Interview mit Aort von Code

Viel hat sich bei CODE seit dem letzten Album „Nouveau Gloaming“ getan: Ebenso radikal wie die Besetzung hat sich mit „Aural Nox“ auch der Sound der Band geändert. Mit Bandkopf Aort sprachen wir über die schwierige Zeit des Umbruchs, die musikalische Entwicklung bei CODE und den im Albumcover thematisierten antiken Brauch, aus Eingeweiden die Zukunft zu lesen.

code-logoEuer neues Album, „Augur Nox“, erscheint in ein paar Tagen. Seid ihr nervös, wie die Fans reagieren werden? Das Album klingt ja doch sehr anders als alles, was ihr bisher gemacht habt…
Es ist eine sehr sonderbare Gefühlskombination dieses Mal. Ich bin immer etwas nervös und gespannt, wie ein Album aufgenommen wird. Aber dieses Gefühl wurde dieses mal durch die Hoffnung verdrängt, dass diejenigen, denen es wirklich etwas bedeutet, das Album mögen werden, was einen kleinen, aber feinen Unterschied macht. Wie immer wurde das Album nach unseren eigenen Zielen und Standards geschrieben, immer mit dem Ziel, das Beste zu erschaffen, das wir zu erschaffen in der Lage sind – aber unabhängig davon würde es mich sehr freuen, wenn auch diejenigen, die in der Vergangenheit ihre Zeit und Energie investiert haben, mit dem, was sie zu hören bekommen, zufrieden sind. Ich fühle mich heute ein bisschen mehr dazu verpflichtet, etwas zu erschaffen, das denen gefällt, die uns mögen – auch wenn das immer noch keinen direkten Einfluss auf die Musik hat, die wir schreiben. Ein zugegebenermaßen etwas schräger Zwiespalt.

code - band 3Die Hauptursache für diesen musikalischen Wandel seit „Replendent Grotesque“ dürfte in der Tatsache begründet liegen, dass Kvohst und Viper die Band mittlerweile verlassen haben. Was hat du gedacht und gefühlt, als die beiden ausgestiegen sind?
Es ist sehr schwer zu ertragen, wenn die Band, der du über die Jahre so viel Zeit und Tränen geopfert hast, plötzlich um dich herum auseinanderbricht. Das war bestimmt keine Position, in die ich mich hinein gewünscht hätte – aber etwas Positives kann man aus den meisten Situationen ziehen. Genau das war definitiv auch hier der Fall: Es war seelenzerreißend und entmutigend, aber die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt und ich denke, CODE ist jetzt stärker denn je. Ich habe mehr Freude daran, Teil von CODE zu sein, mehr als je zuvor. Man kann also sagen, dass der Ritt durch den Sturm eine leidvolle Erfahrung war, die sich dennoch gelohnt hat.

Hast du noch Kontakt zu Kvohst, vielleicht im Kontext von Decrepit Spectre, und Viper, und wenn ja, weißt du, was sie von „Augur Nox“ halten?
Ja, ich habe noch Kontakt zu Kvohst, wenn auch nicht in Zusammenhang mit Decrepit Spectre. Wir unterstützen uns beide gegenseitig sehr, was unsere musikalischen Abenteuer angeht und haben beide absolutes Verständnis dafür, dass unsere Ziele auf getrennten Wegen am besten zu erreichen sind – insofern ist alles bestens.
Mit Viper spreche ich nicht mehr.

Hattest du in Betracht gezogen, CODE aufzulösen oder das Projekt nach dem Besetzungswechsel zumindest umzubenennen?
Natürlich war das eine Überlegung, aber ich hatte ja schon den Großteil der Musik für das dritte Album fertig und war überzeugt davon, dass mit dem richtigen Lineup das Material und die Motivation da wären, um das Vermächtnis von CODE zu vergrößern; das erschien mir ein ehrenhaftes und hehres Ziel. Jetzt ist das Album fertig und es fühlt sich für mich definitiv wie ein CODE-Album an. Hätte ich es unter einem anderen Namen veröffentlicht, hätten die meisten es am Ende vermutlich dennoch als CODE-Album empfunden – was es ja auch eindeutig ist.

code - band 1
Statt die Band aufzulösen, hast du im Endeffekt eine komplett neue Band um dich formiert. Könntest du die neuen Mitglieder kurz vorstellen und uns erzählen, wie du mit ihnen in Kontakt gekommen bist beziehungsweise warum du denkst, dass sie perfekt zu CODE passen?

Das erste Puzzlestück war Andras, der seit 2009 bei CODE Gitarre spielt. Er ist also kein Fremder. Er ist zudem einer der bewundernswertesten und begnadetsten Gitarristen, die du dir zu treffen nur wünschen kannst – insofern kommen die Songs schlussendlich auch nicht nur aus meinen Fingern.
Lordt ist ein sehr akkurater und kraftvoller Schlagzeuger, der schon in diversen erfolgreichen Metalbands gespielt hat. Er liefert auf eine solide rockende Weise den Groove und das Rückgrat für unseren Sound, was uns bisher in der Vergangenheit gefehlt hat.
Syhr und Wacian kommen beide eher aus dem Alternative-Bereich und dem modernen Rock/Metal und bringen als Resultat dessen frischen Wind und viel Dynamik mit, was deutlich cooler ist als bislang nur von der Welt des extremen Metal beeinflusst worden zu sein.
Wenn man all diese Einflüsse und Fertigkeiten zusammenbringt, bekommt man CODE in seiner stärksten Form!

