Interview mit Sebastian Heldt von Neaera

Auf Kataklysms „Road To Devastation Tour“ hatten wir die Gelegenheit, vor Ort am 26. Januar in Salzburg Sebastian Heldt, Drummer des Support-Acts NEAERA zu befragen. Unser Dank gilt Metal Blade und natürlich Sebastian!

Hallo Sebastian, ein Danke für die Möglichkeit, dass ich dich hier interviewen darf.
Kein Problem.

Wie geht es dir?
Ganz ehrlich? Mittlerweile geht’s mir wieder gut, wir hatten vor dieser Tour ja schon eine Tour die nur 6 Tage lang war, aber da wurde jeden Tag mit Caliban ordentlich gebechert. Mit 4 Tagen Pause geht es mir jetzt dementsprechend. Da bin ich jetzt schon ein wenig angeschlagen in diese Tour reingegangen. Unser Sänger Benni hatte dann auch noch eine Innenohrentzündung, der hatte richtige Probleme damit wurde aber rechtzeitig zu dieser Tour wieder fit. Also wir waren alle mächtig angeschlagen.

Wie viele Tage seid ihr jetzt schon unterwegs?
Das müsste jetzt der 24. oder 25. Tag sein.

Und wie viele sind noch zu machen?
Nur noch heute und morgen.

Also den Großteil schon absolviert.
Ja genau.

Würdest du mir Werdegang von NEAERA kurz erzählen? Wie habt ihr euch kennen gelernt, was habt ihr vorher gemacht, eure musikalischen Ziele natürlich und für die Leser die euch noch nicht si gut kennen, was macht ihr genau für eine Musik?
Ja, um mal von vorne anzufangen, wir haben uns 2004 gegründet, Tobi der Gitarrist hatte davor schon eine Band die ein bisschen im Grind-Sektor unterwegs war, man kann sagen, dass die Band da mehr oder weniger daraus hervorgegangen ist. Wir haben da schon immer ein wenig herumprobiert, der einzige neue Musiker den wir hatten war der Benni, unser Sänger. Der hat einfach gesagt „Hey komm, hier, da hab‘ ich jetzt mal Bock drauf, lass mal ausprobieren.“, und so ist das dann zustande gekommen. Dann haben wir ein paar Songs geschrieben und das Glück gehabt ein cooles Konzertangebot zu kriegen, da sind wir für eine andere Band eingesprungen, da haben wir dann gute Resonanz gekriegt. Dann haben wir mal ein Demo aufgenommen und das aus Spaß verschickt – der Rest ist Geschichte, Metal Blade hat sich gemeldet und wir hatten den Vertrag. Dann ging es an die erste Platte und an die erste große Tour 2005 mit As I Lay Dying. Da haben uns viele Leute erstmal kennen gelernt, und dementsprechend kamen halt die nächsten Touren, da hatten wir Glück, dass wir mit Caliban zusammen gekommen sind. Man hat sich kennen gelernt und die hatten noch einen Platz auf der Tour frei, da waren wir dann eben mit Caliban und Heaven Shall Burn unterwegs. Wir sind da mehr oder weniger reingeschlittert.

Es ging ja sehr schnell.
Ja, es ging wirklich schnell, wir haben auch schon verhältnismäßig viele Touren gespielt in diesen zwei Jahren, das hier ist jetzt die vierte oder fünfte Tour. Zudem sind wir auch mal auf eigene Faust mit dem Bully ein wenig herum gefahren und kleine Gigs gespielt. Also erstmal möglichst viel rum kommen, zwischendurch eine Platte gemacht – jetzt schreiben wir gerade an einer neuen – ja, so sieht es aus. Und die Musikrichtung? Man kann sagen schwedischer Metal, moderne Einflüsse, Metalcore Einflüsse, einfach das, was uns selber irgendwie kickt. Da bekommt man halt dann auch mal das Gespür und merkt was live gut ankommt, wir schreiben aber auch Songs die man live gar nicht spielen kann oder sollte, weil sie zu lang sind oder zu episch. Aber Hauptsache es rockt!

