Interview mit Katharina Hartwig und Andi Rohde von Metal Workouts

Auf YouTube gibt es Massen an Fitness-Kanälen und -Videos. Diesen mangelt es oft nicht nur an ausreichenden Erklärungen und der Vermittlung von Hintergrundwissen, sondern vor allem an – für Metalheads – guter Musik. Einen Fitness- und Kraftsport-Kanal mit Metal gab es bisher nicht und genau da setzt METAL WORKOUTS an. Andi Rohde (Sportwissenschaftler und Profidrummer) und Kathi Hartwig (Physiotherapeutin und Ernährungsberaterin) haben es sich mit ihrem neuen YouTube-Kanal zum Ziel gesetzt, sowohl Newcomer als auch Experten anzusprechen und zusätzlich theoretisches Wissen zu vermitteln. Dabei kommt dem Metal immer eine besondere Stellung zu: Kathi und Andi sind selbst leidenschaftliche Metaller und wählen die musikalische Untermalung der Videos liebevoll aus. Wir sprechen mit den beiden über die Idee und die Entstehung des Kanals, die mitreißende und antreibende Wirkung von Metal und warum ein fitter und kräftiger Körper für Metaller wichtig ist.Metal Workouts Logo

 

Wie kamt ihr ursprünglich auf die Idee, den Kanal zu gründen?
Andi: Wie so viele Erfindungen war es erstmal etwas, das wir selbst vermisst haben. Wir machen gern zusammen Sport und nutzen dafür manchmal auch YouTube-Workouts. Aber wir waren immer genervt von der Musik, haben den Ton abgedreht und unseren eigenen Soundtrack aufgelegt. Aber dann hört man ja Anweisungen, Timer usw. nicht mehr. Also haben wir gedacht: Metal hat so eine große Fangemeinde und ist perfekt für Kraft-Workouts. Es müsste doch sowas wie „Metal Workouts“ geben … gab es nicht … also haben wir das selbst gemacht – jetzt gibt es das!

Für uns war es einfach eine ganz logische Sache, die eine Nische füllt. Da es aber bisher noch keiner gemacht hat, haben wir das übernommen. Zudem wollten wir auch mit ein paar Fitness-Mythen aufräumen, da viele in ihren Videos reißerische Versprechen machen, die nicht haltbar sind. Denn viele Fitness-YouTuber haben im Gegensatz zu uns leider keine entsprechende Ausbildung. Da wollten wir einen Gegenpol bilden und fundierte Workouts und Theorie-Videos anbieten.

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Es gibt ja z.B. „Metal Yoga“ von EMP, bietet mit Yoga aber andere Inhalte. Wollt ihr euch mit „Metal Workouts“ komplett auf körperliche Fitness und Kraftsport konzentrieren?
Kathi: Wir bleiben bei unserer Expertise. Das ist ja auch die Grundidee: Dass wir fundiert arbeiten. Wir machen gern Yoga, aber keiner von uns beiden hat eine Yoga-Lehrer-Ausbildung. Krafttraining und die Theorie dahinter ist schon ein riesiger Bereich, in dem wir auf unserem Kanal auch durch verschiedenste Workouts viel Variation anbieten. Und in den Tutorials sprechen wir sehr unterschiedliche Bereiche an. Noch mehr wird dann unübersichtlich. Die Leute sollen wissen, was sie bei uns bekommen: Flexible, anspruchsvolle Kraft-Workouts und Theorie-Videos mit praktischen Tipps, die wissenschaftlich fundiert sind. Yoga überlassen wir den Yoga-Experten.

Andi: Und ganz ehrlich … man kann auch nicht alles „vermeddln“. Metal-Yoga klingt für mich auch wie Metal-Meditation, das kann ja gar nicht gehen. Wer Metal-Fans Yoga vermitteln will, hat definitiv unsere Unterstützung, aber ein großer Aspekt des Yoga ist die Kontemplation, es ist ja eine Meditationsform! Und dann muss man die auch angemessen machen. Metal und Yoga ist also eine weniger passende Kombination als Metal und Krafttraining, was für uns schon fast eine zwingende Vereinigung ist!

