Interview mit Carsten Frank und Pablo J. Tammen von Human Fortress

Sonntags sitzen normale Menschen im heimischen Garten, gehen normalen Tätigkeiten nach und trinken ihr verdientes Bier. Human Fortress saßen alles andere als normal in ihrem Studio und standen für ein entspanntes Interview zum neuen Album „Eternal Empire“ bereit – und tranken trotzdem Bier.

Servus Jungs! Was zum Teufel macht ihr Sonntags im Studio?
Pablo: Arbeiten, Kaffee trinken, warten bis das Bier kalt ist.

Was mich zum Anfang brennend interessiert: woher kommt der Name „Human Fortress“ und was soll er ausdrücken?
Pablo: Hm, das war interessant. Das war unser allererster Schlagzeuger Thomas, der hat an sowas gedacht wie „Human Shield“ und dachte da an solche Szenen im Krieg, wenn sich jemand seinen toten Kameraden vor den Körper hält. Aber er war nicht so gut in Englisch und hat „Human Fortress“ draus gemacht. Dann hab ich gesagt: „Aber ne, ist egal was du gemeint hast. Human Fortress klingt geil. Das sind wir.“ Eine menschliche Festung von außen. Wenn wir mal Probleme haben, dann von innen, aber von außen kommt keiner an uns ran.

Carsten: Zumal wir jetzt von der Körperfülle schon festungsmäßig unterwegs sind. (lacht)

Pablo: Genau!

Wie kam man damals, als euer Name noch Timezone war, zu dem Entschluss, ohne Sängerin weiter zu machen?
Pablo: Jaaa, also die Sängerin tauchte irgendwann einfach nicht mehr auf und wir haben halt trotzdem geprobt. Torsten und ich haben ein bisschen versucht zu singen, aber das klang dann nicht so gut, also haben wir uns einen Sänger gesucht. Und damals Jioti den kannte man dann halt damals so vom Sehen. Ich hab gesagt: „Torsten, vergiss das. Ruf den nicht an, der ist viel zu gut für uns.“ Aber er kam dann trotzdem.

Erzählt uns doch ein bisschen was über die neue Scheibe. Was steckt im „Eternal Empire“?
Carsten: Da stecken fünf Jahre Human Fortress drin. Wir haben ja – auch wenn man uns, bis auf ein paar kleine Gigs, nicht gesehen und gehört hat – die ganze Zeit weitergearbeitet. Mal in kleinen Teams, mal alle zusammen. Und was wir dann am besten fanden, ist dann da hineingeflossen. Mit ein paar Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, das ist klar.

Pablo: Ich denke auch mal, das ist der Grund, warum die Scheibe so abwechslungsreich geworden ist. Weil wir eben über fünf Jahre hinweg den Raum hatten uns zu steigern. Als wir halt angefangen haben, die Scheibe zu produzieren war’s sogar noch wesentlich krasser … das haben wir schon reduziert, da waren noch viele Elemente mehr drin.

Wie war der Dreh eures ersten Musikvideo („Contrast“) für euch?
Pablo: Sehr aufregend. Ich hab zum Beispiel die Kurzmitteilung mit dem Termin nicht gekriegt, weil mein Handy in der Werkstatt war (lacht). Ich hab ein paar Dinger daneben gehauen, klar. Zwei Stunden nach Drehbeginn hab ich dann meinen Anrufbeantworter abgehört und denk: „Warum schimpfen die denn so mit mir?“

Carsten: Im Endeffekt war das sogar ein ziemlicher Schnellschuss. Wir hatten im Januar eigentlich gesagt fordern wir’s mal raus und lasst uns mal ein Video drehen. Und dann haben wir halt angefangen die Grafiken selber zu machen, haben uns eine Kamera gekauft und das alles in Eigenregie gemacht, ohne Kamerateam und alles. Dabei ist das dann halt rausgekommen, aber wie gesagt: das war eher ein Schnellschuss.

Pablo: Das wird nächstes Mal professioneller.

Carsten: Genau, dann nehmen wir zwei Kameras.

Im Video zu „Contrast“ wird der Stimmungswechsel beim Einsetzen der Sängerin mit dem Flug durch die Wolken schön in ein Bild gefasst. Wem gehört denn das Goldkelchen?
Carsten: Genau – das Goldkelchen gehört Lisa Hinnersmann, der Geigerin und Sängerin von Winterdome. Das ist eine Band, die unser Produzent und Sänger Carsten auch mal produziert hat. Man kennt sich eben, läuft sich über den Weg und dann haben wir uns sie mal ausgeborgt. Die hat übrigens auch auf dem Album Geige gespielt.

