Interview mit Ville Seponpoika Sorvali von Moonsorrow

Mit „Tulimyrsky“ habe die finnischen Epik-Experten MOONSORROW eine EP rausgehauen, die so manches Album in den Schatten stellt. Bereits zum dritten Mal kam es zum heiteren Klatsch zwischen der Band und metal1.info – diesmal erneut mit Ville Sorvali über die EP, Produktivität und falsche Anschuldigungen.

English Original…

Moikka, Ville!!! Danke, dass du dir die Zeit für diese Interview nimmst. Kuinka voit?
Hallo! Mir geht’s gut, draußen ist gutes Wetter und ich hatte gerade eine Tasse Kaffee und eine Zigarette. Ich war auch positiv von meiner Kreditkartenrechnung von der Europatour überrascht, da die nicht so lang war wie ich dachte.

Es wird hier in Hamburg wärmer und wärmer. Ist der Frühling schon in Finnland angekommen?
Immerhin versucht er sein Bestes. Wir hatten schon ein, zwei richtig warme Tage und haben sie genutzt, um draußen Bier zu trinken.

Schon das dritte Moonsorrow/metal1.info-Interview – vielleicht der Beginn einer Tradition. Erinnerst du dich noch an das letzte im Dezember 2006? Es ging unter anderem um euer letztes Album „Viides Luku – Hävitetty“, die Pagan-Szene und die Kombination Mitja + Feuerlöscher.
Sicher, ich erinnere mich daran. Wie immer ein Spaß, das zu beantworten.

Was ist seitdem bei, mit und um Moonsorrow herum geschehen?
Ziemlich viel, wir sind 2007 viel getourt, Anfang 2008 eine neue EP und eine weitere Europatour im April. Von 2007 haben wir alles in allem ziemlich gute Erinnerungen.

Die „Tulimyrsky“-EP ist fast eine ganze Stunde lang – die meisten Bands schaffen das nichtmal mit einem normalen Album. Wie kommt es, dass ihr so ungemein produktiv seid?
Ich weiß nicht, ob wir ungemein produktiv sind, nur weil wir lange Lieder schreiben. Wir wollten nur keinen halben Kram machen, sondern haben uns entschieden, den Fans mit einer überlangen EP etwas zu geben, das ihr Geld wert ist. :)

Warum habt ihr eine Schnee/Eislandlandschaft für das Cover gewählt, obwohl „Tulimysrky“ eigentlich „Feuersturm“ bedeutet?
Nun, das ist nur das Frontcover. Wir wollten das so machen, damit es den Hörer auf den ersten Blick täuscht und den eigentlichen Feuersturm nur enthüllt, wenn du das ganze Booklet aufmachst.

Was ist die Geschichte von „Tulimyrsky“?
Kurz gefasst ist es eine Fortsetzung der Geschichte von „Voimasta ja kunniasta“, wo das Dorf der Hauptfigur von Leuten aus einem anderen Dorf zerstört wird. Damals wirden sie vom Bruder der Hauptfigur betrogen, und nun kommen sie zurück, um Vergeltung zu üben. Sie wollen eigentlich den Betrüger aus dem anderen Dorf finden, aber da der schon tot ist, können sie ihn nicht finden und es endet damit, dass sie das ganze Dorf niederbrennen und mit den Reichtümern heimkehren.

„Tulimysrky“ ist ja quasi ein Querschnitt durch eure komplette Diskographie. Besonders der Mittelteil hebt sich mit den fröhlichen Melodien stark von euren letzten beiden Werken ab. Hat sich das einfach so entwickelt oder ist das eine bewusste Kombination aus Rückbesinnung und Weiterentwicklung?
Wir wollten einfach einen Song machen, der in die Geschichte passt, und wir dachten nicht über irgendwelche musikalischen Einschränkungen oder Richtlinien nach. Es stimmt, dass er viele Elemente unserer vergangenen Werke enthält, aber das kam ganz selbstverständlich, als wir anfingen, das Lied zu schreiben. Es enthält auch Elemente, die wir noch nie benutzt haben, wie die sehr progressiven Teile in der Mitte, oder den Einsatz eines Erzählers.

Was hat euch dazu bewogen, genau diese beiden Lieder – „For whom the Bell tolls“ und „Back to North“ – zu covern? Haben die Lieder eine besondere Bedeutung für euch als Musiker?
Metallica und Merciless waren beide auf ihre eigene Weise große Einflüsse für uns, und wir wollten ihnen Tribut zollen, indem wir unsere eigenen Interpretationen ihrer Lieder machen. Wir hätten auch andere Bands wählen können, aber diese beiden Lieder schienen am besten zu unserem Arrangement-Stil zu passen.

Inoffiziell habt ihr den Status als „Erben Bathorys“ inne, deswegen hätte eine Coverversion von einen von Quorthons Klassikern nahegelegen. Kam das für euch in Frage?
Nein, und einfach darum. Ein Bathory-Cover von Moonsorrow würde zu sehr wie das Original klingen, und es ist sinnlos, ein Cover zu machen, wenn du ihm nicht deinen eigenen Drall geben kannst.

