Interview mit Prinz Richard Hodenherz von Feuerschwanz

Feuerschwanz sind inzwischen aus der hiesigen Folkrock-/Mittelalterszene kaum mehr wegzudenken. Mit dem letzten Longplayer „Wunsch ist Wunsch“ gelang des Hauptmanns geilem Haufen sogar erstmals der Einzug in die deutschen Albencharts. Ein gut gelaunter Prinz Richard Hodenherz schildert im Interview mit Metal1.info die Gründe für den kometenhaften (oder eher komahaften?) Aufstieg der Band und verrät dabei allerlei eindeutig-zweideutige Details rund um den fränkischen Folk-Comedy-Exportschlager, an dem sich die (Niveau-)geister scheiden.


Prinz, ihr entstammt aus der Zeit, die Richard Hodenherz zum jährlichen Weihnachtsbesuch bei seinem kleinem Bruder am angelsächsischen Königshof verbrachte, wo er des Nächtens das Bett der Königin wärmen durfte. Hat dieser Umstand das Vater/Sohn-Verhältnis nachhaltig belastet?
Prinz „Hodi“ Hodenherz: Es hat lange gedauert, bis ich Richard überhaupt das erste Mal traf. Wie mich das jetzt beeinflusst hat, weiß ich nicht genau. Lustigerweise fallen den anderen Haufenmitgliedern immer wieder große oder kleine, nützliche oder sehr unnütze Gemeinsamkeiten zwischen uns auf. Zum Beispiel die Art, wie ich die Tourkutsche fahre, oder meine Flöten in den Mund nehm. Ein entscheidender Unterschied: ich wasche mir jeden Morgen die Haare.

Wer hat dem jungen Prinzen erstmals die Flötentöne beigebracht?
Hodi: Mein eigener Hang zu blöden Instrumenten hat mich dazu gebracht. Der war auch mein Lehrmeister.

Was denkt Ihr über das Spiel eures Vaters und eurer Schwester Ronja Hodenherz, die beide vor euch Teil von Feuerschwanz waren?
Hodi: Ronja hat mir in der Anfangszeit ein paar Lieder beigebracht, meinen Vater Richard habe ich einmal bei Feuerschwanz gesehen, als ich noch gar nichts von meiner Zukunft mit dem Haufen wusste. Das fand ich damals schon ziemlich cool.

Vor eurer Zeit haben Feuerschwanz Schandmauls „Herren der Winde“ gecovert und regelmäßig den allseits beliebten „Bärentanz“ gespielt, heute steht ihr textlich und musikalisch größtenteils auf eigenen Beinen und seid als „Metvernichter“ und „Verteidiger des wahren Mets“ über die Grenzen hinaus bekannt. Wäret ihr mit euren ausgeprägten Blasfähigkeiten gerne ein Teil des Haufens in den folkigeren Anfangsjahren gewesen oder bevorzugt ihr die moderne Ausrichtung?
Hodi: Ich habe ja durch meine Songs sehr zum jetzigen Sound beigetragen, bin deswegen mehr als zufrieden mit der Entwicklung. Spätestens seit der „Wunsch ist Wunsch“-Tour macht das Rockprogramm so unglaublich viel Spaß, wir sind da nochmal richtig zusammengewachsen. Folkige Klänge gibt es bei uns aber nach wie vor, auf MPS-Märkten (Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, Anm. des Autors) spielen wir ein Akustikprogramm ohne E-Gitarren etc., für das wir die Lieder umarrangiert haben und auch mal gerne die alten Nummern auskramen. Und blasen darf ich nach wie vor.

Wie würdet ihr die Entwicklung vom ersten Studioalbum „Prima Nocte“ bis hin zu „Wunsch ist Wunsch“ beschreiben und was waren die wichtigsten Meilensteine auf diesem Weg? So ihr euch überhaupt mit den Anfangsjahren vor eurem Eintritt beschäftigt habt und der regelmäßige Metgenuss die Erinnerungen nicht zu sehr trügt.
Hodi: Es sind tatsächlich viele frühere Konzerte in so einem verschwommenen Nebel aus Erinnerungen. An die wichtigsten Dinge können wir uns aber alle noch erinnern. Etwa die Besetzungswechsel, ich bin seit 2007 dabei, 2008 folgte Hans der Aufrechte an der Stromgitarre (was es bisher bei Feuerschwanz nicht gab) und 2009 schließlich die Trennung von unserem langjährigen Bassisten Eisi. Seitdem ist die Besetzung fest, was uns sehr in der Arbeitsweise beim Arrangieren und Produzieren vorangebracht hat. Wir arbeiten bereits seit längerem am nächsten Album. Im Großen und Ganzen sind wir spätestens seit „Metvernichter“ rockiger geworden, blödeln nach wie vor gerne und schreiben mittlerweile auch Lieder, die nicht nur um’s Saufen gehen.