Metal Workouts

Eure berufliche Fachkenntnis hebt euch auf jeden Fall von anderen YouTubern ab. Erzählt gerne von eurer Ausbildung und eurem beruflichen Hintergrund und wie ihr den Kanal dadurch für die Zuschauer anspruchsvoll und hilfreich gestalten könnt.
Kathi: Ich habe ein duales Studium der Physiotherapie absolviert und einen „Bachelor of Science“, dazu diverse Fortbildungen. Dadurch habe ich ziemlich gute anatomische und physiologische Kenntnisse. Das heißt, ich verstehe, welche Übung wofür wirklich gut ist und was auch schädlich sein kann. Außerdem weiß ich, welche Muskeln im Training oft vergessen werden und daher zu sogenannten „Dysbalancen“ führen. Dementsprechend passen wir die Workouts an.

Und noch wichtiger: Dadurch, dass ich jeden Tag Patienten aus allen Altersklassen sehe, vor allem natürlich ältere Menschen, weiß ich einfach, was die typischen Probleme später im Leben sind und wie man denen vorbeugen kann. Das heißt, unsere Workouts sind tatsächlich auch eine Art Prävention. Dass man damit die Festivalfigur aufhübschen kann, ist natürlich ein willkommener Nebeneffekt … und da ich meinen Patienten ja sehr oft Übungen zeige, kenne ich die typischen Fehler. Auf dieser Grundlage wissen wir sehr genau, welche Übungen wir in Anfänger-Videos besser nicht zeigen, oder wo wir zusätzliche Hinweise zur Ausführung einbringen müssen.

Außerdem war Trainingslehre natürlich ein großer Teil meines Studiums, sodass ich weiß, wie man seine Übungen am besten staffelt. Kürzlich habe ich noch ein zusätzliches Studium zur Ernährungsberaterin absolviert. Denn das Thema Abnehmen ist ja nicht nur fürs Aussehen, sondern für die generelle Gesundheit und Prävention entscheidend. Und so war es mir wichtig, diese zwei Säulen der Gesundheit abdecken zu können und in unseren Theorie-Videos wird es auch immer wieder um Ernährung gehen. Die dritte Säule ist die der Verhaltensänderung, damit hat Andi sich sehr intensiv auseinandergesetzt.

Andi: Das stimmt! Da ich viel Unterricht und Workshops zum Schlagzeugspiel gebe, habe ich mich sehr viel mit dem Thema gute Angewohnheiten und persönlicher Weiterentwicklung beschäftigt. Denn es reicht ja nicht, meinen Schülern zu zeigen, was sie machen sollen. Ich muss ihnen auch die Werkzeuge an die Hand geben, wie sie sich selbst motivieren, regelmäßig zu üben, um voranzukommen. Also Hilfe zur Selbsthilfe.

Inzwischen gebe ich sogar Workshops nur zu diesen Themen und habe auf meinem eigenen YouTube-Kanal auch sehr viel dazu gemacht. Ursprünglich habe ich Bewegungswissenschaft und Biologie in Hamburg studiert, habe währenddessen als Profi-Drummer gearbeitet, dann relativ viel Unterricht gegeben, ein paar Lehrbücher geschrieben und ein weiteres Studium zur Musikvermittlung absolviert.

So ergänzen wir uns: Natürlich habe ich in meinem Studium viel über Physiologie, Medizin, Trainingslehre und so weiter gelernt, aber Kathi praktiziert das tagtäglich. Ich hingegen befasse mich ständig mit Vermittlungsmethoden, Verhaltensänderung und effektivem Lernen.

Kathi: Und du hast unglaublich viel Erfahrung mit verschiedenen Sportarten!

Andi: Stimmt – In meinem Studium war ein großer Schwerpunkt auf der Vermittlung, man musste also in der Lage sein, sich in viele Disziplinen einzufühlen. Also haben wir unglaublich viel gelernt: Volleyball, Langlaufen, Schwimmen, Kugelstoßen, Inline-Skating, Speerwerfen, Basketball, Tanzen … die ganze Bandbreite! Und in meiner Freizeit habe ich auch immer verschiedenste Sachen gemacht und mache sie bis heute: Klettern, Reiten, Skate- und Snowboarden … Ich finde es sehr wichtig, eine Sportart zu finden, die einem Spaß macht, damit man sie auch langfristig durchhält … aber mir macht halt so vieles Spaß! (lacht)

