Interview mit Lee Payne von Cloven Hoof

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Heute sind sie lange nicht so bekannt wie IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST, doch einst gehörten CLOVEN HOOF zur Speerspitze er NWOBHM. Mitte der 80er vermochte die Band um Bassist Lee Payne die großen Hallen Europas zu füllen und fragt man eingefleischte Szene-Jünger, so steht die Truppe ihren einstigen Mitstreitern auch heute in nichts nach. Das erklärt auch, wieso sich die Truppe bis heute im Gespräch halten konnte und nach wie vor neue Alben veröffentlicht. Die neueste Platte trägt den Titel „Never A Prophet In Your Own Land“ und wir haben mit dem Bandleader und letztem verbliebenen Gründungsmitglied ausführlich über das aktuellste Werk gesprochen.

Das Logo der Band Cloven Hoof

Hi, Lee, und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Seit der Veröffentlichung eures letzten Albums „Heathen Cross“ sind ungefähr drei Jahre vergangen. Was ist seitdem bei CLOVEN HOOF passiert?
„Heathen Cross“ wurde sehr gut aufgenommen, was die Kritiken betrifft, und auch die Fans haben es geliebt. Wir waren also mit allen Aspekten des Albums sehr zufrieden. Harrys toller Gesang spielte eine große Rolle beim Erfolg und die Songs waren dunkel und schwer. In vielerlei Hinsicht entsprach es dem, was man von einer Band mit dem Namen CLOVEN HOOF erwartet. Das Album vermittelt ein Gefühl von düsterer Bedrohung, ähnlich wie unser Debüt, und verkörpert perfekt den „satanischen“ Aspekt der Gruppe. „Sabbat Stones“ wurde sogar wurde zum Live-Favoriten. Die Songs auf der Platte wurden so geschrieben, dass jeder Track live authentisch wiedergegeben werden kann. Seitdem ist die Band sehr beschäftigt mit Auftritten in Europa. Allerdings hat die aktuelle Unruhe im Golf ihre Spuren hinterlassen und die Flugkosten in die Höhe getrieben. Wir haben unsere gesamte geplante Europatournee aus Budgetgründen auf Eis gelegt. Deshalb habe ich in der Zwischenzeit viele neue Songs für zukünftige Veröffentlichungen geschrieben, bis sich die Situation klärt.

Euer neues Album „Never A Prophet In Your Own Land“ steht vor der Veröffentlichung. Wie würdest du das Album beschreiben?
„Never A Prophet In Your Own Land“ setzt in vielerlei Hinsicht dort an, wo „A Sultan’s Ransom“ aufgehört hat. Ich sage das, weil die Songs sehr divers sind und unsere gesamte Bandbreite zeigen. Die Tracks sind vielfältig und eigenständig, mit ihrer eigenen einzigartigen Identität. Es gibt schnelle Lieder, epische Stücke, gradlinige Tracks, einige sind fantastisch und andere drehen sich um alltägliche Settings. Es ist ein Kraftpaket, in dem das Keyboard für zusätzliche Atmosphäre und Erhabenheit sorgt.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen dem kommenden Album und seinem Vorgänger?

„Heathen Cross“ ist eher dämonisch und geradlinig, während „Never A Prophet In Your Own Land“ episch und vielfältig ist. Das neue Album verbindet Old School mit Power Metal und mischt die Stile nahtlos. Es gibt sogar eine Hommage an DEEP PURPLE, die ich Ritchie Blackmore widmen möchte, meinem Allzeit-Idol. Alles begann, als unser Keyboarder Chris Dando beim Proben den perfekten Jon-Lord-Sound spielte. Ich sagte: „Ich habe eine Nummer, die ich in den späten 1970ern geschrieben habe, die perfekt zu diesem Sound passen würde.“ Jeder wollte es hören, also spielte ich ein paar Takte, und die Band liebte es. Dann beschlossen wir, es auf das nächste Album zu packen. Es passiert manchmal beim Herumprobieren im Proberaum, dass etwas Magisches aus dem Nichts auftaucht!

