Interview mit Nicola von Handful Of Hate

Mit ihrem sechsten Album „To Perdition“ legten die Italiener von HANDFUL OF HATE pünktlich zu ihrem 20-jährigen Bandjubiläum die Platte vor, die sich Sänger und Gitarrist Nicola anlässlich dieses Ereignisses wünschte – laut seiner Aussage die beste ihrer bisherigen Karriere. Woher er die Kreativität schöpft, welche Bands sein Spiel beeinflussten und was er von den Reviews zum aktuellen Album hält, verriet er uns im Interview.

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Trotz eurer aus mehreren Alben und EP’s bestehenden Diskografie denke ich, dass die meisten unserer Leser noch nicht viel über euch gehört haben, stell dich und die Band also bitte kurz vor.
Ich bin Nicola, Gitarrist und Sänger von HANDFUL OF HATE. Ich gründete die Band 1993, wir sind also ziemlich alt. Während dieser 20 Jahre haben wir sechs Alben veröffentlicht: “Qliphothic Supremacy” (1997), “Hierarchy 1999” (1999), “Vicecrown” (2003), “Gruesome Splendour” (2006), “You Will Bleed” (2009) und die neue Platte “To Perdition” (2013). Einige Compilations, EP’s, MCD’s von uns und viele gespielte Konzerte rund um Europa bewahren unseren Underground Spirit, gewidmet dem extremsten und dunkelsten Black und Death Metal.

601991_10151532726061940_1003490866_n„To Perdition“ ist seit letztem Jahr auf dem Markt. Bist du zufrieden mit der Platte und hast du Reviews zu „To Perdition“ gelesen? Was denkst du über die Meinung eines Journalisten über eure Musik?
Ja, ich bin sehr zufrieden! Ich denke, dass es das beste Album ist, was HANDFUL OF HATE bisher veröffentlichten. Ehrlich gesagt, ich las einige Reviews und ich habe ihnen niemals Vertrauen geschenkt, denn als ich jünger war, mochte ich ein Album umso mehr, je schlechter die Presse darüber sprach! Ich bin froh, wenn ein Redakteur meine Musik beschreibt, dessen Riffs, die Rahmen der Songs und so weiter. Mich interessiert aber nicht sein Geschmack oder seine musikalischen Präferenzen. Kritiken sind sehr zu schätzen, wenn sie sich auf den technischen Aspekt beziehen und nicht gegen ein Genre.

Das aktuelle Album markiert einen speziellen Punkt in der Chronologie von HANDFUL OF HATE, da „To Perdition“ 20 Jahre nach eurer Gründung 1993 auf den Markt kam. Verbindest du auf Grund dieser Tatsache sentimentale Erinnerungen mit diesem Album oder wurde es ein Album wie jedes zuvor veröffentlichte auch?
Ich denke, dass es eine Säule in unserer Diskografie ist. Das ist genau das Album, welches ich auf den Markt bringen wollte, und wir arbeiteten zwei Jahre lang hart, um die neuen Songs zu komponieren und zu arrangieren, um diese 20 Jahre im Underground mit unserem bis dato besten Album zu feiern!

Wenn du auf deine Karriere zurückschaust, was war der überraschendste Moment und was war der emotionalste Moment darin?
Der emotionalste Moment war vermutlich das Erscheinen unserer ersten CD. Im Verlauf der 20 Jahre hatten wir einige überraschende Momente, aber die meisten leider durch ein negatives Ereignis oder Resultat. Wir hatten niemals Glück und die wenigen befriedigenden Sachen bedeuteten für uns sehr große Bemühungen.

Handful Of Hate - To PerditionNach „Vicecrown“ ist „To Perdition“ euer zweiter Release über Code666 Records. Warum habt ihr euch erneut für dieses Label entschieden, nachdem ihr „Gruesome Splendour“ und „You Will Bleed“ über ein anderes Label in Umlauf gebracht habt?
Wegen zwei simpler Gründe. Erstens: Unser vorheriges Label Cruz Del Sur Music bevorzugt 100 Prozent Heavy-Metal-Musik, da diese Art der Musik 90 Prozent ihrer Verkaufszahlen ausmacht. Zweitens: Code666/ Aural Music bot HANDFUL OF HATE den besten Deal zwischen vielen Angeboten.