Metal Workouts Katharina HartwigWollt ihr mit dem Kanal vorwiegend Metaller ansprechen, die eh schon sportinteressiert sind, oder seid ihr generell auch bestrebt, Sport und Fitness Anfängern und Neueinsteigern näherzubringen?
Kathi: Auf unserem Kanal sind Alle willkommen. Denn zum einen kann man die Schwierigkeit unserer Workouts skalieren: Wir bieten Übungs-Alternativen an und durch verschiedene Gewichte kann es jeder an sein Fitness-Niveau anpassen.
Und zum anderen haben wir unsere Videos in zwei Gruppen eingeteilt: „Newcomer“ für die Sport-Neulinge oder Wiedereinsteiger und „Headliner“ für die Fortgeschrittenen. Und wer noch mehr will, kann das Gewicht ja erhöhen.

Und selbst, wer komplett neu im Kraftsport ist, wird von uns an die Hand genommen, denn wir zeigen alle Übungen sehr deutlich, geben Tipps zur Ausführung und im „Backstage“ gibt es einige Theorie-Videos zu den Grundlagen, sodass man auf unserem Kanal alles findet, um eigenständig fit zu werden und zu bleiben. Das heißt, gerade als Anfänger*in ist man bei uns genau richtig und wer schon mehr kann, überspringt die Newcomer-Videos einfach.

Wie wichtig ist es, neben dem reinen „Nachmachen“ der Übungen auch theoretisches Wissen darüber aufzubauen?
Andi: Sehr gute Frage! Das Wissen darüber, wie Lernen neurophysiologisch funktioniert, erhöht tatsächlich nachweislich den Lernerfolg! Beim Sport ist das ähnlich: Ein Grundwissen über Trainingslehre und Physiologie schafft ein Gefühl der Kontrolle und Selbstwirksamkeit, das motiviert einen weiter. Man wird mutiger, weil man seinen Fortschritt selbst in die Hand nehmen kann, man versteht, was man da tut und kann es selbst anpassen.

Kathi: Ich sehe das außerdem bei meinen Patienten: Wenn man begriffen hat, wofür eine Übung gut ist, was sie tatsächlich bewirkt, dann ist man eher bereit sie zu machen.
Und: Es ist ja auch unser großes Anliegen, unsere Zuschauer möglichst selbstständig zu machen! Sie sollen ja gar nicht abhängig von unseren Videos sein! Am besten wäre es, wenn sie sich ein paar Infos aus unseren „Backstage“-Videos holen oder selbst mal ein Buch zur Trainingslehre lesen, sich einen eigenen Plan machen und hin und wieder unsere Workouts dafür nutzen.

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Was würdet ihr Anfängern raten, die mit der Schnelligkeit oder Intensität der gezeigten Übungen noch nicht ganz klar kommen? Hierbei muss man sicher auch gut aufpassen, sich selbst nicht zu überfordern, um nicht direkt die Motivation zu verlieren oder sich gar zu verletzen.
Kathi: Eine unserer Grundideen ist ja, dass die Workouts nicht zu schwer sind. Viele Fitness-Influencer sind so gut trainiert, dass die völlig den Kontakt dazu verloren haben, was eine Anfängerin schaffen kann. Unsere „Newcomer“-Videos sind wirklich gut schaffbar. Und wir sagen auch immer: Schaut ruhig erstmal zu und tastet euch langsam ran. Wir haben ja auch dafür gesorgt, dass die Workouts flexibel sind. Das heißt, man kann die Schwierigkeit durch das Gewicht anpassen und sehr oft bieten wir auch Übungs-Alternativen an.

Aber natürlich darf und soll Sport auch schwer sein. Man muss sich schon ein gutes Stück aus der Komfortzone begeben, um den Trainingseffekt zu haben. Also würde ich sagen: Probiert es aus, geht soweit, wie ihr es noch schafft und steigert euch, bis ihr ganz durch ein Workout durchkommt. Unsere Zuschauer sollen ja durch die Videos wachsen! Wir haben uns ja bewusst für das Medium YouTube-Videos entschieden. Das kann die Tipps und die Motivation von einem Trainer oder anderen, erfahrenen Sportlern nie ersetzen. Wir setzen also auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative und Körpergefühl voraus, helfen aber gleichzeitig mit vielen praktischen Tipps.

