Interview mit Stephan und Andreas von Fjoergyn

Stephan und Andreas brachten als FJOERGYN mit „Ernte im Herbst“ Ende April ein kleines Meisterwerk unters Volk. Lest hier ein Interview mit den beiden zum ersten Album und zukünfitigen Plänen…

Das FJOERGYN-Debüt „Ernte im Herbst“ wird nun bald veröffentlicht. Wie waren die ersten Reaktionen darauf? Ich zähle euer Album zu den stärksten Veröffentlichungen des laufenden Jahres.
Andreas: Nach anfänglichen bedenken ob des großen orchestralen Anteils sind die ersten Reaktionen sowohl in unserem persönlichen Umkreis als auch bei den Kritikern ausnahmslos positiv ausgefallen. Für uns überraschend und erfreulich zu gleich ist das Interesse vieler Hörer an der Lyrik hinter den Noten.

Als Haupteinflüsse und Inspirationen werden Falkenbach-Mastermind Vratyas Vakyas und Richard Wagner aufgeführt. In wie weit seid ihr durch sie beeinflusst? Gibt’s hier noch weitere wichtige Inspirationsquellen?
Stephan: Als ich anfing, E.I.H. zu komponieren war meine größte Ambition, ein von Einflüssen freies Album zu erschaffen. Wie mir die Vergleiche zeigen, schlug dies fehl. Falkenbach ist eine großartige Band und ich höre sie seit fast 10 Jahren. Wenn man über einen solchen Zeitraum das Gedeihen einer Band als „Fan“ mitverfolgt, ist es schwierig einflussfrei zu bleiben. Wahrscheinlich sollte ich mich eher geehrt fühlen mit Falkenbach verglichen zu werden. Weitere Einflüsse sind schwierig auszumachen, da ich wie schon erwähnt eigentlich vollkommen aus dem Weg gehen wollte. Empyrium, Secrets of the Moon & Silencer sind Bands die pausenlos in meinem CD-Player rotieren (Komponisten lasse ich jetzt mal außen vor….).

Was hat euch beim Schreiben der Texte inspiriert? Braucht ihr zum Schreiben ein bestimmtes Umfeld oder geht das immer und überall?
Stephan: Ich denke man braucht vor allem Ruhe. Wenn man ein gutes Buch ließt, möchte man über die Seiten hinaus in diese Welt eintauchen. Man möchte das was man liest erleben können. Ähnlich ist es bei dem Verfassen von Texten oder Gedichten. Sie sind nur dann ehrlich wenn der Autor sie aus der Phantasiewelt in unsere reale Welt holt. Wenn er sie erleben konnte, kann es auch der aufmerksame Hörer bzw. Leser.

Seid ihr – auch wenn die Natur auf „Ernte im Herbst“ als hart richtende Krone der Schöpfung beschrieben wird – sehr naturverbundene Menschen?
Andreas: Gerade unsere Naturverbundenheit ist wesentlicher Einfluss für das Album gewesen. Denn auch wenn die Natur nicht immer schön ist und Katastrophen den wenigsten irgendeine Art von Freude bereiten, so wohnt doch selbst dem Zerfall eine gewisse Ästhetik inne, auch wenn er schmerzt („Veritas Dolet“). Und was man heutzutage noch viel seltener findet, die Natur ist ehrlich, ihr Werden und Vergehen scheint zu weilen das einzig Wahrhaftige in dieser Welt zu sein.

Im Laufe des Albums bekämpft die Natur den Menschen, ihren natürlichen Feind. Rechnet ihr damit in gewisser Weise auch selbst mit der heutigen Gesellschaft ab, die die Natur nach wie vor missbraucht und schädigt?
Andreas: Teils, teils. Der Verfall von Gesellschaft und Werten, und der damit einhergehende Naturmissbrauch, ist meiner Meinung nicht nur ein Problem der heutigen Gesellschaft, sondern viel mehr eine dem Menschen selbst innewohnende Unzulänglichkeit.
Stephan: Mit der Geburt der Menschheit ist die Unschuld verendet…

„Requiem“ endet mit einem sehr gelungenen Einsatz von „Freude schöner Götterfunken“ aus Beethovens neunter Symphonie. Wieso habt ihr gerade dieses Stück als Abschluss des Liedes und des Albums gewählt?
Stephan: Das letzte Stück beschreibt einen Komponisten, der sein eigenes Requiem komponiert und sich selbstkritisch unterdessen die Unterarme öffnet.
Dieser Komponist sollte fiktiv den Autor und Erschaffer von E.I.H. darstellen, der auf der einen Seite sein eigenes Werk für die Vollendung bewundert, auf der anderen Seite an den eigen verfassten Texten zerbricht. Um den Sieg über sich selber zu verdeutlichen, als er den ersten Schnitt setzte, wählte ich das „Freude….-Motiv“. Es ist der Höhepunkt des Albums, und der Höhepunkt des Komponisten… Den Herbst erreicht jeder…

Wie ist „Ernte im Herbst“ entstanden? Was ist bei euch zuerst da – die Musik oder die Texte?
Stephan: Zuerst standen lediglich die Worte E.I.H. auf dem Papier. Sie verkörpern das gesamte Album. Parallel zueinander sind dann Songs und Texte entstanden.

Habt ihr euch schon Gedanken über eine mögliche Liveumsetzung gemacht?
Andreas: Wir sind gerade damit beschäftigt, eine Band zusammenzustellen. Dann wird es uns auch Live geben. Optimal wäre natürlich die Umsetzung mit einem Orchester, was aber im Einzelnen noch zu überdenken wäre.

Die Fjoergyn-Musik wäre definitiv sehr geeignet für den Soundtrack zu einem epischen Film. Habt ihr euch über derartiges schon mal Gedanken gemacht?
Andreas: Ein Film? Hm, nein, aber nicht die schlechteste Idee, wir werden sehen.
Stephan: Vorstellen könnte ich es mir sehr gut und es wäre eine sehr interessante Erfahrung aber leider trifft man eher selten Menschen, die einen diesbezüglich weiterempfehlen können.

Welche Musik hört ihr privat, welche Favoriten außer Falkenbach und Wagner habt ihr?
Stephan: Silencer, Empyrium, Katatonia, Secrets of the Moon, Carpathian Forest…

Fjoergyn ist aus der nordischen Mythologie entnommen. Interessiert ihr euch schon länger für die Mythologie oder beschäftigt ihr euch gar weitreichender mit ihr?
Stephan: Früher habe ich mich viel mit ihr beschäftigt. Mittlerweile fehlt mir jedoch die Zeit dafür…

Wie wird es mit Fjoergyn weitergehen? Habt ihr ein festes Konzept mit dem Projekt, welches ihr verfolgt?
Stephan: Es wird auf jeden Fall ein weiteres Album geben, dem ebenfalls ein festes Konzept zu Grunde liegt…

Zum Abschluss möchte ich dich noch darum bitten, zu folgenden Begriffen einen kleinen Kommentar abzugeben:

MTV: FREE FOR ALL !!!
G.W. Bush: alkoholsüchtiger Methodist
Moonsorrow: Heroen
Ensiferum: Das erste Album gefiel mir besser
Bathory: R.I.P.
Onlinemagazine: Ich habe kein Internet
Alkohol: methodistischer Präsident
Metal1.info: Schönes Interview :-)

Stephan und Andreas, i ch bedanke mich für euere Zeit, meine Fragen zu beantworten und wünsche noch viel Erfolg mit dem Album.