Ihr bietet eine herrlich frische Mischung aus kraftvollem Power Metal und einigen Death Metal-Anleihen auf „Eternal Empire“ – ist ja nicht gerade gewöhnlich. Wie kam’s dazu?
Pablo: In denen fünf Jahren hat unser alter Sänger sehr viel böses Zeug gehört. Wenn’s nach dem allein gegangen wäre, würden wir jetzt nach einer Mischung aus In Flames, Volbeat und Amon Amarth klingen, aber wir haben zum Glück noch einen Produzenten dabei gehabt, der das alles ein bisschen zusammengehalten hat.

Carsten: Insgesamt – was Torsten eben schon meinte – haben wir uns wieder sehr zurückgehalten. Wir hatten aus allen Richtungen was dabei.

Damit erscheint ihr mir wesentlich kraftvoller als auf den beiden Vorgänger-Alben. Woher nehmt ihr die Energie für eure Musik?
Pablo: Immer wieder aus Allem (lacht). Zum großen Teil auch aus der Musik selber und wir klangen live ja auch schon härter als auf CD. Wir hatten früher einen Produzenten, der ja Hardrocker ist und der fand’s gut, dass wir nicht klangen, wie jede Möchtegern-Wrestling-Band. Und wenn wir damals nach Wolfsburg oder in irgendein anderes bekanntes Metalstudio gefahren wären, hätte niemand gewusst, wer Human Fortress sind, weil es niemanden interessiert hätte. Und so hatten wir, glaube ich, eine Sache, die schon damals ziemlich eigenständig war – und live sind wir eben doch härter. Das haben wir jetzt eben auch im Studio umgesetzt.

Ich hab nicht schlecht geschaut, als nach „Falling Leaves“ noch nicht Schluss war. Womit haben wir uns den Hidden Track verdient – und vor allem: von welchem Gelage stammt die Geräuschkulisse?
(Beide lachen)
Pablo:Von uns! Das sind Orginalaufnahmen von uns. Wir waren etwa sechs Leute – immer einer am Regler und dahinter standen immer wir.

Carsten: Genau. Die Pub-Atmosphäre haben wir eben selber gemacht. Wir haben dann alle eine halbe Stunde lang Englisch gequasselt und die Tonspuren dann übereinander gepackt, so dass es dann nach Hunderten von Leuten in einem Pub klang. Ja, und wir waren unglaublich betrunken an dem Tag, echt. (lacht) Die Outtake-Session an dem Tag, das Video zeugt eben von dieser Aufnahmesession, als wir dann die Atmosphäre erzeugt haben.

Pablo: Da halt ich mich jetzt zurück mit Kommentaren. (lacht)

Carsten: Du bist auch der Running Gag des Videos. (lacht auch)

Ihr habt selbst schon bei einem großen Newcomer-Contest mitgemacht. Was haltet ihr heute von solchen Veranstaltungen? Steht ihr denen teilweise auch skeptisch gegenüber?
Pablo: Wenn es Startgeld gibt, das man bezahlen muss, halte ich das für eine große Ausbeutung von Bands. Aber in dem Fall – diese Rock Hard-Geschichte damals – haben wir ja nicht 500€ bezahlt um dabei sein zu dürfen, sondern konnten was hinschicken und das hat dann gepasst. Also man muss halt gucken – wenn sie dabei ausgenommen werden, halte ich das für eine große Scheiße.

Carsten: Das und nichts Anderes.

Eure Labels wechselten früher in relativ kurzen Zeiträumen – jetzt seid ihr bei Massacre Records – wie fühlt ihr euch dort?
Pablo: Naja, die haben uns nach fünf Jahren immer noch wieder genommen. Die hatten ja das Recht zu sagen: „Eure nächste Scheibe wollen wir als Erste hören und wenn uns die gefällt veröffentlichen wir die.“ Das Recht haben sie ja jetzt war genommen und das spricht ja nicht unbedingt gegen sie oder gegen uns.

