein jedoch glaubhaft dafür entschuldigen und daraus Konsequenzen ziehen.

Wenn also eine Musikgruppe auf Vorwürfe bloß mit undeutlichen Erklärungsversuchen reagiert, dann handelt es sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um einen unbeholfenen Versuch, den eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen, ohne sich mit der Validität der Anschuldigungen auseinandersetzen zu müssen. Im besten Fall ist eine solche Reaktion ein Ausdruck von Gleichgültigkeit, im schlimmsten kann man darin hingegen einen gewieften Schachzug erkennen – einen Trick, dazu gedacht, nicht ganz so konsequente Kritiker*innen ruhigzustellen, ohne dabei gleichgesinnte Fans zu vergraulen.

Der schwierige Umgang mit der Ambiguität

Dass gerade der Black Metal ein derart gravierendes Problem mit rechtsextremen Umtrieben hat, dass sich aus ebenjenen mit NSBM sogar ein eigenes Subgenre gebildet hat, kommt nicht von ungefähr. Wer mit den Anfängen der Musikrichtung vertraut ist, deren praktisch ausschließlich männliche Begründer einst durch Mord, Kirchenbrandstiftung und Hassverbrechen von sich reden machten, wird sich wohl nicht darüber wundern, welche hässlichen Blüten das schwarze Genre noch treiben sollte. Abgründige Empfindungen wie Hass, Wut und sogar Hoffnungslosigkeit, aber auch toxische Maskulinität, romantisierende Ahnenverehrung, übersteigerter Heimatstolz und Elitismus sind tief im Wesen dieses Genres verwurzelt – Anknüpfpunkte für Nazis, die derlei Gefühle und Ansichten für ihre Zwecke instrumentalisieren, finden sich da natürlich zuhauf.

Zeal & Ardors „Wake Of A Nation“ – ein Zeichen gegen Polizeigewalt

Dabei können negative Gedanken durchaus auch aus philanthropischer Sicht ihre Berechtigung haben: Die systematische Diskriminierung von Minderheiten ist ein mehr als legitimer Grund, zornig zu sein und die Zerstörung der Umwelt durch mächtige Konzerne kann ein Individuum zur Verzweiflung treiben. Sogar die provokative Religionskritik eines Nergal kann wichtige Fragen über die Meinungsfreiheit aufwerfen – wobei der Behemoth-Fronter mit seinem Anti-Antifa-Gezeter und seiner Vergangenheit in der rechtsradikalen Szene Polens gewiss nicht von jeder Kritik freizusprechen ist. Sogar der Satanismus, mit dem die frühen Vertreter der Musikrichtung vermutlich weniger aus fester Überzeugung denn aus jugendlichem Rebellentum schockieren wollten, kann als Narrativ einem hehren Zweck dienen – man denke nur daran, wie Zeal & Ardor den Gospel auf teuflische Weise neu interpretieren und damit ein starkes Black-Empowerment-Statement setzen. Dem fadenscheinigen Argument, extreme Musik lebe nun mal von extremen Ansichten (womit Befürworter*innen seltsamerweise fast ausschließlich faschistoide Sichtweisen meinen), ist damit jede Grundlage entzogen.

Doch wie hat man nun darauf zu reagieren, wenn sich eine lieb gewonnene Band als rechtsradikal oder zumindest dubios entpuppt? Kann man Musiker*innen wirklich den oft bemühten „Tod des Autors“ sterben lassen, die Kunst von den Künstler*innen trennen, einer Band die Gunst des Zweifels gewähren oder ideologische Differenzen gar komplett ignorieren? Wenn wir uns selbst gegenüber wirklich ehrlich sind, ist uns sehr wohl bewusst, dass das doch nur bequeme Ausflüchte sind, die wir uns selbst einreden, um nicht auf etwas verzichten zu müssen, das uns in unserer Unwissenheit ans Herz gewachsen ist.