Andi: Und Menschen sind verschieden. Es passt nie für alle. Wenn man mal eine Übung überspringt, ist das völlig okay. Bei manchen Workouts von uns musste ich auch ganz schön kämpfen, weil mir meine geringe Beweglichkeit hier klare Grenzen aufzeigt …. aber ich arbeite daran.

Und genauso in unseren Theorie-Videos: Das sind allgemeine Tipps. Mit Vorerkrankungen oder Stoffwechselstörungen sollte man sich definitiv eine persönliche Beratung holen. Ein Restrisiko ist immer da, aber wir haben unzählige Stunden darüber diskutiert, wie wir die Workouts so inklusiv, flexibel und gleichzeitig praktikabel wie möglich machen können und glauben, dass wir hier eine große Zahl von Leuten einschließen können.

Metal Workouts Andi RohdeAndi, für dich als Schlagzeuger ist Fitness sicher sowieso ein wichtiges Thema. Wie bereitest du dich auf Gigs vor und wie hältst du dich während Touren fit?
Andi: Das stimmt! Aber ich habe keine spezielle Tournee-Vorbereitung. Da geht es vor allem darum, die Songs perfekt einzuüben. Ich führe insgesamt einen sehr gesunden Lebensstil und nicht erst vor oder auf einer Tournee. Bewegung bekomme ich als Drummer und durch das Ein- und Ausladen etc. ja eh genug, da geht es dann eher darum, genügend Schlaf zu bekommen, was auf Tour nicht immer leicht ist.

Und das beste Training fürs Schlagzeug ist immer noch … Schlagzeug spielen! Aber natürlich mache ich auch gezielte Übungen, die mich sehr unterstützen, um auch drei, vier oder fünf Stunden am Tag am Drumset sitzen zu können. Und vor allem hilft mir eine generelle Fitness und gesunde Ernährung, die Belastungen des Tourens zu puffern. Ich bin nach Gigs also einfach schnell wieder fit, um meinen Job, den ich so liebe, weitermachen zu können.

Mit Ernährung hast du ein ganz wichtiges Stichwort genannt. Habt ihr selbst für euch bestimmte Ernährungspläne und Tipps für Sport-Anfänger, worauf sie hier achten sollten?
Kathi: „Esst mehr Gemüse!“ (lacht) Nein, im Ernst: Das Thema Ernährung ist noch individueller als Sport. Da kann man wenige allgemeingültige Tipps geben. Das schöne ist aber: Die wenigen Tipps, die man geben kann, wirken oft schon Wunder: Ersetzt ungesunde Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, Zucker, rotes Fleisch und ungesunde Fette durch gesunde Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und gesunde Fette. Klingt zwar erstmal langweilig, aber das ist schon die halbe Miete. Die große Frage, ob man Protein supplementieren sollte, haben wir natürlich auch in einem Theorie-Video beantwortet.

Andi: Und wir leben natürlich nicht strikt nach einem Plan, aber wir haben schon eine Menge gemacht: Ernährungstagebuch geführt, Blutwerte messen lassen, Pläne geschrieben und so weiter. Und dadurch, dass wir uns beide intensiv mit dem Thema beschäftigt haben und jetzt wissen, was wir essen können, sollen und wollen, haben wir eine sehr gute Grundlage, auf der wir dann relativ intuitiv kochen und essen.

Metalheads, die sich Sport- und Fitnessvideos ansehen wollen, müssen oft mit nerviger Electro- und Hip-Hop-Musik leben, wie ihr eingangs schon erwähnt habt. Wie wichtig ist es, zum Sport Musik zu hören, die einem selbst gefällt?
Kathi: Oh, sehr wichtig Es macht einen entscheidenden Teil der Motivation aus. Musik hat die Stärke, dich zu motivieren, den Arsch hochzukriegen, wenn du es sonst nicht geschafft hättest. Das gleiche gilt dafür, zu kämpfen und die letzten Wiederholungen auch noch durchzuziehen.

Andi: Und überlegt mal, wie viel Lust du hast, ins Fitnessstudio zu gehen, wenn du eine Trainings-Montage aus einem Rocky-Film siehst … wie viel geringer wäre dieser Effekt ohne die passende Musik? Es ging uns ja nicht darum, nur einen Kanal mit Metal-Image hochzuziehen, sondern wir wollten die Musik bewusst nutzen, um unsere Zuschauer zu motivieren, länger durchzuhalten und mehr Spaß am Training zu haben.