Carsten: Ich glaube auch, dass es bei einem anderen Label schwierig gewesen wäre, nochmal so eine Scheibe rauszubringen. Na gut, ich glaube, sie haben die Augen schon ein bisschen verdreht und dachten „Oh Gott“ und fragten sich, ob wir noch die alten Human Fortress sind…

Pablo: … und sie hatten ja auch schon bezahlt, von daher mussten sie’s nehmen… (lacht)

Carsten: … Ne, sie haben uns schon sehr, sehr viele Freiheiten gelassen und es war auch eine sehr unkomplizierte Arbeit mit den Jungs, weswegen es schon sehr gut war.

Pablo: Also sowohl zeitlich als auch künstlerisch.

Wie die Unterhosen wurden auch die Bandmitglieder ausgewechselt – wenn auch oftmals eher unfreiwillig. Wie kamt ihr mit den ständigen Veränderungen im Lineup klar?
Pablo: Das hat sich ja über einen langen Zeitraum hingezogen. Frank ist noch vor dem Wacken bei uns eingestiegen und dass Volker dann gegangen ist, haben wir dadurch kompensieren können, dass wir ja schon zwei Gitarristen hatten. Dass dann die anderen beiden Bandmitglieder während der Produktion ausgestiegen sind, war natürlich schon sehr, sehr bitter. Hätten wir nicht unser eigenes Studio gehabt, hätten wir sehr viel Kohle in den Wind geschossen und wären natürlich sehr stinkig gewesen. Der Sänger verließ uns aus gesundheitlichen Gründen, da konnte man natürlich nichts machen, der Schlagzeuger aus privaten Gründen und Dingen, die nichts mit der Band zu tun haben, aber nachdem er schon die Hälfte eingespielt hat, hat uns das auch wieder sehr zurückgeworfen.

Carsten: Ja, wir konnten dann im Prinzip wieder von Vorne anfangen.

Pablo: Und jetzt mit den neuen Leuten – da mussten wir weder Anzeigen schalten, noch ein Casting machen. Das sind alles mehr oder weniger Freunde, die wir schon ewig kannten. Das hat sich dann ganz natürlich eingefügt und deswegen sind wir jetzt auch immer noch die echten Human Fortress.

Jetzt seid ihr gerade im Studio – wo seht ihr die Vor-, aber auch die Nachteile in den eigenen vier Wänden arbeiten zu können? Ist’s vielleicht schwieriger, dort den Arsch hoch zu bekommen?
Pablo: Den Arsch hoch zu bekommen hält sich in Grenzen, das funktioniert, glaube ich, schon ganz gut. Das Problem ist eher, sich selber bremsen zu können und zu sagen, dass wir jetzt zum Abschluss kommen. Man kann einen Song auch 100 Jahre durchziehen, macht immer Irgendwas besser und verrennt sich dann halt in der Produktion und das ist die große Gefahr. Da muss man dann schon aufpassen und sagen: „Jetzt ist das Album so wie es ist und wir belassen es jetzt dabei.“ Was ich dann besser oder anders machen will, mach ich dann live…

Carsten: … oder wir bringen später dann einfach nochmal eine andere Scheibe raus (lacht)

Ihr bekamt überwiegend gute bis sehr gute Kritiken für die neue Scheibe. Bestätigt euch das darin, diese Schiene in Zukunft weiterzufahren, oder gebt ihr euch vielleicht nochmal in eine ganz andere Richtung experimentierfreudig?
Carsten: Wir fangen jetzt gerade erst an mit dem Songwriting. Ich glaube, wir haben jetzt drei, vier Ideen zusammen. Es geht schon wieder in die jetzige Richtung…

Pablo: … wobei man ja von einer Richtung eigentlich nicht sprechen kann (lacht)…

Carsten: … und wir haben halt den Vorteil, dass die Band, wie sie jetzt existiert, auch hoffentlich mal länger so zusammenbleiben wird und wir auch wirklich alle zusammen die Songs schreiben. Das war vorher halt nicht so, da hat dann Einer einen Song geschrieben, dann wieder der Nächste, dann mal wieder der Andere und dann wurde alles zusammengeschmissen. Und jetzt schreiben die Leute halt wirklich zusammen an einzelnen Songs und das funktioniert wirklich hervorragend. Das haben wir zum Ende oder während der Produktion des letzten Albums mitgekriegt, dass das so eigentlich besser funktioniert. Deswegen denke ich, dass das nächste Album auch wesentlich durchdachter und ausgegorener wird, weil wir zusammen alles besser machen.