Bleibt also letztlich nur der Boykott? Doch wo zieht man da die Grenze? Für sich genommen eindeutig unproblematische Bands allein wegen ihrer Einflüsse, Ästhetik oder einer um drei Ecken gehenden „Kontaktschuld“ im Sinne einer „Guilt by Association“ mit offenkundig extremistischen Gruppen gleichzusetzen, wäre wohl zu restriktiv. Zu leicht könnten Bands wie Waldgeflüster, die mit ihrer heimatromantischen Optik auf den ersten Blick suspekt erscheinen, sich bei genauerem Hinschauen jedoch als antifaschistisch entpuppen, zu Opfern unbegründeter Vorwürfe werden. Dass sich hinter kontroverser Selbstdarstellung nicht immer auch entsprechende Überzeugungen verbergen, haben nachweislich nicht dem rechten Eck angehörende Mainstream-Interpret*innen wie Rammstein oder David Bowie schließlich schon längst hinlänglich bewiesen.

Der Gleichgültigkeit den Kampf ansagen

Es wird wohl nie die eine richtige Lösung für dieses Problem geben. Selbstverständlich sollte man politisch eindeutig untragbare Projekte, wenn man schon ihre Musik konsumiert, zumindest möglichst nicht finanziell unterstützen und ihre Tonträger zum Beispiel nur gebraucht kaufen. Letztlich müssen wir für uns selbst entscheiden, wessen Kunst wir uns zu Gemüte führen und welche nicht. Wichtig ist, dass wir unser Bewusstsein darüber schärfen und kritisieren, was kritisiert gehört, anstatt extremistische Tendenzen einfach schulterzuckend hinzunehmen oder uns mit inhaltsleeren PR-Statements abspeisen zu lassen.

Dass ein waches Auge und eine deutlich kommunizierte Absage an die politische Gleichgültigkeit viel bewirken können, ließ sich in jüngster Zeit immer wieder beobachten. So etwa, als mehrere Metal-Projekte mit der „Overgrow To Overthrow“-Compilation die Black-Lives-Matter-Bewegung unterstützten, Harakiri For The Sky den geplanten Gastbeitrag einer fremdenfeindlichen Sängerin von ihrer neuen Platte strichen und nach lauter Kritik an einem finnischen Festival, dessen Billing mit NSBM-Gruppen regelrecht getränkt war, manche der Bands (wenn auch teils mit offensichtlicher Uneinsichtigkeit) ihren dortigen Auftritt absagten (siehe dazu unsere Kolumne). Dass man mit Black Metal sogar ein Zeichen für Toleranz, ja sogar Liebe setzen kann, hat kürzlich etwa Violet Cold mit seinem fantastischen (wenn auch sehr weit am Rand der Stilrichtung stehenden) Album „Empire Of Love“ vorgemacht.

Überlassen wir den Black Metal also nicht länger tatenlos den Verblendeten, die nur zu oft darüber singen, wie schrecklich diese Welt ist, sie mit ihren reaktionären Ansichten und Taten aber umso schlimmer machen. Nur wenn wir Rassismus, Diskriminierung und Faschismus nicht teilnahmslos gegenüberstehen, können wir nach und nach lernen, uns in den Grauzonen des Genres zurechtzufinden und ein enttarnendes Licht auf jene Bereiche zu werfen, die in Wirklichkeit pechschwarz sind. Oder, um es mit den etwas direkteren Worten einer deutschen Black-Metal-Band zu sagen:

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15 Kommentare zu “Rechte Umtriebe im Black Metal – bringt Licht in die Grauzonen!”

