Interview mit Fredrik Åkesson von Opeth

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, irgendwo im zentralafrikanischen Regenwald: ein unerschrockener Metal1-Redakteur führt per Buschtrommel ein Interview mit dem neuen 6-Saiten-Kannibalen von OPETH, Fredrik Akesson. Was ist an dieser Geschichte gelogen? Vermutlich ist Fredrik kein Kannibale, aber sonst muss alles wohl der Wahrheit entsprechen, wenn man zumindest dem mir von Kollege Dennis P., der aufgrund übelster Terminschwierigkeiten meinerseits das Interview dankenswerterweise führte, Stück Audiodatei Glauben schenken muss, was aufgrund mangelnder Alternativen natürlich dringend anzuraten ist. Wie dem auch sei, während die deutsche Seite derartig ins Telefon brüllte, dass mir fast die Ohren abfielen, hörte es sich so an, als säße Schweden drei Räume weiter und hätte die Anweisung, 40 Dezibel nicht zu überschreiten. So kostete es einige Mühe, die Informationen aufzubereiten, aber alle Wege führen ja schließlich irgendwann mal nach Metal1.info.

Sanfte Schocker und harte Softies – Fredrik erklärt das Kunstverständnis im Hause OPETH

Nach dem kurzen und obligatorischen Lob für Watershed, welches nebenbei die Auszeichnung zum Album des Monats Mai 08 bei uns in Empfang nehmen konnte, steigen wir gleich in die Materie ein. Ich äußere einige Verwunderung über den Opener Coil, der ein wenig isoliert vom Rest des Albums zu stehen scheint. Nicht weniger verwunderlich ist Fredriks Erklärung: „Die Idee kam uns, als unser Schlagzeuger Martin (Axenrot, Anm. d. Red.) einmal nicht zur Probe kommen konnte. Wir spielten ein bisschen und so entstand dieser Song ganz natürlich. Im Kontext des Albums wirkt er tatsächlich wie eine Art Intro-Song, besonders mag ich den Kontrast gerade zu Song Nummer zwei, Heir Apparent.“ Hier wird ihm wohl jeder beipflichten müssen, besticht der genannte Song doch vor allem durch unglaublich harte Gitarrensounds und düstere Growls, weist auf der anderen Seite aber auch zarte, fast zerbrechliche Keyboardpassagen auf. „Kontraste waren natürlich schon immer enorm wichtig im Sound von Opeth. Ich mag es sehr, wenn diese „Schock-Momente“ auftreten, wenn der gesamte Song einfach explodiert. Daher ist Hessian Peel auch mein Lieblingslied auf Watershed. Es geht so sanft los und steigert sich zum Ende immer mehr.“ OPETH-Songs sind immer auch kleine Kunstwerke (Mikael Akerfeldt) und so konfrontiere ich Fredrik mit der Frage, ob es irgendwelche Limits für OPETH-Stücke gibt, sei es die Spielzeit, die Anzahl der genutzten Riffs oder ähnliches. Erwartungsgemäß wiegelt er ab und erklärt stattdessen, dass es in seinen Augen ein ganz natürlicher Prozess ist, dem das Songwriting unterliegt. „Der Song fängt an, es kommen Riffs und der Song endet, was dazwischen liegt, passiert quasi von selbst.“ Dass bei OPETH das „Dazwischen“ immer etwas wohlgenährter ist als bei anderen Bands, ist klar. „Ich habe den Kopf voller Ideen für neue Stücke, auf Watershed war ich aktiv ja nur bei Porcelain Heart eingebunden, aber in Zukunft möchte ich schon mehr beitragen.“

Illegal ist Scheiße!