Ein Foto der Band Cloven Hoof
Foto: Marco Vexus

Die Songs auf „Never A Prophet In Your Own Land“ bieten eine schöne Mischung aus geradlinigen Riffs und epischen Momenten. Wie gelingt es euch, diese beiden Charakteristika eures Sounds auszubalancieren?
Ich liebe Alben mit Vielfalt. Ich möchte kein Album hören, das 20 Versionen desselben Songs enthält. Viele bekannte Bands bringen heutzutage Alben nach Schema-F heraus. Meiner Meinung nach muss ein großartiges Album Tiefe haben und verschiedene Stimmungen vermitteln. Ich mag Abwechslung und dramatische Temposteigerungen. Trotz der Dunkelheit gibt es auch viel Licht und Schatten. Die sanften Passagen lassen die schweren Momente kraftvoller und dynamischer klingen. Die meisten unserer Songs sind Geschichten wie Mini-Filme, und wir setzen die Handlung musikalisch um. Es geht nicht darum, eine Reihe bedeutungsloser Riffs aneinanderzureihen und es „Song“ zu nennen. Zu viele Bands machen genau das, und selbst die Sänger singen nur die Riffs. Ich arbeite immer auf Melodielinien basierend und passe die Musik an, um die Bedeutung der Texte zu unterstreichen. Wir denken über das Thema nach und versuchen, ihm eine sinnvolle Soundkulisse zu geben. Das erinnert an klassische Komponisten, die eine klangliche Szenerie malen. Wir machen das nur im echten Heavy-Metal-Stil.

„Never A Prophet In Your Own Land“ ist dein zweites Album mit Harry Conklin am Gesang. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit einem Sänger, der auch in mindestens einer weiteren sehr beschäftigten Band aktiv ist?
Harry ist einer der besten Sänger im Metal, Punkt. Wir sind sehr glücklich, ihn in der Band zu haben. Er ist zu 100 Prozent Teamplayer und hat kein aufgeblasenes Ego oder irgendeine Form von Arroganz. Es ist eine große Freude, mit ihm zu touren – der „Tyrant“ hat einen großartigen Humor und ist immer gute Gesellschaft. Für die Vocals haben wir zehn Tage eingeplant, er hat sie aber in nur drei Tagen fertig bekommen! Wie professionell ist das? Er hat alles im Handumdrehen gemeistert. Harry hat die Aggression, Emotion und den Stimmumfang mit, um jeden Song großartig klingen zu lassen. Ich bin mittlerweile sehr an seinen Stil gewöhnt, und ich habe das Album so geschrieben, dass die Dynamik seiner Stimme betont wird. Ich denke, er übertrifft sich selbst beim Singen für CLOVEN HOOF und hat die Messlatte für das nächste Album noch höher gelegt. Wir sorgen nur dafür, dass sein Kalender frei ist, bevor wir bestimmte Shows zusagen, damit es nie zu Konflikten mit seiner Arbeitsbelastung kommt. Die Band ist flexibel und passt sich immer an, um Verfügbarkeiten zu ermöglichen. Es lohnt sich, weil wir alle so sehr die Gesellschaft des anderen lieben – eben wie echte Metal-Brüder! Das hört man auch in der Art, wie wir auf dem Album spielen: die Grooves strotzen vor Kraft und Leidenschaft und zeigen eine Band auf höchstem Niveau.

Zudem stammt Harry aus den USA und CLOVEN HOOF sind in England. Wie funktioniert die Zusammenarbeit über diese Distanz?
Harry ist tatsächlich in Griechenland ansässig, daher sind die Flüge nicht zu lang und relativ günstig. Songs gegenseitig zu schicken ist heutzutage einfach, sodass wir international ohne Probleme arbeiten können. Wir nutzen vor allem das Internet, um in Kontakt zu bleiben; das ist einer der Vorteile moderner Technologie.