Welche Einflüsse konntet ihr bei Feuerschwanz beisteuern, die bis dahin sicherlich schmerzlich vermisst wurden?
Hodi: Der Hauptmann und ich sind eine Doppelspitze, was vorher nicht der Fall war. Wir ergänzen uns, nach dem Prinzip: Zwei Frontmänner, doppelt so viel Spaß. Ansonsten hat sich das Songwriting weiterentwickelt, was aber eher an der ganzen Band liegt, nicht nur an mir. Wir arbeiten einfach mehr zusammen. Und seit der Hauptmann an seiner Laute die 6. Saite entdeckt hat, können wir auch richtig viele Akkorde.

Mit Platz 95 habt ihr mit „Wunsch ist Wunsch“ erstmals die dt. Albencharts geentert. Heißt das in Zukunft noch mehr härtere Gitarren und weniger Folk? Der Erfolg gibt euch immerhin Recht.
Hodi: Härtere Gitarren wird es geben, was aber nicht weniger Folk bedeutet. Wir lassen da sehr viel einfließen. Der Charteinstieg war für uns auch eine große Freude, was wir auf der „Wunsch ist Wunsch“-Tour auch einige Male begossen haben. So wird’s dann auch weitergehen. Also auf musikalischer Ebene…

Euer „Wunsch ist Wunsch“-Fanpaket mit Tourshirt und CD in einer Schatztruhe war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Wird es bei den kommenden Veröffentlichungen weitere Specials dieser Art geben? Wenn ja, habt ihr schon konkrete Ideen?
Hodi: Wir würden gerne mit den nächsten Fanpaketen eine Nacht mit Johanna als Special verlosen. Der Hauptmann will zwar auch mich zur Verfügung stellen, aber dann tausch ich meine Kleidung mit dem Knappen…streng geheim!

Auf „Wunsch ist Wunsch“ habt ihr mit Alea dem Bescheidenen von Saltatio Mortis einen Gastsänger bei „Symposium“. Den Text zu „Jungfernkranz“ verfasste wiederum Le Comte Caspar von Coppelius. Könnt ihr uns die Hintergründe zu diesen Kooperationen verraten?
Hodi: Mit Saltatio Mortis waren wir ja unzählige Male unterwegs, das schweißt zusammen. Und Alea wollte unbedingt auch mal übers Saufen singen. Das haben wir ihm erlaubt. Man munkelt, Le Comte Caspar darf bei Coppelius seine unbändige Feierwut musikalisch nicht ausleben. Deswegen hat er einen Feuerschwanz Song geschrieben, den wir auch noch verdammt gut finden!

Wieviel Alkohol spielte bei der Taufe der Metmaschine in „Mama“ eine Rolle? Immerhin sucht man vergeblich das 2. A.
Hodi: Multi Automatische Mischgetränk Abfüllanlage, MAMA. Oder sollte es MAMAA heißen? Gute Frage, wir haben sie wohl doch zu intensiv getestet. Jedenfalls leistet sie gute Arbeit und wir arbeiten bereits an einer handlicheren zweiten Version.

Obwohl sie eurem neuesten Album „Wunsch ist Wunsch“ in keinster Weise mehr erwähnt werden, tretet ihr immer noch mit euren Miezen auf. Ist es wie mit einer langjährigen Ehefrau, habt ihr euch so sehr an sie gewöhnt?
Hodi: Das ist ein fieser Vergleich. Es ist wohl einfach nicht passiert, ein Lied über die Miezen zu schreiben. Und beim Fotoshooting mit den Miezen UND der unglaublich wunderschönen Fee, wer soll sich denn da konzentrieren?

Böse Zungen behaupten, Feuerschwanz seien inzwischen völlig niveaulos und verlangen nach Zensur. Die Kleidung der Miezen sei zu knapp, die Texte zu frivol und es würde sich sowieso nur alles um horizontale Aktivitäten und Alkohol drehen. Was entgegnet ihr diesen Menschen?
Hodi: Denen geben wir unsere ersten Demos, die waren noch viel niveauloser als jetzt! Aber klar, wer nicht gern Spaß hat, versteht uns nicht.

Wie würdet ihr eure erste Headlinertour rückblickend beschreiben? Was habt ihr für die Zukunft gelernt?
Hodi: Die Tour lief besser als alle Erwartungen! Mehrere ausverkaufte Clubs, unglaubliche Stimmung auf allen Konzerten, eine Technik-Crew zum Verlieben – eigentlich eine Party, die vom ersten bis zum letzten Konzert nicht aufgehört hat. Gelernt haben wir, mit Kräften zu haushalten (so mancher Schlagzeuger ist vom Hocker gefallen) und uns immer weiter zu entwickeln, um den Leuten das wahre Gelage zu bringen.