Nach diesem Album fragen wir uns alle natürlich Eines – wann können wir euch live sehen?
Pablo: Wenn uns jemand ein gutes Angebot macht. (lacht) Diese großen Booking-Agenturen scheinen noch nicht so Bock auf uns zu haben und wir müssen jetzt erstmal beweisen, dass wir wirklich eine geile Liveband sind. Unser letzter Gig liegt jetzt ein eineinhalb Jahre zurück und das waren eher kleinere Sachen und in der neuen Besetzung hat uns noch keiner gesehen. Ich denke, wenn wir die ersten Dinger mal selbst auf die Beine gestellt haben und alle wissen, dass wir das können, dann können wir auch ein bisschen mehr machen.

Carsten: Ja. Ich denke, spätestens im Oktober wird es dann auch die ersten Gigs geben. Das ist noch nichts Festes, aber wir sind dran und wollen jetzt halt auch endlich live spielen.

Pablo: Der echte Grund, warum wir Sonntags im Studio sind ist eigentlich auch, weil wir nicht geprobt haben (lacht).

Was steht denn in Zukunft sonst noch auf dem Plan?
Pablo: Wir haben unsere Band-Shirts jetzt endlich fertig! In knapp 10 Jahren gibt’s jetzt endlich T-Shirts und Girli-Shirts, das ist schon ein großer Schritt. Meine Frau hat gleich zwei bestellt, ganz stolz, dass sie jetzt endlich mit der Band ihres Mannes rumlaufen kann. Außerdem haben wir bereits angefangen am nächsten Album rumzuschrauben. Diverse Songideen stehen schon und es wird – ich denke, das kann man schon sagen – ein Konzeptalbum, die grobe Story steht auch schon. Wir lassen uns dieses Mal nicht mehr so viel Zeit und sind wirklich schon schwer am Ackern dafür, damit hier auch richtig was geht.

Zwei von euch haben ja jetzt-Vertrag mit Schecter Guitars. Darf man irgendwann in der Zukunft mit Signature-Modellen rechnen?
Carsten: Boah, wär das geil! (lacht) Das wär toll, aber da haben wir noch nicht drüber gesprochen, mal gucken!

Wir haben gerade ein bisschen von der Familie gesprochen – wie geht ihr mit dem Spagat zwischen Human Fortress und eurem Privatleben um?
Pablo: Das geht ja bei einer Band noch. Also wär ich Unternehmensberater, dann wär das die Hölle. Ich hatte früher einen Job, in dem ich nur am Wochenende zu Hause war. Den hab ich aufgegeben, auch wenn ich jetzt nur die Hälfte des Geldes verdiene, aber ich kann jetzt drei Mal die Woche proben. Was will man mehr? Das passt.

Carsten: Sogar die Anderen proben jetzt drei Mal die Woche… Das war auch schon anders gewesen (lacht).

Pablo: Ich spreche immer für alle anderen, weil ich ja die meisten Kinder habe – das geht! Ob ich nun im Proberaum bin oder irgendwo in Zürich oder Stuttgart. Also Eltern zu werden hat da nicht mit irgendeinem Verlust zu tun, das ist gar kein Thema. Die Band gab es auch schon bevor ich meine Frau kennen gelernt habe und das weiß sie auch.

Entspannen wir uns zum Schluss noch ein bisschen und machen eine Runde Brainstorming – was rattert euch bei diesen Begriffen durch den Kopf:

Große Koalition: Kompromiss
Sommer: Die Tage werden länger, die Röcke kürzer
Oettinger Export: Ist nur kalt gut und wenn man schon betrunken ist. Man sollte das wirklich nicht als Erstes trinken (lacht)
DSDS: Zeitverschwendung – da könnten wir jetzt natürlich 10 Minuten drüber quatschen, aber das wärs nicht wert
Obama oder Clinton: das sollen die selbst regeln. (lachen beide) „Nicht mein Job“, das sagen die auch immer, die Amis.
Metal1.info: Ja, besser als Metal2 oder Metal500, was? (lachen beide)

Es war toll, dass ihr euch die Zeit am Telefon mit mir rumgeschlagen habt. Viel Glück weiterhin, vielleicht sieht man sich ja mal auf Tour. Das letzte Wort habt selbstverständlich ihr.
Carsten: Ja, war auf jeden Fall sehr geil, war lustig und wir geben uns Mühe auf Tour zu gehen!

Pablo: Vielen Dank an alle, die Stange gehalten haben und trotzdem die CD gekauft haben, obwohl wir nicht so klingen wie früher!

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