CD-Review: Fjoergyn - Terra Satanica (EP)

Besetzung

Stephan L. - Gesang, Gitarre, Orchestrierung
Marcel W. - Gitarre
Sven G. - Bass
Martin L. - Schlagzeug

Tracklist

01. Terra Satanica
02. ISON14
03. What A Wonderful World
04. Ernte im Herbst


FJOERGYN waren bisher keine Band, die man einfach mal nebenbei auflegen konnte. Vielmehr schieden sich am avantgardistischen Black-Metal-Ansatz die Geister. Genie und Wahnsinn liegen auch in der Musik manchmal nah beieinander und so wird auch die neue EP „Terra Satanica“ bisherige Kostverächter nicht umstimmen können. Aber auch Fans könnten es mit den vier Stücken etwas schwer haben.

Der titelgebende Opener prescht zu Beginn erbarmungslos nach vorne. Das alleine ist nicht zwingend ein schlechtes Merkmal, jedoch beim Einsatz des Gesangs fragt man sich dann doch, wo die gewohnt gute Produktionsqualität abgeblieben ist. Eine x-beliebige Black-Metal-Newcomer-Formation würde dieses Klangbild wahrscheinlich ebenso schlecht präsentieren. Das klingt nach Demoaufnahmen und nicht nach den Ergüssen erfahrener Musiker. Wegen des Chaos der ganzen Stimmungswechsel, Tempovariationen, Choreinlagen und verschrobenen Orchestereinsätzen vergisst man nahezu komplett sich auf den Text zu konzentrieren. Dabei geht der auf eine ganz besondere Weise mit der Institution Kirche in die Kritik und ist bei weitem nicht so schlecht wie seine kompositorische Umsetzung. Mit „ISON14“ geht das Quartett einen deutlich entspannteren Weg: Zu Beginn noch eher eine Post-Rock-Nummer, entwickelt sich der Titel mit vorrangig Klargesang und opulenten Chören zu einem avantgardistischen Meisterstück. Aber auch nur bis zu einem gewissen Grad, denn die harschen Vocals leiden auch hier an mehr als nur Kinderkrankheiten. Dafür sind die Gitarren, wenn sie sich mal erheben, ein äußerst hypnotisierendes Merkmal dieses Stückes. Mit „What A Wonderful World“ präsentiert man ein gar episch strukturiertes Cover des allseits bekannten Louis-Armstrong-Klassikers. Braucht man das in einer erneuten Metal-Version? Nicht unbedingt, aber bis hierhin ist es das intensivste und auch beste Stück auf „Terra Satanica“. Den Weg aus diesem Stück geleitet einem eine niedliche Spieluhr-Melodie, die in den Abschluss-Track „Ernte im Herbst“ übergeht, der bereits auf dem gleichnamigen Debütalbum zu finden war. Hier regiert die pure Avantgarde, keine harten Gitarren weit und breit, ausschließlich klarer Gesang und eindeutige Referenzen zu Dornenreich sind zu hören. Mit Bläsern und spanisch angehauchter Gitarrenarbeit unterlegt wird einem schlagartig klar, wie schön und ausschweifend der Musikkosmos von FJOERGYN sein kann oder in diesem Fall könnte. Leider zeigt sich dieser erhabene Ansatz erst im letzten Stück und kann die vorhergehenden Fehlgriffe nicht wettmachen.

Die Thüringer FJOERGYN machen es dem Musikliebhaber sicherlich nicht leicht. Vermutlich war das aber auch nie ihr selbstgestecktes Ziel. Doch auch hartgesottene Fans werden aufgrund der doch eher minderen Qualität dieser vier neuen Songs vermutlich mehr als nur einmal tief durchatmen müssen. Der Ansatz einer Mixtur aus Black Metal, klassischer Musik und avantgardistischen Strukturen bleibt weiterhin spannend, aber die vier Musiker haben das schon wesentlich gehalt- und druckvoller präsentiert. „Terra Satanica“ kann man trotz des interessanten Konzeptes wohlwollend umgehen und das nächste Studioalbum abwarten.

Keine Wertung

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