  1. metallian

    Hallo,

    ein sehr guter und wichtiger Beitrag. Als jahrzehntelanger Fan und aktiver Musiker dieses Stils, spricht mir hier einiges aus der Seele.
    Und Leute ich sag euch: Es geht anders !
    Ich selbst spiele seit Jahren Schlagzeug in einer Black Metal Band und bin als Mensch der totale Pazifist. Und das obwohl unsere Musik einen extrem derben Sound hat und wir das volle Programm mit Corpsepaint, Nieten, Pentagramen, Umgedrehten Kreuzen, Feuerspucken usw. auffahren.
    Keiner in unserer Band vertritt rassistisches Gedankengut, ist homophob oder begeht irgendwelche Verbrechen.
    Wir sind alle absolut Weltoffen, tolerant und z.B. auch absolut tierlieb.
    Ich selbst habe keine rein deutsche Abstammung und bin Familienvater in einer Patchwork Familie die ebenfalls bunt gemixt ist. Und desweiteren habe ich ein Pflegekind, daß einen ausländischen Hintergrund hat. Das geht alles. Und sogar sehr gut. Eine bevorzugte Musikrichtung sollte nie der Grund dafür sein, sich in einen schlechten Menschen zu verwandeln. Ich habe das bei manchen selbst miterlebt, und glaubt mir, für keinen von denen ging das irgendwie positiv aus. Das waren einfach nur noch vorbestrafte Verbrecher. Und keiner war auch nur ansatzweise der Held, für den er sich selbst gehalten hatte.
    Im Beitrag wurde das ja schon treffend genannt: Man kann nicht über den schlimmen Zustand dieser Welt singen, und dann mit seinen eigenen Taten alles noch schlimmer machen. Leute, dann seit ihr selbst nicht besser. Bands wie Venom, Mercyful Fate/King Diamond, Sodom oder aus der zweiten Welle Immortal haben sich auch nie so verhalten und genießen in der Szene bis heute den höchsten Respekt. Man sieht hier deutlich, es geht auch anders. Und ihr müsst deswegen nicht zum Hippie werden. Ein gesunder Menschenverstand reicht da schon vollkommen aus.
    Ich kann euch nur empfehlen, wenn ihr eine Band nicht kennt, euch erstmal zu informieren.
    Es gibt im Internet einige wirklich gute Listen, solche die auch nicht jede x-beliebige Band da reinpacken und das ganze auch erklären. Es empfiehlt sich auch, mal auf verschiedenen Suchmaschinen zu schauen, man findet dann oft noch mehr. Wenn ihr bei einer unbekannten Band mal reinhören wollt, nutzt lieber erstmal YouTube oder Spotify anstatt gleich irgendein Album blind zu kaufen. Bei bekannten Bands (wie z.B. Burzum), kauft die Alben gebraucht. So könnt ihr die Musik hören (die ja keine rechte Propaganda enthält), müsst aber Varg Vikerness und seine Gesinnung nicht unterstützen. Oder nutzt, wie auch ich, hier ebenfalls Spotify. Das ist dafür wirklich keine so schlechte Plattform.
    Es gibt vieles, was man tun kann, man muss sich einfach nur mal Gedanken machen.
    Es gilt hier wirklich: „Lieber fünf mal zu viel nachschauen, als einmal zu wenig“.

    In diesem Sinne

    metallian

    P.S. „Es ist nicht wichtig, wer oder was ihr seid. Es ist nur wichtig, wie ihr seit“.

  2. Roy Black Metal

    „Manchmal fühlt es sich wie ein Ding der Unmöglichkeit an, eine musikalische Vorliebe für Black Metal mit einem humanistischen Wertesystem in Einklang zu bringen.“

