IMPUREZA aus dem französischen Orléans haben mit der Kombination von Death Metal und spanischer Gitarrenmusik eine mutige Idee umgesetzt. Mit ihrem neuen Album „Alcázares“ liefert die Hispanic-Metal-Band einen weiteren Beleg für die großartige Fusion von Flamenco und Death Metal. Gitarrist Lionel hat uns Rede und Antwort zur neuen Platte gestanden und unter anderem erklärt, was er an Kreuzfahrten reizvoll findet.
Hallo Lionel! Erstmal Glückwunsch zu eurem Album „Alcázares“! Es ist wirklich großartig geworden. Zum Einstieg: Für Leute, die IMPUREZA noch nicht kennen – welchen Song würdest du empfehlen, um euch musikalisch kennenzulernen?
Hallo, auch dir vielen Dank für das Interview und die Glückwünsche. Ich würde „Leyenda Negra“ und „Sangre Para Los Dioses“ vom vorherigen Album „La Caída De Tonatiuh“ empfehlen sowie „El Gitano Maldito“ von unserer ersten Veröffentlichung „La Iglesia Del Odio“. Damit bekommt man einen coolen Mix unseres Stils. Ohne zu kalkulierend zu klingen, würde ich auch unsere zwei neuesten Tracks „Pestilencia“ und „Bajo Las Tizonas De Toledo“ empfehlen – sie sind sicher das beste Konzentrat des Hispanic Metal, das wir bisher komponiert haben!
Erzähl uns ein wenig über die Band. Wie seid ihr zusammengekommen?
Anfangs habe ich Metal in einer Band gespielt und parallel dazu habe ich eine Art akustische Rock-Fusion mit spanischen Elementen gemacht. Wir beschlossen dann, mit Freunden eine Art akustischen Metal zu probieren – aber eher in eine Death-Metal-Richtung. Schritt für Schritt begannen wir dann, die Stile zu verschmelzen, bis wir unseren heutigen Sound erreicht haben.
Eure Texte sind auf Spanisch und inhaltlich tief in spanischer Geschichte und Kultur verwurzelt. Speziell zu „Alcázares“: Worum geht es auf dem Album?
„Alcázares“ ist eine fiktive Geschichte, die von der Zeit der Reconquista inspiriert ist. Hauptthemen sind religiöse Verschwörungen, das Schicksal der Templer, Schlachten und mystische Quests. Wir greifen auch böse Geister wie Dschinns auf, dunkle Legenden und heilige Strafen – all das sind Bestandteile des alten spanischen Mythos und Glaubenssystems jener Zeit.
Wenn eure Musik so stark auf historischen Bezügen basiert, recherchiert ihr da im Vorfeld oder schöpft ihr rein aus eurem eigenen mythologisch-historischen Fundus?
Wir lassen uns von realen Fakten inspirieren und verwandeln sie dann in eine epische, böse und brutale Geschichte.
Kommen wir zur Musik. Da du auch Flamenco-Gitarrist bist: War für dich von Anfang an klar, dass du das mit Extreme Metal kombinieren willst oder hat sich das eher intuitiv im Songwriting entwickelt?
Ehrlich gesagt habe ich immer daran geglaubt – und manchmal auch nicht. Es war viel Arbeit und Ausprobieren nötig, um am Ende etwas Cooles zu finden. Die Kombination beider Stile war eine Idee aus Neugier, aber wir haben sie Schritt für Schritt entwickelt.
Die Fusion aus Flamenco und Death Metal ist nicht nur originell, ihr habt mit „Hispanic Extreme Metal“ sogar ein eigenes Genre-Label geschaffen. Wie sieht der Songwriting-Prozess bei euch aus?
Ich glaube nicht, dass wir eine besondere Art des Songwritings haben. Im Allgemeinen fange ich an, ein paar coole Riffs und Melodien zu finden, versuche sie zu kombinieren und eine kleine Struktur daraus zu bauen. Dann teilen wir die Ideen mit der Band, brainstormen und schlagen Dinge vor, bis wir das bestmögliche Ergebnis haben.
Was zum Beispiel bei einem Track wie „Pestilencia“ auffällt, ist, wie gut ihr das Temperament des Flamenco mit der Intensität des Death Metal verbindet. Eure Songs klingen sehr reif und durchdacht. Ich stelle mir vor, dass das im Songwriting nicht immer einfach ist. Gibt es da Herausforderungen beim Mischen der Stile?
Ja, auf jeden Fall! Ich habe meinen Freunden vorgeschlagen, ein spezielles Album mit vier Versionen der Songs zu machen. So hat jeder seine bevorzugte Version! Kein Witz – mit vier Leuten zu komponieren ist nicht immer einfach, wie du dir vorstellen kannst. Die Schwierigkeit ist bei einer Band wie unserer sicher größer – wir vermischen schließlich zwei Musikstile. Aber wir gehen davon aus: Wenn es gut klingt, ist es gut. Wenn wir den Song hören und er funktioniert, dann finden wir alle eine Verbindung darin.
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Gibt es – über eure bisherigen Einflüsse hinaus – andere Genres, mit denen du in Zukunft experimentieren möchtest?
Vielleicht ja, aber in einem anderen Projekt. IMPUREZA ist komplett hispanisch und Metal – diese Grundelemente sind bereits in unserer Musik verankert. Warum nicht mal eine Fusion mit Country-Musik? Könnte witzig sein.