Erneut habt ihr eure Texte in Englisch verfasst, obwohl eure Muttersprache Italienisch ist. Warum geht ihr so vor?
Englisch ist eine internationale Sprache, der leichteste Weg um weltweit zu kommunizieren. Wenn ich in Italienisch schreibe, oder besser in Lateinisch, wobei die zweite Wahl nicht so einfach ist, werde ich viele Personen nicht erreichen und außerdem bin ich nicht daran interessiert, meine Texte zu übersetzen. Auf Italienisch würde es einfacher sein und vielleicht würde ich mehr poetische Sachen schreiben, aber ich mag auch Englisch, da es direkter ist. Außerdem ist die Muttersprache nicht so wichtig in der weltweiten Metalszene und ich nehme kaum an, dass die Norweger das mit ihrer Sprache anders sehen.

Mit Blick auf das aktuelle Artwork scheint es, als wärst du fasziniert von dunklen lyrischen Themen wie Folter und Schmerz. Haben diese Themen auch außerhalb der Musik eine Bedeutung für dich, zum Beispiel in deinem Privatleben, in dem du beispielsweise Dokumentationen über Serienkiller schaust oder Brutal Death Metal hörst?
Ich lese und beobachte viel, ich bin fasziniert von der perversesten Seite des Menschen. Das spiegelt mein Leben wider und ist mein Ansatz für Vergnügen. Filme, brutales Zeug und persönliche Erfahrungen helfen mir, meine Lyrics zu gestalten. Oft suche ich nach Inspiration im künstlerischen Bereich. Kunst ist eine niemals endende Quelle für mich, insbesondere Gemälde.

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Wie schwierig ist es als Black-Metal-Band heutzutage noch zu provozieren? Denkst du, dass Provokation noch immer eine Pflicht des Genres darstellt?
Ich denke, dass Provokation eine Wahl zwischen vielen anderen ist. Provozieren ist nicht so schwierig, aber zu provozieren, ohne den innersten Teil des Feindes zu beleidigen, ist Kunst. Provokation ist keine Pflicht, sondern nur eine Möglichkeit und es ist nicht die einzige.

Welchen Einfluss hatten andere Bands auf dich? Wer sind deine musikalischen Vorbilder? Haben sie dich zum Black Metal gebracht?
Keine Idole, aber viele Bands, die ich respektiere. Als ich meine erste Band gründete, war Black Metal ungleich zu dem, was es wenige Jahre später wurde. Ich erinnere mich noch immer an meine ersten Versuche, Death Metal und Black Metal zu spielen, denn diese Dinge waren ziemlich gleich bevor die neue Welle aus Nordeuropa kam. Zu der gleichen Zeit waren da Größen wie Slayer, Venom und vielleicht mein Liebling von allen: Bathory. Aus Kanada die  mächtigen Blasphemy und aus Brasilien Sarcofago und die ersten beiden Alben von Sepultura. Und dann kamen einige gute Bands aus dem Norden und Black Metal nahm eine richtige Form an. Ich möchte gerne Marduk erwähnen, die in der Tat nicht die ersten waren, aber deren ersten beiden Alben meine Art zu spielen sicherlich beeinflussten.

Bisher spielten HANDFUL OF HATE nicht sehr viele Konzerte, um „To Perdition“ vorzustellen – gibt es dafür Gründe? Ist eine ausgedehnte Tour geplant, vielleicht mit Zwischenhalten in Deutschland?
Wir würden wirklich gerne mehr spielen! Das Problem ist Konzerte zu finden. Ich habe hart gearbeitet, um ein paar Konzerte in Deutschland spielen zu können. Wir sind bereit, kontaktiert uns.

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Ich möchte unser Interview gerne mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden. Was kommt dir zuerst in den Sinn, wenn du die folgenden Worte liest:
Silvio Berlusconi
: Nur der typische italienische Lügner, der seine Interessen vertritt
Lieblingsalbum 2013: Anaal Nathrakhs “Vanitas” aus dem späten 2012, Carcass‘ “Surgical Steel”
Italienische Black-Metal-Szene – groß oder klein? Sehr, sehr klein, zu 90 Prozent nutzlos
Aktuelles Album von Satyricon: Ich hörte es noch nicht und ich mochte sie nie, außer das erste Album “Dark Medieval Times”, ziemlich gut, wie “Nemesis Divina”, danach wurde es langweilig für mich
Klimawandel: Das Klima änderte sich oft in der vergangenen Zeit und ich hoffe, dass die Menschheit so schnell wie möglich aus dem Universum verschwindet

Danke für deine Zeit! Wenn du noch etwas hinzufügen möchtest, sind die letzten Worte dein.
Danke für das Interview. Jeder, der daran interessiert ist, uns Konzerte spielen zu lassen, kann uns hier kontaktieren: info@handfulofhate.com Hört euch unser neues Album “To Perdition” an und genießt extreme und pure Gewalt!

Livebilder von Jo Slippel
https://www.facebook.com/joslippelphotography

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