Völlig unbeeindruckt vom Hype rund um „Age Of Aquarius“ haben sich VILLAGERS OF IOANNINA CITY satte sieben Jahre Zeit gelassen für den Nachfolger „Venceremos“. Nach wie vor gilt bei Griechenlands Exportschlager: Qualität vor Quantität, denn auch zwischen dem Debüt und „Age Of Aquarius“ lagen fünf Jahre. Seit Release des Zweitwerks ist einiges passiert, von Covid über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder das Erstarken nationalistischer Kräfte in Europa, und dementsprechend hat sich auch der inhaltliche Fokus der VILLAGERS OF IOANNINA CITY verschoben. War „Age Of Aquarius“ stark geprägt von spirituellen Themen, geht es auf „Venceremos“ um Freiheit und Widerstand in herausfordernden Zeiten.
Das Intro „Alienation“ und der erste Track „Home“ sind aber erstmal VIC in Reinkultur: Mit stoischer Gelassenheit entfalten die Griechen nach und nach Folk-Motive, sanfte Riffs und meditative Parts, was die zehn Minuten Laufzeit des Songs wie in Trance vergehen lässt, den Hörer aber auch in falscher Sicherheit wiegt. Den erst mit „Ghosts In The Sky“ offenbart sich die wahre Marschrichtung von „Venceremos“: Ein überraschend hartes Riff, groovende Drums und eine mitreißende Askavlos-Melodie treiben das Stück nach vorne. So wild und energetisch klangen die VILLAGERS OF IOANNINA CITY noch nie, und es zeigt sich, dass nicht nur die Lyrics kämpferisch ausgefallen sind.
Auch der Titeltrack schlägt in diese Kerbe, geht aber noch ein Stück mehr in Richtung Modern Metal und ist erfüllt von einer unbändigen Energie. Den Ausflug in den Metal auf die Spitze treibt „No Fear“, das stark vom Drumming von Aris Giannopoulos geprägt ist. Was mit flirrenden Post-Rock-Riffs und treibendem Schlagzeugspiel beginnt, steigert sich nach und nach zu einem furiosen Finale mit Stakkato-Drumming, Askavlos und emotionalen Vocals von Alex Karametis. Großes Kino!
Ganz ohne ausufernde Prog-Psychedelic-Folk-Rock-Epen muss aber auch „Venceremos“ nicht auskommen. „Here And Now“ dauert ganze zwölf Minuten und deckt so ziemlich alle Facetten der VILLAGERS OF IOANNINA CITY ab. Zu Beginn sehr ruhig, lediglich mit Gitarre und weiblichem Gesang, nimmt der Song nach und nach Fahrt auf, gewinnt durch Alex‘ Gesangsperformance an Intensität und wird nach gut drei Minuten zu einem groovenden Stoner-Rocker. Gegen Ende gesellen sich auch noch Prog-Elemente und ein ausuferndes Gitarrensolo dazu. Ein Gitarrensolo bildet auch den Schlusspunkt von „Requiem“ und damit auch „Venceremos“. Passend zum Spirit des Albums enden VILLAGERS OF IOANNINA CITY aber nicht mit Trauer und Melancholie, sondern mit Asklavos, schweren Riffs, Zuversicht und einem temporeichen Solo.
Wie leicht hätten VILLAGERS OF IOANNINA CITY nach dem Hype um das letzte Album ein mittelmäßiges Werk nach dem anderen veröffentlichen und damit ein gutes Geschäft machen können. Doch die Griechen haben sich Zeit gelassen und mit „Venceremos“ ein weiteres Ausnahmealbum geschrieben. Direkter, wütender, wilder als sein Vorgänger klingt es doch wie eine natürliche Weiterentwicklung und zeigt eine neue Seite der Band. Im Falle der VILLAGERS OF IOANNINA CITY lässt sich also sagen: Believe The Hype!
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Wertung: 9 / 10