Das Cover von "Never A Prophet In Your Own Land" von Cloven Hoof

Wie läuft der Songwriting-Prozess bei CLOVEN HOOF ab? Habt ihr bei den Sessions für „Heathen Cross“ etwas verändert?
Der Songwriting-Prozess ist nach wie vor gleich geblieben. Die Songs entstehen im Unterbewusstsein, und man nimmt die Ideen einfach mit den Mitteln, die einem gerade zur Verfügung stehen, auf. Ich singe die ersten Melodielinien meist in mein Handy und schreibe dann in meinem Home Studio die Musik dazu. Die Inspiration für den Track „Flying Dutchman“ kam zum Beispiel, als ich letztes Jahr im Urlaub in einem Küstendorf namens Watchit in Somerset, England, war. Ich saß auf einer Bank im Hafen und bemerkte plötzlich eine Statue des alten Seemanns. Offenbar hatte Samuel Coleridge dort sein episches Gedicht geschrieben, was mich inspirierte, ebenfalls zu schreiben. In der Schule hatten wir seine Werke behandelt und ich habe immer gedacht, wie viel Coleridges Epos von der Legende des fliegenden Holländers inspiriert war. Das regte meine Fantasie an und während ich in den Nebel über der See blickte, kam mir folgende Idee: Was, wenn die Takelage eines Geisterschiffs plötzlich aus dem Nebel sichtbar wird? Es wäre ein atemberaubender Anblick bei Mondschein! Und was, wenn jemand mit einem Boot heraus rudert, um das Schiff zu untersuchen? Bingo! Plötzlich hatte ich eine Geschichte für einen Song! Ich suchte mir einen ruhigen Platz an der Hafenmauer und begann wie üblich, Ideen in mein Handy zu singen. Nach meinem Urlaub hörte ich alle Ideen noch einmal ab und stellte fest, dass der komplette Song schon vorhanden war. Worte, Musik und alles. Alles, was man als Musiker braucht, ist die initiale Inspiration. Der Rest ist reine Magie!

Kannst du den Titel „Never A Prophet In Your Own Land“ für uns erklären?
Der Titel funktioniert auf vielen Ebenen. Oberflächlich betrachtet geht es lyrisch und musikalisch um Jesus und seine Verfolgung. Dass er für seine Lehren von den Menschen in seinem eigenen Land nie vollständig akzeptiert wurde – egal wie weise oder gut sie waren. Trotz seiner Leidenschaft und Reinheit verrieten ihn seine eigenen Jünger und er starb letztlich auf die grausamste Weise für seine unbeirrbaren Überzeugungen. Das Cover zeigt Christus als eine geisterhafte Phantomfigur, die noch immer die Erde durchwandert – nicht heilig oder göttlich als Sohn Gottes, sondern als skelettartige Ausgestoßener, geächtet und als elender Sterbender, der den Preis für seine Überzeugungen zahlt. Ich denke, Dimitar Nikolov hat dieses Konzept großartig umgesetzt. Er hat fantastische Arbeit geleistet. Es gibt auch eine zugrunde liegende Botschaft, die eine Metapher dafür ist, im Leben nicht die verdiente Belohnung zu erhalten. Viele von uns können sich mit dieser Idee identifizieren. Im Kampf um Akzeptanz werden wir oft um den Erfolg gebracht, den wir für verdient halten. Und manche werden für ihre Mühen sogar zu Unrecht verspottet. Persönlich habe ich einmal den Satz zu unserem leider verstorbenen Sänger Russ North gesagt, weil er wütend und verbittert gegenüber der britischen Metal-Presse war. Sie unterstützten jede Band, solange sie nicht britisch war. Er sagte, die Zeitungen seien ursprünglich erfolgreich gewesen, weil sie die NWOBHM unterstützt hatten; jetzt seien sie zu trendigen Modemagazinen geworden, die alles außer echtem Metal fördern. Diese sogenannten „Journalisten“ waren meist ehemalige Studenten, die Punkrock spielten oder Grunge-Trend-Hopper, aber keine engagierten Metal-Fans. Er hatte Recht, aber ich sagte ihm, er solle sie ignorieren und einfach an unserem Stil festhalten und für die echten, wahren Metal-Fans spielen. Sie sind alles, was zählt, nicht irgendein dummer Presse-Hype und falscher Metal. „Manchmal ist man in seinem eigenen Land nie ein Prophet.“ Aber leider hat ihn die manisch-depressive Phase letztlich erwischt, und die Voreingenommenheit der britischen Presse gegenüber trendigen Bands führte zu seinem traurigen Ende. Es gab nichts, was jemand dagegen hätte tun können, fürchte ich; er konnte nicht loslassen. Deshalb habe ich den Titel auch zu seinem Gedenken gewählt. Ich weiß, er hätte die Botschaft gemocht und er hätte die Songs geliebt. Gott segne Russ; er ist ein großer Verlust für die Musik und er wird mir auf ewig fehlen.