Abgesehen vom Sport: Welchen Stellenwert nehmen Rock und Metal in eurem Leben ein, was bedeutet euch die Musik?
Kathi: Die Musik bedeutet uns unheimlich viel, begleitet uns als Soundtrack bei so vielem, motiviert uns selbst und ist bei Andi ja sogar zum Teil zum Beruf geworden. Es gehört bei uns beiden zur Identität. Wir sind in unseren Videos ja nicht „verkleidet“ und tragen Shirts von Bands, die wir nicht kennen, sondern das sind wirklich wir. Wir fühlen uns beide seit Langem in der Szene zu Hause, ein großer Teil unseres Freundeskreises sind Metalheads, wir fahren gemeinsam auf Festivals und spüren in der Szene auch einfach ein großes Gefühl der Authentizität und Akzeptanz.

Metal WorkoutsWie wählt ihr die Musik für eure Videos aus? Wählt ihr aus einem Pool an Songs eurer Lieblingsbands oder achtet ihr auch darauf, dass die Tracks in irgendeiner Form zum Workout passen, falls das überhaupt möglich ist?
Andi: Es nervt mich immer, dass alle das nur auf den Beat reduzieren. Wir sind hier ja nicht beim Step-Aerobic! Es steckt doch noch so viel mehr dahinter. Das Tempo ist nicht immer das Wichtigste. Selbst mich als Drummer stört es nicht, wenn der Beat nicht zu meiner Bewegung passt, solange die Energie des Songs zum Workout passt. Das ist viel wichtiger! Allein schon, weil jeder aufgrund der persönlichen Körpermaße die Bewegungen ja unterschiedlich schnell ausführt und wir auch niemanden verleiten wollen, die Übungen zu schnell und unpräzise zu machen.

Wir machen ja vor allem Kräftigungsübungen, die sind selten schnell: Planking, Bizeps Curls oder Kniebeugen. Aber bei schnelleren Übungen suchen wir tatsächlich schon nach dem richtigen Tempo. Und das kann dann auch mal ein paar Tage dauern! Denn schließlich ist die Musik die Ausgangsidee des ganzen Kanals, also legen wir sehr großen Wert darauf, diskutieren, testen, tauschen Songs, machen dann unser eigenes Workout nochmal komplett durch, um zu überprüfen, dass der Flow der Musik auch ideal zum Flow des Workouts passt. Natürlich bleibt es nicht aus, dass man viel Musik der eigenen Lieblingsbands nimmt, aus dem einfachen Grund, dass man sie einfach am besten kennt und daher weiß, was passt. Daher spiegeln die Videos zum Teil unseren Musikgeschmack wider.

Kathi: Wobei das natürlich unser Geschmack für Workouts ist. Also das, was uns beim Sport motiviert. Denn es gibt einfach Bands und Sub-Genres, die sich für unsere Videos perfekt eignen. Natürlich wollen wir auch Diversität reinbringen und diskutieren immer wieder darüber, welche Bands oder Genres unterrepräsentiert sind. Aber das Angebot ist so unfassbar riesig. Da hilft uns eine Sache: Wir featuren ja unheimlich gerne Newcomer-Bands. Aus der Community kommen viele Vorschläge und wir sind dankbar für die vielen Mails von Bands, die sich direkt bei uns melden. So kommen wir immer wieder auf neue Musik!

Beim Rockharz sind mir mehrere Besucher aufgefallen, die in ihren Camps Yoga-Übungen gemacht haben. Das ist mir so vor Corona so noch nicht auf Festivals begegnet. Denkt ihr, die Pandemie hat da auch bei manchen Metallern zu einem Umdenken bei gesundheitsbezogenen Themen geführt?
Andi: Corona und die Lockdowns haben uns alle gezwungen, neue Wege zu erdenken und zu beschreiten und mehr Eigeninitiative zu zeigen. Auch wegen der psychischen Belastung ist das Thema Selbstfürsorge zum Glück ja nun in aller Munde und sowohl Yoga, als auch Krafttraining haben sehr positive Auswirkungen auf die Gesundheit und vor allem auch das mentale Wohlbefinden. Schön, dass Fitness und Yoga ihr Image von „Hausfrauen-Aerobic“ und Esoterik abgelegt haben und viele Metalheads erleben, wie viel Gutes es im Leben bewirken kann. Und wenn wir mit unserem Kanal einigen Leuten auf diesen Weg helfen können, freuen wir uns sehr.

