Review Impureza – Alcázares

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Death Metal

Spanische Gitarrenmusik hat einen ganz eigenen Charme. Schwungvolle Rhythmen, durchzogen von subtiler Sehnsucht, treffen auf Stepptanz und feuriges Temperament. Das zusammengenommen definiert, was man heute als Flamenco bezeichnet. Was aber passiert, wenn man dieser ohnehin schon sehr besonderen Musik druckvollen, komplexen Death Metal beimischt? IMPUREZA aus Orléans nennen ihr selbstdefiniertes Genre „Hispanic Extreme Metal“. Ihr neues Album „Alcázares“ ist der kristallklare Beweis, dass diese Bezeichnung nicht nur eine leere Worthülse ist, die wie so oft in Promotexten einen Eindruck erwecken soll, der dann doch eher enttäuscht.

Ganz anders bei IMPUREZA. Eine große steinerne Festung beschreibend, ist der Albumname „Alcázares“ auch über weite Strecken thematisch akkurat gewählt. So behandelt das Quartett auf seiner derweil dritten Full-Length-Veröffentlichung volkstümlich relevante Ereignisse wie die historische Reconquista, die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel durch christliche Königreiche von den muslimischen Mauren („Reconquistar Al-Ándalus“). Andere Texte vermengen Mythologie und Geschichte („Covadonga“) oder berichten von den Gräueltaten der spanischen Inquisition („Santa Inquisición“).

Was die musikalische Inszenierung dieser Themen betrifft, ist es zuerst die sehr gelungene Gewichtung von Flamenco und Death Metal. Songs wie „Pestilencia“ oder „Bajo las Tizonas De Toledo“ pendeln die beiden Genres mit hoher Eleganz aus. Ersterer beginnt mit einem wunderschönen Akustik-Arrangement und einem derart geschmeidig groovenden Fretless Bass, dass es nicht viel Zeit benötigt, um das „Flamenco-Gefühl“ direkt nachfühlen zu können. Die Percussions erinnern dabei ein wenig an den Fußschlag „Zapateado“, der oft in Begleitung zur Musik getanzt wird. Wuchtige und rhythmisch nicht weniger komplexe Death Metal-Elemente finden dabei zu jeder Zeit gut eingewoben ihren Platz. „Bajo las Tizonas De Toledo“ bringt indes nicht nur die dezent orchestrierte Epik in IMPUREZAs Schaffen auf den Punkt, der Song zeigt auch, wie unglaublich schlüssig aggressive Growls und geschmeidiger Klargesang auf „Alcázares“ funktionieren.

Dass der Flamenco als Fundament für das Werk von IMPUREZA essenziell ist, beweist auch die rhythmisch ungebändigte Nummer „Reconquistar Al-Ándalus“, die kunstvoll dessen wildes Temperament in den Death Metal übersetzt, ohne auf orchestrale Untertöne und eine gewisse Eingängigkeit zu verzichten. Akustische Instrumental-Titel wie „Murallas“ oder „Ruina Del Alcázar“ reduzieren sich dann auf den gewagten musikalischen Grundstein von IMPUREZA und bringen eine gewisse Auflockerung in das ansonsten durchweg vehemente Timbre von „Alcázares“.

Um es zusammenzufassen: Der Metal hat (das muss man zugeben) heute nur noch wenig Originalität anzubieten. IMPUREZA schaffen mit ihrem neuen Album genau das Gegenteil. Die elegante Mischung aus Flamenco-Rhythmen, dem leidenschaftlichen Tonus spanischer Gitarrenmusik, der richtigen Portion Epik und technisch einwandfrei dargebotenem Death Metal ist gegenüber Bands wie Melechesh oder Rotting Christ jederzeit konkurrenzfähig. „Alcázares“ macht vom ersten bis zum letzten Ton Spaß und dürfte IMPUREZA nachhaltig im Sektor extraordinärer Metalmusik etablieren.

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Wertung: 8.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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