    Nicht nur manchmal. Es ist unmöglich. Black Metal steht völlig konträr zum humanistischen Wertesystem und das sollte jedem Hörer dieses Musik klar sein. Das macht auch eine sehr perverse Weise einen Großteil seiner Faszination aus. Faszination für eine Musikrichtung bedeutet nicht Gefallen im Sinne von Zustimmung. Man kann faschistische Architektur faszinierend finden und gleichzeitig den Faschismus, auf dessen Wertesystem sich ihr Hintergrund stützt, in Bausch und Bogen verdammen. Ich bin gläubiger Christ, es ist für mich größtenteils inakzeptabel, verachtenswert, was bei vielen BM-Band lyrisch von sich gegeben wird. Es ist auch völlig egal, ob man lyrisch dazu aufruft, alle Christen umzubringen oder alle Juden, alle Muslime oder irgendeine andere Gruppe an Menschen.
    Black Metal und Humanismus schließen sich gegenseitig aus. Meine Herangehensweise ist wie die Lektüre des Marquis de Sade: Faszinierend, abstoßend, aufwühlend. Aber niemals würde ich vom Marquis verlangen, dass er sich irgendwie mit meinem Wertesystem deckt. Ohne diese Distanz kann man sich Kunst nicht nähern, denn Kunst hat nie zwingend einen zivilisatorischen Auftrag.

    1. Roy Black Metal

      Sapperlott, jetzt habe ich den Schlusssatz vergessen: Ich höre Black Metal gerade wegen seiner Inkompabilität mit meinem eigenen Wertesystem. Ich kenne keine Kunst, die mich derartig fordert, umreißt und aufwühlt. Ich will Musik irgendwo zwischen Atombombe und Erbrochenem, kein „Empire of Love“.

      1. Tobi

        Black Metal ist ja da echt so ein zweischneidiges Schwert..
        um eins klar zu stellen, die Grenze ist bei mir defintiv NSBM. Aber auch die vermeidlich „humanistische“ Linie die man hier geht, also auch die Jungs von metal1.info (sorry Jungs, hab euch trotzdem gerne) ist doch auch irgendwie heuchlerisch. Also Aufruf zum Christenmord ist OK und woke aber Rassismus nicht?
        Ich verstehe da auch teilweise was Roland schreibt. Wie gesagt, Rassismus und NSBM ist scheiße, aber was geht es euch zum Beispiel an, das Absu ihren Transgender Gitarristen rausgeworfen haben? Mein Gott, lasst sie doch… ihr kennt doch gar nicht die Interna dazu. Und selbst wenn… das geht euch gar nichts an! Nur die Band! Zu der Thematik finde dazu eigentlich die South Park Folge mit Big Gay Al als Pfandfinder Führer gut, wo das Fazit ist, dass er sagt „wenn privater Verein keine schwulen in ihrem Verein haben wollen, dann ist das denen ihre Sache. Man muss die Meinung nicht teilen oder gut finden, aber man muss sie das tun lassen“.

        1. Stephan Rajchl Beitragsautor

          Hi Tobi,

          ich finde es zwar gut, dass du deine Kritik nicht ausfällig formulierst, muss dir aber doch in ein paar Punkten widersprechen:

          1. Ich wüsste nicht, warum unsere Linie auf Metal1.info heuchlerisch sein sollte. Ja, es kommt mitunter vor, dass auch bei uns mal eine kritikwürdige Band besprochen wird, aber wir scheuen in dieser Hinsicht nicht die Debatte und gehen auch offen damit um, dass bei uns auch schon mal Content gelöscht wird, wenn wir zu der Erkenntnis kommen, dass er für uns nicht (mehr) vertretbar ist. Und wir behaupten nirgends, dass es in Ordnung ist, einer religiösen Gruppe den Tod zu wünschen. Man kann auch über Satanismus singen, ohne Menschen zu bedrohen. Und freilich kann man auch darüber argumentieren, ob blutrünstige Texte automatisch einem Aufruf gleichkommen.

          2. Die Grenze nur bei NSBM zu ziehen, finde ich nicht hinreichend. Das fängt schon damit an, dass oft fraglich ist, ob eine Band darunter fällt oder nicht – nur die wenigsten heften sich das offen an die Brust. Und die Grenzen sind da oft fließend – wie viel Rechtsextremismus soll man hinnehmen, bis eine Band den Bogen überspannt hat? Nein, die Kritik muss schon deutlich früher anfangen. Was man in letzter Konsequenz daraus macht, ist wiederum eine andere Frage.

