Review Code – Flyblown Prince

  • Label: Karisma
  • Veröffentlicht: 2021
  • Spielart: Black Metal

Über die Jahre waren CODE immer schneller geworden: Lagen zwischen den ersten drei Alben der britischen Avantgarde-Black-Metaller je vier Jahre, ließ „Mut“ nur zwei Jahre auf sich warten – und das, obwohl CODE mit diesem Album den drastischsten Stilwechsel vollführten. Auf das neue Album ließ die Band ihre Fans nun länger warten denn je: Sechs Jahre und zwei EPs nach „Mut“ ist die Zeit für „Flyblown Prince“ gekommen.

Hätte der letzte Stilwechsel nicht einen inversen Effekt auf die Wartezeit gehabt, man könnte annehmen, CODE hätten die Zeit gebraucht, um ihr Tun grundlegend zu überdenken. Denn war „Mut“ ohne Frage das – Achtung, Wortspiel – mutigste und avantgardistischste Album der bisherigen Diskografie, zieht es CODE mit dem neuen Album weit zurück in die Vergangenheit. Das heißt freilich nicht, dass man von dem Album keine progressive Seite erwarten dürfte: Die musikalische Finesse der Instrumentalisten, vor allem aber die stimmliche Wandlungsfähigkeit von Sänger Wacian prägt auch „Flyblown Prince“. Jedoch weit weniger offensichtlich wie auf „Mut“, das zu jeder Sekunde unverkennbar Avantgarde war und eher kauzigen Prog-Rock im Stile von Bands wie Virus bot.

Im Kontrast dazu klingt bereits der titelgebende Opener von „Flyblown Prince“ schwarzmetallener als alles, was man von CODE in den letzten zehn Jahren gehört hat. Das ist (leider) nicht nur als Kompliment zu verstehen: Gerade gegenüber dem letzten harten CODE-Album, „Augur Nox“, ist das Material erstaunlich „flach“ gemischt und vergleichsweise leise gemastert. Nachdem man die Lautstärke angepasst und die erste Überraschung verwunden hat, entfaltet sich doch noch jene Magie, die seit jeher in der Musik von CODE steckt: Im lässigen Mitdempo-Riffing, das immer wieder ruhigen Parts und Melodien Platz macht – und im Gesang, der aus harschem Screaming heraus immer wieder emotionale Kapriolen schlägt. Die begeistern nicht nur technisch, sondern auch insofern, als Sänger Wacian dabei perfekt den Spirit einfängt, den der ursprüngliche CODE-Fronter Kvohst (Hexvessel, Grave Pleasures) den ersten beiden Alben angedeihen ließ.

Doch natürlich wären CODE nicht CODE, wenn sie sich ganz auf einen Stil verlegt hätten: Nachdem das Album schon zwischen rabiat („Flyblown Prince“, „Scolds Bridle“), bedrohlich-schleppend („Rat King“, „From The Next Room“) changiert hat, liefert der facettenreiche Zwölfminüter „The Mad White Hair“ (wohl nicht grundlos dem Album als Single vorangeschickt) zum Abschluss den „missing link“ zum Vorgänger „Mut“.

Sich nach einem radikalen Stilwechsel wieder zurückbesinnen ist ein gewagtes Unterfangen – besteht doch die Gefahr, gleichermaßen die neuen Fans zu verlieren und vor den alten nicht zu bestehen. CODE gehen diesen Schritt mit Album Nummer fünf dennoch. Und wenn ihnen auch sicher nicht jeder „Mut“-Liebhaber auf diesem Weg folgt, können die Briten zumindest in letzterem Punkt ganz beruhigt sein: Wer „Nouveau Gloaming“ und „Resplendent Grotesque“ bis heute dann und wann rotieren lässt, wird auch an „Flyblown Prince“ seine Freude finden.

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Wertung: 8 / 10

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