Ein feines, aber bedeutendes Element auf „Alcázares“ ist die Orchestrierung – besonders hörbar im Opener „Verdiales“ sowie in „Castigos Eclesiásticos“ und „Reconquistar Al-Andalus“. Wie finden solche Elemente ihren Platz im Sound von IMPUREZA?
Orchestrierungen und Samples haben wir schon immer geliebt. Um unsere Musik cineastischer, fantasievoller und ausdrucksstärker zu machen, wollten wir mehr solcher Elemente integrieren, aber wir wollen auch nicht zu symphonisch werden. Unser Wesen ist immer noch eine kraftvolle hispanische Metalband!

Euer Album wurde von Jacob Hansen gemastert. Im Vergleich zu „La Caída de Tonatiuh“, welchen Unterschied hat das für euch gemacht?
Für „Alcázares“ wollten wir einen neuen Sound – etwas moderner. Man hat uns Jacob empfohlen, weil er eine erfahrene Persönlichkeit mit gutem Metal-Gespür für moderne Produktionen ist. Es war eine gute Wahl.
Zurück zur historischen Dimension eurer Musik: Eure Texte tragen oft einen religionskritischen Unterton. Wie groß schätzt du den Einfluss von Religion auf das aktuell angespannte weltpolitische Klima ein?
Gar nicht so sehr eigentlich. Das Problem in dieser Welt ist: Wir sind einfach zu viele.
Macht dir der weltweite Rechtsruck Sorgen? Beispielsweise konnte Marine Le Pen kürzlich viele Wähler in Frankreich mobilisieren, bevor sie ausgeschlossen wurde.
Wir kümmern uns nur um Musik – für Sorgen ist keine Zeit.
Kommen wir zurück in dein Heimatland und zu etwas Positivem: Im September spielt ihr beim Mennecy Metal Fest, unter anderem neben Carpenter Brut und Dirty Fonzy. Wie wichtig ist musikalische Vielfalt für dich abseits der Bühne und des Proberaums?
Sie ist wichtig, ja – sie macht dich zu einem besseren Menschen und besseren Musiker. Es ist cool, manchmal in einer anderen Musikstimmung zu sein, um neue Inspiration zu finden. Ich glaube, wir haben zwei eigentlich gegensätzliche Stile miteinander verschmolzen – das sagt schon alles.
Wenn ich richtig informiert bin, wird euch beim Mennecy Festival die Flamenco-Tänzerin Cécile Cappozzo begleiten. Ist sie nur für dieses Set dabei oder ein fester Bestandteil eurer Liveshow?
Sie ist speziell für diesen Gig dabei – aber warum nicht weitere Live-Projekte mit ihr machen? Gerne! Wir hatten die Gelegenheit, sie für ein besonderes Projekt zu treffen, das ihr sehr bald entdecken werdet – am 18. Juli, um genau zu sein. Sie ist eine talentierte Flamenco-Tänzerin mit unglaublicher Energie und Technik. Sie hat bei den Größten in Spanien gelernt und dann ihre eigene Schule in Tours, Frankreich gegründet. Es ist eine Freude und ein Segen, sie an unserer Seite zu haben! Ich denke, wir werden in Mennecy mehr bieten als nur ein Metal-Konzert – vielmehr eine Hispanic Metal-Show mit Metal-Power auf der einen und andalusischem Flair in spanischen Farben auf der anderen Seite!

Auf welchem Festival würdest du wahnsinnig gerne mal spielen – und warum?
70.000 Tons of Metal wäre großartig … Ich werde älter und müder … Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff mit ein bisschen Metal – es gibt nichts Besseres, um sich wieder aufzuladen!
Lionel, vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss noch unser kleines Metal1-Brainstorming:
Benighted: Eine wirklich mächtige Band, mit der wir schon mehrfach die Bühne geteilt haben. Sehr talentiert und live-erfahren. Respekt an sie!
Zapateado im Film: Immer schön – ich liebe es, wenn etwas Flamenco in Filmen gezeigt wird. Zapateados sind sehr intensiv und schnell – auch interessant, sie auf Video aufzunehmen, um die Schwierigkeit der Fußbewegungen besser zu sehen.
Papst Leo XIV: Ich habe bisher keine besondere Verbindung zu ihm – er ist ja gerade erst da. Aber da er Amerikaner ist, gefällt ihm vielleicht unsere amerikanische Produktion mit scharfen Riffs und massiven Drums!
Sant Jordi und der Drache: Ich liebe solche Geschichten oder Legenden. In Sant Jordi steckt eine echte Romantik, die ich wegen ihrer Ritterlichkeit cool finde. Das Bild der Rose, die aus dem Drachenblut wächst – das ist episch. Ich glaube, das traditionelle Schenken einer Rose an die Liebste stammt vielleicht aus dieser Legende.
IMPUREZA in zehn Jahren: Wahrscheinlich weiterhin aktiv und – warum nicht? – vielleicht auf einem Kreuzfahrtschiff, wo wir mit dem Papst über Produktionen und Musik reden … Aber auf jeden Fall werden wir immer unser Bestes geben – mit Ehrlichkeit und Leidenschaft. Ich hoffe, wir haben dann mehr Alben gemacht und viele Gigs auf der ganzen Welt gespielt!
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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