Der frühere Bandname von euch war „The Ninth Gate“. Warum seid ihr auf neaera umgestiegen und ist euer Bandname mit der griechischen Mythologie assoziierbar? Eine göttliche Prostituierte?
Das ist richtig, ja. (lacht, Anm. der Redaktion) Also der Name selbst klingt schön, du kannst ihn auf unterschiedlichste Art und Weise schreiben.

Apropos schreiben, wird neaera absichtlich klein geschrieben?
Klein Geschriebenes sieht immer besser aus und macht eigentlich sehr auf wichtig. Nein im Ernst. Der Name sieht geschrieben schön aus, hat einen schönen Klang. Erstens fragen viele „Wie schreibt man das?“ und zweitens „Wie spricht man das aus?“. Was das Ganze unbeabsichtigter Weise zusätzlich noch interessant dazu macht sind ständige Fragen „Was, wie heißen die?“. Aber wir fanden den Namen passend, wir fanden ihn erst schön und dann haben wir gemerkt, dieser Name hat auch einen Hintergrund, wie gesagt das mit dieser Prostituierten aus der griechischen Mythologie. Das kannst du dann weitläufig irgendwie interpretieren, schließlich sind wir ja alle irgendwie a.) prostituiert oder, b.) unterworfen. Kann sich wohl jeder auf eine Art und Weise damit identifizieren.

Ihr habt also relativ schnell diesen Deal mit Metal Blade bekommen. Wie fühlt man sich als junge Band mit einem so großen Label im Rücken?
Ganz klar, das spürt man. Bei allem was wir machen können wir uns an andere Bands wenden und fragen „Hey wie funktioniert das?“. Da muss man das Glück haben ein Label im Hintergrund zu haben. Das sorgt dann halt für die Promotion, bei uns ist das größtenteils in Europa der Fall, weil wir ganz klar für Europa sind. Wir haben hier ein gutes Publikum und diese Musik hören hier wohl viele Leute gerne. In Amerika ist das doch noch ein wenig anders.

Wart ihr schon in Amerika?
Nein. Vielleicht irgendwann mal. Was man hört aus Amerika sind wir für ein paar Leute ganz interessant.

Ich denke wo gelesen zu haben, dass die aktuellen NEAERA und Heaven Shall Burn Platten sehr gefragt sein sollen.
Das kann sein, ich habe so was aber noch nicht gelesen. Ich muss ganz ehrlich sagen, mir persönlich ist Amerika jetzt nicht so wichtig. Ich finde es hier geil, ich weiß, dass man in Europa als Band wahrscheinlich tausendmal besser behandelt wird. Amerika hat ja auch Nightliner-Touren, was man hier gar nicht machen kann. Die kurzen Wege sind dort drüben aus Kostengründen wohl nicht gang und gäbe. Zudem hören wir von vielen Bands die aus Amerika kommen, dass die überwältigt sind, von der Gastfreundschaft und von dem, wie sie hier behandelt werden.

Zu euren Alben: „Let The Tempest Come“ und „The Rising Tide Of Oblivion“ sind zwei starke Alben wie ich finde.
Dankeschön.

Ich glaube das finden auch viele andere Leute so.
Wenn man anch den Konzerten geht – gut möglich!

Wie würdest du den Unterschied zwischen den beiden Alben beschreiben?
Also erstmal sind auf der „Rising Tide…“ viele Songs die binnen unserer Gründung entstanden sind, teilweise war da der Stefan, unser zweiter Gitarrist, noch gar nicht dabei, dabei spreche ich hier wirklich von ein paar Monaten, dann sind aber auch Songs drauf die wir zusammen in einem ausführlichen Songwriting-Prozess geschrieben haben, so sind die dann halt entstanden. Der größte Unterschied ist bestimmt der, dass wir vorher noch nicht wirklich viel aufgenommen hatten, du hast dann mehr Erfahrung was Studioarbeit anbelangt, du guckst halt wo du Zeit sparen kannst, nur so eine Kleinigkeit: die erste Platte wurde nicht mit Klick eingespielt, also keine Taktvorgabe, das hört man schon wenn man genauer hinhört. Bei der Zweiten ist das ein bisschen anders, das Album ist zwar auch sehr dynamisch, aber insgesamt hast du einfach viel mehr Erfahrung. Vom Songwriting her haben wir bei der Zweiten dort angeknüpft, wo wir mit der Ersten aufgehört haben, mal sehen wie dir Dritten wird, ob es da noch so große Unterschiede geben wird. Wir sind, glaube ich, aber mit beiden Alben alle recht zufrieden, mit dem Zweiten natürlich mehr, weil wir mehr Erfahrung und spielerisches Vermögen einbringen konnten, welches wir erst nach dem ersten Album gesammelt haben.