Wie vorher schon erwähnt finde ich, dass das neue Album wirklich extrem anders klingt als alles, was ihr bisher veröffentlicht habt. War also dieses neue Lineup die Hauptursache für diese musikalische Entwicklung?
Ich sehe das als vollkommen logische Weiterentwicklung. „Resplendent Grotesque“ war sehr anders als „Nouveau Gloaming“, auch wenn die grundlegende Atmosphäre, die Stimmung und die Technik sehr ähnlich waren. „Augur Nox“ ist die Weiterentwicklung von „Resplendent Grotesque“ und die Bezugspunkte sind offensichtlich. Da schon die ersten beiden Alben so unterschiedlich waren, war es naheliegend, unseren Sound erneut weiterzuentwickeln – sonst wäre ja der Fortschritt, den wir in der Vergangenheit gemacht haben, Zeitverschwendung gewesen. Wir sind wirklich nicht hier, um ein zweites Mal das gleiche Album abzuliefern.

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Wie würdest du den „neuen“ Sound von CODE jemandem beschreiben, der das neue Album noch nicht gehört hat?
Denen, die mit CODE bereits vertraut sind, würde ich sagen, dass „Augur Nox“ unseren Sound sowohl verfeinert als auch erweitert: Wir streben immer eine Mischung aus fremdartig, kraftvoll und dynamisch an – diese Attribute finden sich ja auch auf unseren bisherigen Releases. Auf „Augur Nox“ erweitern wir unsere Palette nun noch etwas, um diese Ziele noch besser zu erreichen.
Denen, die CODE bislang noch nicht kennen, würde ich sagen, dass nach Jahren des Widerstrebens gegen diesen Begriff, „Augur Nox“ nun wirklich ein progressives Extreme-Metal-Album mit einem Fuß in der Tür zum Black Metal ist.

Hast du die Songs alle alleine geschrieben oder waren die anderen Mitglieder mit involviert?
Die Songs finden ihren Anfang immer bei mir, aber das Endresultat ist das Produkt der Inspiration und der Einflüsse von allen Bandmitgliedern. Das Album ist eine Gemeinschaftsarbeit und das macht auch einen Großteil seines Charakters aus.

Wer hat die Texte für das Album geschrieben und worum geht es auf „Augur Nox“?
Die Texte hat alle Wacian geschrieben und er hat einen wirklich außerordentlich guten Job dabei gemacht! Es gibt ein loses Konzept, das das Album zusammenhält – die Songs sind musikalische Interpretationen der Betrachtung verschiedener Gemälde in einer Galerie. Die Galerie ist dabei natürlich nicht real, aber die Musik und die Texte verarbeiten phsyische und emotionale Reaktionen auf die Betrachtung bestimmter Kunstwerke oder das Erfahren bestimmter Situationen. Der Titel kann dabei als „Inspiration (oder Erleuchtung) aus der Nacht ziehen“ übersetzt werden.

code - cover

Wo liegt die Verbindung des Artworks zu diesem Textkonzept?
Das beides verbindende Schlüsselwort ist ‚augur‘, ein Begriff für „Weissagung“ oder „Prophezeihung“. Die Auguren haben früher aus Eingeweiden oder Organen die Zukunft gelesen – das, in Kombination mit einem gewissen Level an Abstraktion, ist im Artwork dargestellt.

Wie sieht es eigentlich bezüglich eurer Konzertplanungen aus – darf man euch in absehbarer Zeit in Deutschland erwarten?
Wir haben noch keine genauen Pläne bisher, aber wir würden natürlich sehr gerne wieder in Deutschland spielen – dort zu spielen war uns immer eine große Freude. Insofern: Bei der ersten sich bietenden Möglichkeit werden wir zurückkehren!

Vorher ist ja schon einmal der Name Decrepit Spectre gefallen – gibt es hinsichtlich dieses Projektes von dir etwas Erwähnenswertes zu erzählen? Existiert das Projekt überhaupt noch?
Nun, ich denke, die Wiedergeburt von Seth hat die Chance, dass Decrepit Spectre eine Zukunft hat, zunichtegemacht, da eine gute Zahl der Stücke, an denen wir gearbeitet hatten, auf deren neuem Album gelandet sind. Aber das liegt alles in der Entscheidungsgewalt von Heimoth, ich war da wirklich nur eine Marionette in seinem Konzept für dieses Projekt. Da musst du Heimoth fragen.

code - band 2Vielen Dank für das Interview, die letzten Worte gehören dir:
Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei all jenen bedanken, die uns bis zu diesem Punkt gefolgt sind – eure Unterstützung ist uns extrem wichtig! Wir hoffen, ihr habt auch an diesem neuen Kapitel Freude und folgt uns auf unserer weiteren Reise.
Alle neuen Hörer möchte ich bitten, sich einen Moment Zeit für das zu nehmen, was wir tun – vielleicht findet ihr daran Gefallen! Derzeit sind wir nur auf Facebook mit einem ständig aktuellen Profil vertreten – schaut da einfach mal rein! Erst durch euch können wir uns ausdrücken…
>> Zum Facebook-Profil von CODE …

Lass uns am Ende ein kurzes Brainstorming machen. Was fällt dir zu folgenden Begriffen als erstes ein:
Herbst:
feuchte Kälte
Hexvessel: Kvohst
Avantgarde: Verwirrung
Angela Merkel: Gleichgültigkeit
Lieblingsband: Iron Maiden
Vinyl: Wärme
Finnland: Gottlos

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