          3. Du schreibst, dass NSBM und Rassismus nicht in Ordnung sind, also gehe ich davon aus, dass du es missbilligen würdest, wenn eine Band ein Mitglied wegen seiner Hautfarbe oder Herkunft rauswerfen würde – andernfalls sähe ich da kein stichhaltiges Argument. Warum ist es hingegen okay, jemanden wegen seiner Geschlechtsidentität auszugrenzen? Offensichtlich ist es ja sehr wohl so, dass es eben nicht egal ist, was eine Band tut oder von sich gibt, sonst hättest du ja auch kein Problem mit NSBM. Solche Dinge gehen eben doch jede*n etwas an, weil wir alle in der Gesellschaft miteinander leben und potentiell darunter leiden, wenn solche Dinge salonfähig sind oder werden.

    2. Stephan Rajchl Beitragsautor

      Hallo!
      Grundsätzlich verstehe ich deinen Einwand – natürlich soll Kunst auch Abgründiges und Verwerfliches ergründen dürfen. Ich will hier auch nicht vorgeben, Black Metal solle nur noch wie auf Violet Colds „Empire Of Love“ funktionieren. Gerade deshalb ist es mitunter ja so schwierig, zu entscheiden, welche Bands akzeptabel sind und welche nicht.
      Das große Aber ist für mich das, was Künstler*innen abseits ihrer Kunst tun und aussagen. Wenn Bands eben nicht nur mit ihrer Musik provozieren oder ihrer Kunst sogar einen erklärenden Kontext liefern, sondern Hassverbrechen begehen oder Menschen mit ihren politischen Äußerungen beeinflussen, dann hat das eine ernstzunehmende Auswirkung. Ich weiß nicht, wie man es als Andersdenkender über sich bringen kann, so etwas völlig zu ignorieren. Kunst kann schockieren und hässlich sein, ohne dass die dahinterstehende Person tatsächlich eine verwerfliche Gesinnung hat – deshalb wüsste ich auch nicht, warum man rechtsextremen Akteuren im Black Metal alles durchgehen lassen sollte.

  3. Roland

    Lasst-bitte-die Menschen mit eurem linksradikalen Gesinnungsterror in Frieden! Black Metal ist u war nie als Regenbogen-queere-feel-good Ausrichtung vom extremen metal „konzipiert“ und soll es meiner meinung nach auch nicht sein. Ja, black metal ist grauslich,hasserfüllt und „politisch unkorrekt“(was auch immer dieser schwachsinnige aus US importierte Begriff bedeuten mag), und so sollen dessen protagonisten u Musiker diese Richtung auch ausleben dürfen. Räudig,intolerant und schiach! Wie weit sind wir im 21ten(!) Jahrhundert gekommen,dass selbst underground dem mainstream-diktat der „antifa“ unterworfen wird?? F.O.A.D.!

    1. Moritz Grütz

      Lieber Roland,
      Nö. Lassen wir nicht. Aber vielleicht solltest du auch einfach lernen, damit zu leben, dass auch Black Metal kein rechts- und moralfreier raum ist. Hass als lyrisches Element: fein. Aber bei gelebtem Rassismus etc. hört der Spaß eben auf. Zumindest für uns. Und wenn dir das nicht passt, bist du auf unserer Seite eben falsch.

  4. fenrir

    Danke für den Beitrag. Dem ist m. M. n. nichts hinzuzufügen. Vor allem die Erkenntnis, dass die „Lösung“ in der Auseinandersetzung und persönlicher Konsequenz ruht, kann ich nur unterschreiben. Schön, dass sich diese Seite hier so kritisch und reflektiert positioniert.

  5. Manuel

    …und auf der gleichen Seite steht dann der Vorbericht von Taake – aus meiner Sicht in der Grauzone verhaftet. Also irgendwie solltet ihr hier eine Linie finden. Bitte die dieses Beitrags!