Wie entstehen bei euch die Songs? Gibt es da jemand Besonderes der die Songs schreibt oder alle gemeinsam oder jeder ein paar?
Ursprünglich haben wir das alles tatsächlich gemeinsam geschrieben. Da haben wir zu 5. geprobt, wir haben ja in der selben Stadt gewohnt. Benni, also der Sänger, ist dann nach Luxemburg gezogen und die Songs werden größtenteils von den beiden Gitarristen und mir geschrieben beziehungsweise die zwei machen mal ein paar Riffs dann hocken wir uns im Proberaum zusammen und ich lege mal einen Groove drunter, und dann sehen wir ob es passt. Man kann es nicht an einer Person festmachen aber auch nicht an uns drei, am ehesten sind es die beiden Gitarristen die das machen und ich meinetwegen ein ganz klein wenig.

Und die Texte kommen von Benni?
Die Texte schreibt der Stefan, der Gitarrist. Zum einen weil er das sehr gerne macht, sehr gerne poetisch unterwegs ist, zum zweiten weil er studiert und die Sprache beherrscht. Bei „The Rising Tide…“ waren die meisten Texte von Benni und bei der Zweiten fast alle von Stefan geschrieben, und es ist schon interessant, wenn bei Sing-along Songs wie „Walls Instead Of Bridges“, das sind Texte die Benni geschrieben hat, alles mitsingt, eher simpel aber direkt. Stefan hat da eher mehr Metaphern drinnen und abgefahrenes Vokabular was Englisch angeht. Da komm ich auch nicht ohne Dictionary zurecht. Hat aber beides so seine Vorteile.

Habt ihr als Band ein Problem mit dem Stempel Metalcore der oft einfach aufgedrückt wird?
Das Ding ist, du kannst dich als junge Band da gar nicht wehren, das geht nicht. Du kannst diesen Stempel so oft von dir weisen wie du willst, das ist aber sinnlos, als junge Band die Metal macht bist du Metalcore. Das haben wir für uns festgestellt, da kannst du so viele Blast Beats, Death Metal Anteil, Black Metal und was weiß ich alles verwenden. Oder unverständliches Geschrei, kannst du machen wie du willst, es nützt alles nix, du bist Metalcore. The Black Dahlia Murder sind Metalcore genau so wie Job For A Cowboy oder was weiß ich, da fallen mir tausende Namen ein. Also die ganzen jungen Metal Bands die abgefahrene Scheiße spielen, die machen Metalcore. Von daher habe ich überhaupt kein Problem mit dem Begriff selbst, das Problem ist eigentlich vielmehr die Art und Weise wie der Begriff zu Stande gekommen ist, der Begriff an sich wurde in den Dreck gezogen. Das ist sehr traurig, weil der Begriff weniger was mit der Musik zu tun hat, das ist wie du gesagt hast einfach eine Abstempelung, und das muss dir einfach scheißegal sein. Irgendwann wird der Begriff in sich aufgewertet werden, weil die Bands selbst einfach zu gute Musik machen.

Es kommt ja der nächste Trend-Begriff nach: Deathcore.
Ja, jetzt kommt…, Moment, jetzt kommt Deathcore? Ich dachte Mathcore. Also Core, Core, Core, ist egal, scheiß drauf. Into The Moat sind Mathcore.

Into The Moat sind Mathcore?
Ja, alles Technische halt. Aber mit Metalcore habe ich kein Problem mehr und da muss man sich auch nicht mehr wehren als junge Band finde ich.