Bei Wacken und Summer Breeze gibt es „Metal Yoga“, also Yoga-Stunden mit Anleitung. Was haltet ihr davon?
Andi: Wenn so etwas dafür sorgt, dass sich jemand mit dem Thema befasst und in Bewegung kommt, ist das großartig! Und wie gesagt, Yoga an sich ist eine tolle Sache. Mitgemacht haben wir so etwas auf einem Festival persönlich noch nicht und wollen das deshalb auch gar nicht beurteilen. Wir können uns vorstellen, dass ein richtiges Metal-Yoga-Konzept etwas unheimlich Cooles sein kann!

Allerdings: Was wir bisher online mal gesehen haben, war leider mehr Entertainment, wenn man mal für eine Yoga-Einheit aus Spaß „Metaller“ spielt und statt der Hand die Pommesgabel nach vorn streckt… das ist dann wirklich albern und da fühlt man sich als Metal-Fan auch nicht wirklich ernst genommen. Wir wollen ein echtes Workout-Konzept für echte Metalheads erstellen – das ist für uns keine Show, dafür respektieren wir die Musik, die Szene und unsere Zuschauer viel zu sehr! Das zeigt sich schon daran, dass wir an dem Kanal für eineinhalb Jahre gearbeitet haben, bis wir online gegangen sind: Die Workouts erstellen, testen und optimieren, drehen, schneiden und dann penibel den perfekten Soundtrack erstellen, der das Workout perfekt begleitet und die Metalheads durch das Workout trägt.

Wo wollt ihr mit dem Kanal noch hin, was sind eure langfristigen Ziele? Wie du erzählst, steckt ihr da ja wirklich viel Arbeit rein, da habt ihr mit „Metal Workouts“ also sicher auch finanzielle Ziele?
Kathi: Mich nervt es immer, dass man Influencern böse Absichten unterstellt, wenn sie Geld verdienen wollen und sie kritisiert werden, wenn sie Produkte präsentieren. Profi-Sportler sind von oben bis unten mit Werbung zugepflastert und da stört das keinen … Wir haben eine echte Vision: Wir wollen die Metal-Szene fitter und gesünder machen, gleichzeitig Newcomer fördern und einen Gegenentwurf zu Fitness-Influencern bieten, die unrealistische Versprechungen machen, Leuten falsche Vorstellungen machen, was sie können sollen und sogar Unwahrheiten verbreiten. Aber diese Vision können wir nur verwirklichen, wenn wir unsere Miete bezahlen können. Denn bisher machen wir das komplett in unserer Freizeit! Und das seit fast zwei Jahren!

Viele denken ja, dass es reicht, drei YouTube-Videos hochzuladen und man kann sich eine Villa leisten. Es ist verdammt viel Arbeit, Zeit, Leidenschaft …. und Schweiß in diesem Fall! Das ist ein richtiges Start-Up und das braucht natürlich auch Geld: Wir müssen die Location mieten, Kamera- und Licht-Equipment haben, jemanden hinter der Kamera und vor allem auch erstmal die freie Zeit, das Material zu schneiden. Wir würden das ja nicht machen, wenn wir nicht das Potenzial darin sehen würden. Wir träumen davon, DIE Fitness-„Marke“ für Metalheads zu werden! Aber um das auf dem Niveau weitermachen zu können, braucht man natürlich professionelle Partner.

Andi: Das ist wie mit einer Band: Du machst es aus Leidenschaft, du reißt dir den Arsch auf, investierst tausende Euro in die erste Albumproduktion, läufst selber rum und verteilst Flyer, weil du daran glaubst! Aber du wirst es nur weiter machen, wenn du irgendwann angemessen entlohnt wirst. So wie man etwas aus Leidenschaft studiert, aber natürlich erwartet, dass man später dafür dann bezahlt wird. Das hat nichts mit Kommerz zu tun, sondern einfach damit, dass wir weitermachen wollen!

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