    1. Moritz Grütz

      Hallo Manuel, wie der Beitrag ja auch herauszuarbeiten versucht, geht es am Ende eben um ebendiese persönliche Sichtweise, die du ja hier ebenfalls als (einziges) Argument anführst, während eine „klare“ Linie eben nicht immer machbar ist.

      Wir haben uns (wie übrigens soweit mir bekannt alle Festivals und Magazine) dazu entschieden, Taake den Svastika-Vorfall nicht als politisches Statement sondern dumme Provokation zu „verzeihen“. Natürlich beobachten wir die Band weiterhin kritisch – zu einer „Verbannung“ reicht das aus unserer Sicht selbst nach den – wie ich denke – bei uns höheren moralischen Ansprüchen an eine Band nicht aus. Denn bei aller gebotenen Achtsamkeit gilt es eben auch, das richtige Maß zu wahren. Wenn du da strenger urteilst und entscheidest: vollkommen legitim. Nur eben auch nicht der moralische Standard.

      Liebe Grüße

        1. Stephan Rajchl Beitragsautor

          Obwohl sich die Debatte offenbar bereits aufgelöst hat, möchte ich noch etwas hinzufügen:

          Als Verfasser dieses Meinungsbeitrags möchte ich offen damit umgehen, dass ich mich nicht als unfehlbaren Moralapostel darstellen möchte. Ich will nicht behaupten, dass ich oder meine Kolleg*innen hier auf Metal1.info genau wissen, welche Bands in Ordnung sind und welche nicht. Natürlich wäre es einfacher, wenn wir jede Band, die sich etwas zu Schulden kommen lässt, von unserer Seite verbannen würden. Es fragt sich dann aber freilich, was okay ist und was nicht – und da wird die Sache schon komplizierter. Wir könnten etwa sämtlichen Content zu Marilyn Manson aufgrund der Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn offline nehmen. Oder nicht mehr über Ghost berichten, weil der Leadsänger seine Bandkollegen nicht fair behandelt haben soll. Oder Primordial boykottieren, weil der Sänger in seinem Podcast regelmäßig rechts konnotierte Talking-Points wiederkäut. Da ist es mitunter wirklich schwer, die Linie am richtigen Platz zu ziehen. Und freilich sollte da die Bekanntheit der Künstler*innen oder die Gepflogenheiten in anderen Medien nicht der entscheidende Faktor sein. Aber ich denke, ich habe jetzt schon hinreichend erklärt, weshalb die Abwägung aus meiner Sicht eben nicht so leicht ist.

          Mir ist jedenfalls wichtig zu betonen, dass wir im Metal1.info-Team uns laufend über solche Dinge austauschen und auch schon mal debattieren. Und es kommt auch hin und wieder vor, dass wir uns letztlich dazu entscheiden, einen Text von der Seite zu nehmen oder ein Album gar nicht erst zu rezensieren, weil wir zu dem Entschluss kommen, dass eine rote Linie überschritten wurde. Obwohl es, wie gesagt, schwierig ist, diese Linie vertrebar und kohärent zu ziehen, bemühen wir uns, es so gut wie möglich zu tun.

          Danke jedenfalls für deinen kritischen Kommentar – oft sind es gerade solche Reaktionen, die wichtige Diskussionen anstoßen und mitunter auch zu einem Umdenken führen. Es freut mich jedenfalls, dass du meinem Text etwas abgewinnen konntest. :)

  6. Winter

    Wunderbarer Text der mir aus dem Herzen spricht – speziell weil Black Metal seit vielen Jahren meine musikalische Heimat ist. Danke!

    1. Stephan Rajchl Beitragsautor

      Das freut mich sehr, Winter!
      Ich fände es auch viel zu schade, sich von dem Genre komplett abzuwenden, weil es darin so viele ungute Gestalten gibt. Musikalisch gibt Black Metal so viel her – gerade deshalb freut es mich umso mehr, wenn ich kreative Bands entdecke, die eine unterstützenswerte Weltanschauung vertreten. :)

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