Aus dem Supermarkt weiß man: „Jetzt ganz neu“ oder „Verbesserte Rezeptur“ sind eher mit Vorsicht zu genießende PR-Stunts als echte Versprechen, auf die man viel geben kann. Wenn nun mit den TRUCKFIGHTERS ausgerechnet eine Band aus dem an Neuerungen traditionell armen Genre des Stoner Rock diese Prädikate für sich reklamiert, ist die Ironie unübersehbar. Zumal auch der Rest des „Masterflow“-Artworks reichlich skurril daherkommt.
„Maximum Power“ verspricht der Aufdruck des abgebildeten „Masterflow“-Kanisters – beworben mit „Balance Between Discipline And Freedom“ und einem sichtlich beeindruckten Oskar Cedermalm (Gesang, Bass). Die „Improved Formula“ soll dem Kleingedruckten nach Klarheit, Fokus und allgemein die Brillanz erhöhen – allerdings muss „Masterflow“ dafür von gewöhnlichem Denken ferngehalten werden, heißt es dort weiter. So weit, so spannend – aber was ist „Masterflow“ nun eigentlich? Auch darauf gibt schon das Artwork (beziehungsweise das Back-Artwork) eine sachlich-nüchterne Antwort: „Es ist der ideale Punkt, an dem Struktur und Chaos koexistieren, wo die Fertigkeiten so tief internalisiert sind, dass die Handlung natürlich und mühelos wird.“ So weit, so unergründlich – zumindest das Interesse am ersten Album der Truppe seit dem vor genau zehn Jahren erschienenen „V“ ist geweckt.
In der Sache, also rein musikalisch, klingt „Masterflow“ weit weniger aufsehenerregend – was nicht automatisch schlecht sein muss, handelt es sich doch nach wie vor um Stoner Rock. Und wohl nur die wenigsten Menschen, die Stoner Rock hören, tun dies, um etwas Aufregendes zu hören. Sollte jemand angesichts des Covers doch Bedenken gehabt haben, dürfte schon der Opener „Old Big Eye“ beruhigend wirken: In genretypisch weichem Sound liefern die TRUCKFIGHTERS lässiges Stoner-Rock-Riffing, gepaart mit dem für das Genre ungewöhnlich soften Gesang, der fast besser zu Alternative Rock passen würde.
So geht es dann auch, ganz entspannt weiter: „Carver“ würzen die Schweden mit etwas Cleangitarre im Western-Blues-Stil, schon bald aber gesellen sich auch hier die fuzzy Overdrive-Gitarren dazu und veredeln den Song einer kräftigen Portion Schmutz, wie direkt vom Highway gekehrt. Und auch das psychedelische Element, für das die Schweden bekannt waren, findet nach wie Platz im Sound der Truppe aus Örebro („The Bliss“). Der Titeltrack wiederum ist fast gänzlich gefühlvolles Solieren über groovige Perkussion. Wer diese (wie auch den Rest der Songs) eingetrommelt hat, bleibt im Übrigen ein Geheimnis: Die Pressefotos zumindest zeigen nurmehr ein Duo aus Niklas Källgren (Gitarre) und Oskar Cedermalm (Gesang, Bass).
Im Großen und Ganzen aber verlassen sich die TRUCKFIGHTERS auch 25 Jahre nach ihrer Bandgründung auf ihr altbewährtes Rezept: Die Lässigkeit, mit der die TRUCKFIGHTERS dabei zu Werke gehen, beeindruckt zwar, das einzig überraschende an „Masterflow“ ist aber seine bloße Existenz: Nachdem sich die Band 2018 offiziell in eine „lange, lange Pause“ mit ungewissem Ende verabschiedet hatte, ist es für Fans schon eine gute Nachricht, dass die Band überhaupt wieder da ist, und das gleich mit Album und Tour. Ob die TRUCKFIGHTERS damit aber über ihre Fanbase hinaus Aufsehen erregen werden, bleibt fraglich: Nach wie vor fehlt es den TRUCKFIGHTERS an der letzten Konsequenz im Songwriting, an Riffs, an denen man einfach nicht vorbeikommt, oder der packenden Emotion im Gesang. „Brand new“ mag das Album sein, und auch einen guten Flow kann man „Masterflow“ zugestehen – die (wohl augenzwinkernd angekündigte) „Improved Formula“ bleibt hingegen eine hohle Marketing-Phrase.
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Wertung: 7 / 10