Etwas zäher wird das Gespräch, als wir auf die Texte zu sprechen kommen. Natürlich ist es an sich klar, dass Fredrik als Gitarrist nicht so viel über die Ideen hinter den Worten weiß, da diese samt und sonders von Mikael stammen. Immerhin stimmt er mir zu, dass die Songtitel allesamt sehr interessant klingen und somit eine tiefere Analyse sicher spannend wäre, aber leider muss er bei weiterführenden Aussagen passen: „Ich weiß über die Texte eigentlich nur, dass sie recht persönlich sind diesmal und dass Mikael sich dazu entschieden hat, nicht über sie zu sprechen.“ Schade, aber warum sollte es Metal1.info auch anders ergehen als allen anderen Pressevertretern. Ein weiterer hochinteressanter Aspekt geht leider im Rauschen der Aufnahme unter und so erfahren wir an dieser Stelle noch nicht, wie viel besser OPETH noch werden kann, erwartet man doch bei jedem Album, dass es nun aber wirklich nicht mehr steigerungsfähig ist. Immerhin ist es erfreulich zu hören, dass selbst eine große Band wie OPETH noch die Vorzüge des Internets schätzen kann, so verweist Fredrik natürlich auf die vielen Vorteile wie MySpace oder Webzines, beides Sparten des Internets, die für schnelle und effektive Werbung sorgen. Weniger amüsiert ist er, als die negativen Punkte angesprochen werden: „Illegale Downloads schaden einfach und zwar jeder Band, die davon betroffen ist. Aus meiner Sicht ist das wirklich scheiße.“

Große Schuhe passen besser als zu kleine

Fredrik ist noch sehr frisch bei OPETH und allem Können, welches er zuletzt bei Arch Enemy unter Beweis stellte, zum Trotz, sind natürlich die Fußstapfen seines Vorgängers Peter Lindgren sehr groß. Fredrik sieht dies aber als Chance und gibt sich zurecht selbstbewusst: „Naja, die sind schon groß, aber in große Schuhe passt man ja auch leichter als in kleine. Ich gebe mein Bestes und solange es die Band weiter bringt, ist es ja auch ok.“ Privat passt, rein auf die Musik bezogen, Fredrik jedenfalls bestens zu seinen neuen Mitstreitern. „Es ist nicht so, dass nur Mikael völlig andere Musik als Metal hört. Ich höre mir schon auch anderes Zeug an, es ist in meinen Augen wichtig, immer neue Inspirationen zu bekommen und die kriegt man nicht, wenn man jeden Tag das Gleiche hört. Ich bin auch spieltechnisch gar nicht so sehr auf Death Metal fokussiert, ich spiele nebenbei immer etwas Hard-Rock und so ein Zeug, wie gesagt, ich versuche, mich nicht zu limitieren. Wenn es hart auf hart kommt, bin ich aber schon ein Metal-Head.“ Spielen ist ein gefundenes Stichwort, die Frage, wie man sich auf ohnehin schon sehr hohem Niveau noch verbessern kann, beschäftigt mich bereits eine ganze Weile. Leider hat Fredrik das Patentrezept nicht gerade auf Lager. „Üben, üben, üben.“ Dann sei es eine ganz natürliche Entwicklung, in etwa zu vergleichen mit dem Songwriting, irgendwann passiert es beinahe von selbst.

Deathmatch – heute ohne Sieger

Das abschließende Deathmatch muss aufgrund völlig zusammenbrechender Leitung leider abgebrochen werden, dabei hätte es mich schon interessiert, ob ein Schwede das ländliche Härjedalen dem ballermanntouristenüberlaufenen Mallorca vorzieht, ob er in Sachen Bier eher zum einheimischen Pripps Bla als zu Carlsberg greift oder ob der doppelte Worschter nicht vielleicht doch besser schmeckt als die guten Köttbullar, selbst wenn sie nicht von Ingvar Kamprads Möbelhaus kommen. Wie dem auch sei, das Gespräch mit einem sehr netten, aber etwas zurückhaltend auftretenden Zeitgenossen war für die Metal1-Redaktion eine schöne Sache und auch Fredrik scheint erfreut gewesen zu sein: „Ich habe zu danken und es tut mir echt leid, dass die Verbindung so schlecht war. Machs gut, bis zum nächsten Mal.“

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