Schon die Songs auf „Verisäkeet“ waren alle um die 15 Minuten lang, auf der „Hävitetty“ wurde die halbe Stunde erreicht und auch „Tulimyrski“ ist wieder fast 30 Minuten lang. Wie schreibt man solche Lieder? Unterscheidet sich der Prozess des Songwritings bei solchen Epen von dem bei kürzeren Lieder, wie es sie noch auf der „Voimasta ja Kunniasta“ gab?
Wir nehmen es uns nicht besonders vor, lange Lieder zu schreiben, es ist einfach so passiert, dass zuletzt unser ganzes Material am Ende so aussah. Ich denke, unser Songwritingprozess ist eh immer recht ähnlich. Henri nimmt zu Hause etwas auf, das auf seinen Ideen (und manchmal den Ideen anderer) basiert und schickt uns während des Vorgangs Demos zum Kommentieren zu. Wenn wir alle zufrieden sind, gehen wir in den Probenraum, um den Liedern den letzten Schliff zu verpassen.

Habt ihr einen von euren überlangen Songs live eigentlich schonmal so richtig versaut?
Wir haben live schon so einiges versaut, nicht nur die langen Songs. ;)

Henri hat mit Finntroll eine Zweitband, die mordsmäßig viel unterwegs ist, nun ist er aber mit euch auf Tour. Wie gut lassen sich die beiden Bands für ihn vereinbaren?
Eigentlich tourt er gar nicht so viel, weder mit Finntroll noch mit Moonsorrow. Dieses Mal hat er sich einfach entschieden, mit uns auf Tour zu gehen (weil er von der Arbeit frei bekommen hat), und es hat Spaß gemacht. Aber normalerweise gibt es für ihn sowohl bei Moonsorrow als auch bei Finntroll einen Ersatzmann, der die Liveshows macht. Er macht nur die Musik.

Ich weiß, es ist ein leidiges und oft besprochenes Thema, aber gerade vor ein paar Tagen wurdet ihr in einem äußerst fragwürdigen Artikel als Faschismus-Sympathisanten diffamiert (ein klärendes Statement habt ihr bereits veröffentlich). Habt ihr in eurer Heimat auch schon Erfahrung mit solchem Quatsch gemacht?
Es gab ein paar Anschuldigungen bezüglich Nazikram in Finnland, aber die Leute verstanden es normalerweise, wenn wir sagten, dass wir in keiner Weise politisch sind. Sowas wie dieser kürzliche Antifa-Scheiß ist uns noch nie passiert, und es hat uns wirklich angepisst, dass wir tatsächlich ein Statement über einige ziemlich offensichtliche Sachen abgeben mussten, um uns gegen völlig falsche Anschuldigungen zu verteidigen. Jeder, der denkt, dass Heidentum und Nazismus irgendwie was miteinander zu tun haben, ist ein einfältiger, ungebildeter Idiot.

Wie gehst du mit Bands um, die einen solchen Hintergrund haben?
Nazibands? Ich stimme ihrer Ideologie nicht zu, aber wenn sie gute Musik machen, werde ich’s mir anhören. Ich halte mich selbst für intelligent genug, die Botschaft herauszufiltern, wenn sie nicht mit meiner Weltsicht übereinstimmt.

Zurück zu einem fröhlicheren Thema. Die Geschichte von Henris Disco-Wurst und die Anekdote von Mitja und dem Feuerlöscher haben für viele Lacher gesorgt. Kannst du uns von einer neuen lustigen Begebenheit berichten?
Auf der Europatour 2007 gab es viele lustige Begebenheiten, aber die meisten davon hatten nichts mit unserer Band zu tun, sondern mit unseren Tourpartnern Swallow The Sun. Vielleicht werden wir zu alt? :) Natürlich gab es alle möglichen kleinen Details, zum Beispiel Mitjas Bad in einem spanischen Brunnen, oder als Jukka (unser Tontechniker) nach einem Festival im Flugzeug seine Hose auszog, aber nichts so erschlagendes wie die legendäre „Feuerlöscher-Episode“.

Okay, das war’s! Nun hast du die seltene Ehre, zum zweiten Mal am metal1.Wortspiel teilzunehmen. Sag‘ einfach, was dir zu diesen Sachen einfällt:

The big Lebowski: Dude.
Hollenthon: Du meinst die Band? Die hab‘ ich ehrlich gesagt noch nicht gehört.
MP3-Handys im Bus: Nicht gut, weil du sie nicht wirklich hören kannst.
Sennheiser: Qualität.
Videospiele Qualitätsunterhaltung.
The Double Worschter: Keine Ahnung, was das bedeutet, aber es klingt versaut.
metal1.info: Metal!

Ville, kiitoksia paljon für das Interview und weiterhin viel Spaß mit Moonsorrow! Hoffentlich versorgt ihr uns noch lange mit epischer Musik. Die letzten Worte gehören dir!
Danke für das Interview, und ich wünsche dir auch viel Spaß. Im Endeffekt ist es doch das, warum wir in diesem Geschäft sind!

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