Interview mit Per Wiberg von Opeth

Während ihrer „Ghost Reveries“-Tour hatte ich die Gelegenheit mit OPETH-Keyboarder Per Wiberg zu plaudern. Hierbei ging es um seine Position selber in der Band, um das aktuelle Album und einige Dinge mehr. Viel Spaß beim Lesen!

Nachdem die Keyboards zuvor lediglich ein Nebeninstrument bei OPETH waren, bist du fest in die Band eingestiegen und hast das Keyboard zum vollwertigen Hauptinstrument etabliert. Verrate uns doch, wie es zu dieser Lösung kam. Ohne provozieren zu wollen ging es ja vorher auch ohne.
Hehe, das kann ich schlecht sagen, da musst du die anderen Jungs wohl fragen. (lacht) Nein, ich denke, sie wollten, dass ich weiterhin mit ihnen spiele und fragten dann, ob ich nicht fest einsteigen wolle. Ich arbeite ja mit den Jungs immerhin schon mehr als zwei Jahre zusammen. Von daher denke ich, dass es keine allzu große Überraschung mehr war, dass ich weiterhin mit der Band zusammen spiele.

Denkst du, dass OPETH mit den vermehrten Keyboards einen komplett neuen Style haben, oder würdest du sagen, dass die Keys einfach nur dem Sound etwas Frisches mit auf den Weg geben?
Letzteres. Ich würde nicht sagen, dass wir uns komplett anders anhören. Ich unterstreiche damit ja nur die Gitarrenparts und versuche ein wenig mehr Würze in das Soundgewand zu bringen. Definitiv würde ich aber sagen, dass OPETH nach wie vor den gleichen Wiedererkennungswert bei der Hörerschaft hat, wie schon zuvor.

Bist du denn auch in das Songwriting-Geschehen involviert? Wenn dem so ist, beschränkt sich das auf das Keyboard oder steuerst du auch für die anderen Instrumente deine Ideen bei?
Ähem, ich versuche schon mal, dass ein oder andere Riff einzubauen. Die Keyboard-Lines schreibt Michael, aber auch hier versuche ich meine Ideen einzubringen.

Kommen wir so langsam doch dann mal zum jüngsten Werk „Ghost Reveries“ an sich. Das Konzept besteht sicherlich in den düsteren, mystischen Lyrics. Akerfeldt sagte, dass er nie zuvor solch düstere Texte schrieb. Kannst du uns verraten, was es damit auf sich hat? Steht da vielleicht etwas Spezielles hinter?
Ich würde nicht sagen, dass eine spezielle Botschaft dahinter steht. Viel mehr sind das Kurzgeschichten mit einem düsteren Vibe.

Man kann deutlich Einflüsse aus den 70ern heraushören, wie zum Beispiel bei „Atonement“. Kamen diese mit Zeit durch eigene Interessen von selbst, oder hatte hierbei vielleicht euer voriger Produzent Steve Wilson den ein oder anderen Einfluss?
Ehrlich gesagt, war „Atonement“ der einzige Song, der noch nicht fertig war, als wir ins Studio gingen. Daher ist er vielleicht etwas wie eine Jamsession, bei der wir dann einfach geschaut haben, was wir damit machen können. Der Haupteinfluss dürfte aber bei allen Bandmitgliedern liegen, da wir gerne Musik aus den 60ern oder den 70ern hören. Ich denke, dass Steve Wilson ebenfalls das Interesse in diese Ära teilt.

Wie kam es, dass Wilson die „Ghost Reveries“ nicht mehr produzierte?
Ich weiß, dass Michael ihn fragte, aber er hatte zu diesem Zeitpunkt eigene Projekte, wie das neue Porcupine Tree Album und konnte daher keine Zeit finden. Ich denke aber, dass wir gut daran taten, dass wir die Platte dieses Mal alleine produzierten. Diese Arbeit gab der Band Selbstvertrauen, was ja nie verkehrt ist.

Michael scheint das Album dieses Mal nicht im Alleingang geschrieben zu haben. In wie weit waren die anderen Leute daran beteiligt?
Grundsätzlich IST Michael der Haupt-Songwriter. Dieses Mal haben wir uns allerdings vor dem Studiogang noch einmal alle zusammengesetzt und dann wurde natürlich besprochen, wie man gewisse Parts vielleicht noch etwas besser gestalten könnte.

Ihr habt euch bei der Wahl der Plattenfirma für Roadrunner entschieden. Bitte erzähle doch ein bisschen, wie es zu dieser Entscheidung kam. Eine Band wie OPETH hat ja vermutlich eine stattliche Auswahl an Labels.
Yeah, wir hatten schon eine gewisse Auswahl was das betrifft. Trotz all der Kritik, die Roadrunner heute für ihre Bands einstecken muss (früher war Roadrunner ein first-class Death Metal Label, heute sind es größtenteils angesagte Metalcore-Bands; Anm. d. Red.), ist dieses Label ein wunderbares Zuhause. Sie arbeiten unheimlich professionell und sind nach wie vor ein klasse Metal-Label mit Bands wie Mercyful Fate oder Obituary. Wir waren wie gesagt von ihrer Professionalität beeindruckt. Zudem natürlich der Gedanke, dass man unsere CDs einfach schneller finden kann, wenn wir bei einer Plattenfirma wie Roadrunner sind. Obwohl ich „Neue“ in der Band bin, fällt mir schon auf, wie selten man unsere CDs zum Beispiel in den Vereinigten Staaten finden kann.