CLOVEN HOOF gehörten zur allerersten Welle der Heavy-Metal-Bands. Seitdem hat sich die Szene ziemlich verändert. Würdest du sagen, diese Veränderungen waren zum Besseren oder vermisst du die alten Tage?
Im Leben und in der Musik muss man immer nach vorne schauen. Jedes Album ist eine Herausforderung und man muss seine eigenen Ansprüche erfüllen und tief graben, um bessere Songs zu kreieren. Musik kann sich organisch verändern und man kann doch den Kern seines Sounds bewahren, solange man nicht „verkauft“ wird und seine treuen Fans enttäuscht. Ich bin mir bewusst, was uns ausmacht und welche Grenzen ich nicht überschreiten darf. Sonst würde es nicht mehr nach CLOVEN HOOF klingen, also schreibe ich bewusst als Fan der Band. Ich höre absichtlich keine anderen Gruppen, lebe fast in einer Blase. So wird meine Schreibweise nicht durch aktuelle Trends beeinflusst. Ich bleibe mir treu und schreibe aus der Fantasie und dem Herzen. Ich wünschte, ich hätte die alten NWOBHM-Tage mehr geschätzt. Wir dachten damals, diese Zeit würde ewig andauern und die Kids in den Lederklamotten würden wirklich die Straße beherrschen – und, dass die Musikpresse tatsächlich lokale Talente unterstützen würde. Es waren magische Tage. Die jungen Leute sind überall hin gereist, um neue junge Metalbands zu sehen. Es war wie eine Religion. Leider ist das heute für neue Metalbands, die anfangen, nicht mehr so. Ich vermisse die alten Tage von ganzem Herzen; so viele großartige Erinnerungen und glückliche Zeiten. Aber ich denke, die aktuelle Bandbesetzung und die Musik, die wir momentan machen, sind das Stärkste in der bisherigen Geschichte der Band. Vielleicht kommt das Beste ja noch?

Das Cover von "Heathen Cross" von Cloven Hoof.

Es sollte ein Live-Album mit der aktuellen Besetzung von CLOVEN HOOF geben! Ist im Rahmen des Möglichen?
Das wäre fantastisch! Wir bringen live wirklich alles auf die Bühne, und die Songs sind so gut geprobt und tight. Es gibt ein großartiges Set, das wir vor einigen Jahren beim Bang Your Head!!! Festival in Deutschland gefilmt haben. Wir hoffen, dass wir es bald veröffentlichen können, weil es unglaublich klingt, und wir haben es mit mehreren HD-Kameras gefilmt. Aber ein Set mit Harry am Gesang würde jeden umhauen! Er ist wirklich ein großartiger Showman und beherrscht die Bühne.

Wie steht es um eure Tourpläne? Wird es bald die Gelegenheit geben, CLOVEN HOOF in Deutschland zu sehen?
Angesichts der aktuellen Golf-Krise, die die Preise in die Höhe treibt und die Weltmärkte lahmlegt, haben wir beschlossen, die Tour bis 2028 auszusetzen. Ich habe den Überblick über all die Gigs verloren, die wir wegen Budgetproblemen und Problemen mit den Arbeitserlaubnissen durch den Brexit absagen mussten. Es ist unfair gegenüber den Fans, ihnen zu sagen, wir treten nur auf, um dann durch unvorhergesehene Ereignisse wieder canceln zu müssen. In der Zwischenzeit werden wir an einem neuen Album arbeiten und 2028 weltweit durchstarten.

Möchtest du noch etwas hinzufügen?
Ich möchte nur all den treuen Fans in Deutschland und auf der ganzen Welt danken, die uns seit über 40 Jahren begleiten. Ihre Loyalität ist inspirierend, und wir senden ihnen unsere allerbesten Wünsche. Ich hoffe, euch gefällt das neue Album, es ist definitiv eines unserer besten … lang lebe Metal!

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Thomas Meyns

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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