Du hast es bereits angeschprochen – Benni ist nach Luxemburg gezogen – wie sieht eure Freizeit aus? Verbringt ihr viel Zeit gemeinsam oder eher nicht, weil ihr ohenhin schon genug Zeit zusammen verbringt?
Das mit dem „getrennt“ ist so eine Sache. Der Witz ist, dass ich früher mit Benni zusammen gewohnt habe, und jetzt mit unserem Bassisten Benjamin, zuvor hat Tobi mit Benjamin zusammen gewohnt, und da wir alle in einer relativ kleinen Stadt zusammen wohnen und auch so am Wochenende für Proben etc. treffen und zudem einen gemeinsamen Bekanntenkreis haben, verbringen schon viel Zeit miteinander. Die Touren sind da noch gar nicht mit eingerechnet, wenn man da noch gut ein Monat zusammen rumhängt verbringt man schon viel Zeit miteinander.

Ich frage, weil es auch Bands gibt die Privatleben und Bandgeschehen streng trennen.
Ja, ist auch verstädnlich, ist ja klar, dass jeder irgendwann mal sein Refugium braucht und sagt, dieses Wochenende wird mal nichts gemacht. Und dass man nicht immer was mit den Bandkollegen machen muss, versteht sich auch von selbst.

Welcher Auftritt war euer bisher spektakulärster? Von den Fans oder Atmosphäre?
Spektakulär waren eigentlich ziemlich viele. Interessant sind klarerweise Auftritte in Ländern, in denen du vorher noch nie warst und wo du keine Erwartungen ans Publikum hast. Vor ein paar Wochen waren wir in Moskau und in Sankt Petersburg, das war natürlich geil. Da hast du 500 Leute im Club, das Platzt aus allen Nähten, und die schreien alle Texte mit, das ist natürlich Wahnsinn. Mir fällt aber noch was ein: wir haben Estland mal gespielt. Vorletztes Jahr im Winter, kurz vor Weihnachten. Da kannte keine Sau irgendeinen unserer Songs oder Texte, geschweige denn unseren Namen. Fakt ist, und das waren immerhin 1500 Leute, dass denen das scheißegal war um was es in unseren Texten ging oder wie die Songs weiter gingen. Die wollten einfach nur Party machen. Und die haben uns behandelt, das glaubst du nicht., die haben sogar eine Pressekonferenz gemacht. Da waren dann die wichtigen Sender dort und alle voll nett.

Wie sieht es kommenden Sommer aus? Festivals, Auftritte, oder wird jetzt mal Pause gemacht?
Nein, keine Pause. Jetzt nach der Tour eine ganz kurze Verschnaufpause, der Stefan, der momentan gar nicht dabei ist, und das könnte dich auf eine andere Frage bringen, wer nämlich für ihn einspringt, der Stefan jedenfalls hat nur ein paar Gigs mitgespielt. Wir machen jetzt dann eine kurze Pause bis zum Sommer, wir müssen Songs schreiben, weil das Studio schon für Pfingsten gebucht ist. Die Platte ist annonciert für September, wir haben auch viele Festivals, das geilste ist natürlich Wacken.

Slovenien?
Ich glaube ist noch nicht bestätigt, aber ich hoffe es kommt noch. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Es sind jedenfalls noch ein paar Kracher dabei.

Wir nähern uns dem Schluss des Interviews und halte für dich das für unser Magazin bekannte Wortspiel bereit. Ich nenne einen Begriff und du sagst mir was dir spontan dazu einfällt.
Ein Wort?

Satz, Wortgruppe, wie du willst.
Ich bin mal gespannt.

Touring: Cool. Anstrengend. Entspannend. Alkohol. Mal Englisch sprechen. Ist ne geile Sache, du musst aber als Tourmensch geboren sein, es gibt sicherlich Menschen die das nicht möchten. Aber frage mich in 10 Jahren nochmal ob es mir immer noch gefällt, im Moment sind wir ja noch eher in unserer Testphase.

Groupies/Fans: Groupies nein
Fans immer gerne.

Moshpit vs. Headbangen: Beides!

Kataklysm: Coole Typen, geile Musik und immer für einen Lacher gut.

Damit bedanke ich mich bei dir und neaera und wünsche euch nur das Beste! Wie immer gehören die letzten Worte dir!
Ja auch sage danke, danke auch an alle, die das was ich hier von mir geben interessiert. Und nochmal danke an den Ali von HSB der den Stefan vertritt.

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