Das Album ist in den Charts sehr erfolgreich vertreten. Hat euch das überrascht, oder habt ihr das insgeheim gehofft?
Ich persönlich war überrascht und natürlich sehr glücklich, als diese Meldungen kamen. Es ist fantastisch wenn so viele Leute die CD kaufen und zu unseren Shows kommen. Ich denke, dass alle aus der Band überrascht und glücklich waren, dass wir gleich so hoch in den Charts landeten.

Wie denkst du über das Verschicken der Promo-CDs und demzufolge darüber, dass die meisten Alben weit vor Release bereits aus dem Internet heruntergeladen werden können?
Nun, dass ist halt so, wie es ist. Die Promos müssen verschickt werden, das ist das normale Geschäft der Labels. Ich weiß nicht wirklich, was ich dazu sagen kann. Nur so viel, dass es in früheren Tagen doch immer etwas besonderes und sehr schönes war, in den Laden zu gehen und eine neue CD einer favorisierten Band kaufen zu können, ohne vorher davon gehört zu haben, bzw. die komplette CD schon durch das Internet zu kennen. Einfach weil man als Musikfan auf die neue CD seiner Lieblingsband gespannt gewartet hat. Das war einfach alles etwas mystischer. (lacht)

Was sagst du über den Videoclip zu „The Grand Conjuration“ und das er für das Video so heftig gekürzt werden musste.
Nun, dass ist bei solch langen Songs immer ein Problem. Ich glaube der Clip dauert 5:30 Minuten. Es ist einfach nicht zu finanzieren, wenn wir die vollen 10 Minuten verfilmt hätten. Da steckt einfach ein zu großer Aufwand, sei es technisch oder kostenbedingt.

Das sind auf jeden Fall verständliche Gründe. Nähern wir uns nun aber dem Ende. Was ist dein liebstes Opeth-Album?
Äh, ich würde sagen „My Arms, Your Hearse“. Das ist erste OPETH-Album, dass mich wirklich aus den Socken gehauen hat. Zudem war das Album zu der zeit, wo ich die Jungs das erste Mal getroffen habe. Da hat man dann schnell einen speziellen Verbund hergestellt.

OPETH hat sich live zu einer wahren Macht entwickelt. Kannst du uns verraten, warum sie sich früher auf der Bühne immer so rar gemacht haben?
Ja, sie tourten sehr wenig. Das lag allerdings nur daran, dass die Platten schlecht verkauft wurden und demzufolge kein Promoter OPETH auf die Bühne stellen wollte. Man wusste ja gar nicht, wie die Band bei den Fans ankommt, wenn kaum Alben verkauft werden. Eine fleißige Touringband wurden sie erst zu Zeiten des „Blackwater Park“-Releases.

Habt ihr vielleicht sogar schon einige Festival-Gigs für das nächste Jahr in der Hinterhand? Vielleicht sogar in Deutschland?
Nein, bisher habe ich noch nichts gehört. Ich denke, dass die Planung einfach noch nicht so weit ist. Ich weiß nur, dass wir bis Weihnachten erst einmal auf Tour sind und auch wieder zurück nach Deutschland kehren werden. Bis Februar habe ich unseren Plan in etwa noch im Kopf, aber was im Sommer ist, weiß noch niemand, hehe. Ich glaube aber, dass für den Sommer noch nichts geplant wurde. Für gewöhnlich spielt man im Sommer ja einige Festivals, von daher denke ich mal, dass es bei uns auch so kommen wird. (lacht)

Bist du ständig fit, was die Szene betrifft? Sprich: Ließt du Webzines etc.?
Ja, schon ab und zu.

Okay, bitte verrate uns noch, welche drei Alben im Moment bei dir am meisten rotieren.
Vermutlich nur die Hardrock und Metal Alben?

Ja bitte, damit können die Leser eines Metal Onlinemagazins ja vermutlich doch am meisten anfangen…
Okay, verstehe. Also da haben wir im Moment neueste Extol, da sie uns im Moment auf Tour supporten und uns ihr Album geschenkt haben. Das gefällt mir richtig gut. Dann höre noch Suffocations EP „Despise The Sun“ und noch… äh, verdammt, was höre ich noch? Ich muss erst mal nachdenken, haha. Ah ja, die jüngste Arch Enemy höre ich momentan auch gerne. Das sind Freunde von uns und die „Doomsday Machine“ gefällt mir prima.

Gibt es auch neuere Bands, die dir wirklich gefallen? Zum Beispiel Mnemic, Communic oder so?
Diese Bands habe ich noch nicht gehört. Generell bin ich wohl eher Old-Scholl-eingestellt, was Metal betrifft. Die meisten Bands, die ich höre, bestehen schon eine amtliche Zeit, wie zum Morbid Angel oder der klassische Zug mit Judas Priest. Es ist ja auch ein unmöglicher Zeitaufwand sich alle Bands mal anzuhören. Mir gefallen zudem noch die kanadischen Deather Goreguts mit ihrem letzten Album „From Wisdom To Hate“. Das ist Zeug, was ich seit Jahren höre.

Okay Per, ich bedanke mich vielmals, dass du dir für Metal1.info Zeit genommen hast und wir dieses Interview in euren Tourplan einschieben können. Die abschließenden Worte an unsere Leser gehören selbstverständlich dir!
Okay, dann möchte ich mich vielmals für den Support der Band bedanken, für das Kaufen unserer Alben und dafür, dass ihr zu unseren Konzerten kommt. Wir haben hier in Deutschland eine wunderbare Zeit und hoffen, bald wieder zurück zu kommen.

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