Wie sehr halfen euch eure Erfahrungen als Support der als trinkfest bekannten Kollegen Saltatio Mortis und Fiddler’s Green?
Hodi: Ohne diese Erfahrung hätten wir es wohl nicht überlebt.

Gibt es Künstler, mit dem ihr gerne einmal auf einer Studioplatte oder live zusammenarbeiten wollt?
Hodi: Ja, und wie! Das reicht von den Ärzten bis Manowar oder Knorkator. Das wäre der Hammer.

Apropos Live-Auftritte: Ihr spielt inzwischen regelmäßig in kleineren Clubs, auf größeren Märkten und etablierten Festivals. Wo liegen die Unterschiede für euch? Was macht euch mehr Spaß?
Hodi: Das höchste der Gefühle ist natürlich eine riesige feiernde Meute auf großen Festivals. Es ergänzt sich aber sehr schön. Nach so einem Festivalsommer hat man wieder richtig Lust, in Clubs, wo der Schweiß von der Decke tropft, 2 Stunden lang Gas zu geben. Und Konzerte in Akustikbesetzung sind immer wieder interessant, da mehr Raum für musikalische Kleinigkeiten und Publikumsinteraktion ist. Jetzt freue ich mich aber erstmal auf den restlichen Festivalsommer.

Welches war der größte Lindwurm, den ihr bisher mit eurer Flöte anführen durftet?
Hodi: Ich denke, auf dem Summer Breeze 2010 im Partyzelt. Da habe ich kaum zurück auf die Bühne gefunden. Ziemlich geil, mit einer Flöte und ein paar tausend Mann hinten dran durch ein Metalfestival zu marschieren.

Mit Feuerschwanz TV seid ihr auch in den neuen Medien sehr aktiv. Bis jetzt sind die bewegten Bilder allerdings sehr züchtig und brav. Was darf man in Zukunft erwarten?
Hodi: Wir haben gerade den Spaß daran gefunden, Comedy in Bild umsetzen zu können. Feuerschwanz TV sind da immer kleine lustige Ideen, die man so auf Tour hat. Mit Videos zu schocken, das überlassen wir anderen. Was auch sehr viel Spaß macht, sind Musikvideos, wie jenes zum Lied „Der Henker“, welches seit diesem Jahr auf diversen Plattformen zu finden ist. Wir haben dieses Jahr noch einige Überraschungen mit unseren Fans vor, bei denen auch das eine oder andere Video herauskommen wird…

Überwiegen für Feuerschwanz im Web 2.0/Internet die Vorteile in Form von interaktivem Austausch mit Fans oder die Nachteile wie illegale Downloads, etc.?
Hodi: Ich rege mich nicht über Downloads auf, denn das macht es umso wichtiger live zu spielen, wenn man nicht von heute auf morgen durch Plattenverkäufe reich und berühmt wird. Der direkte Kontakt auf Netzwerkseiten und die Möglichkeit, Videomaterial direkt an den Mann und die Frau zu bringen, finde ich super.

Könntet ihr euch vorstellen mit Feuerschwanz den Karneval im Rheinland und die spanischen Ferieninseln zu erobern? Eure Texte lassen sich ja selbst mit mehreren Promille noch mitgröhlen und wäre es nicht ein erhabenes Gefühl, wenn mehrere tausend Menschen auf euer „Wir lieben Dudelsack…“ laut mit „Schalalalalala“ antworten?
Hodi: Man muss nicht nach Malle, um mit unseren Songs riesen Partys zu feiern. Wacken, Summer Breeze, Rockharz, Feuertanz etc.. haben das schon bewiesen. Trotzdem würde ich auch gern mal den Ballermann-Ritter rauslassen. Da kann man Met mit dem Strohhalm aus Fässern trinken. Und „Schalalalala“ ist dazu wirklich der passende Text, das gebe ich zu.

Abschlussfrage: Met & Miezen, Schnaps & Schnecken oder Bier & Bräute?
Hodi: Für mich bitte alles. Ohne Eiswürfel.

Eure ersten Gedanken zu den folgenden Begriffen:
Mittelaltermallorca und Bardenballermann – Geile Idee, darf ich ein Lied drüber schreiben?
Prince Charming – So nannte man mich früher.
Thomas Heimann-Trosien – Onkel Trosi, unser Lieblingsproduzent.
Das Niveau – sinkt.
Mittelalter Phantasie Spectaculum – Ein Haufen verrückter, die jedes Wochenende woanders immer die gleiche Wahnsinnsveranstaltung auffahren – geil!

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