Interview mit Jon Courtney von Pure Reason Revolution

Anfang des Jahres haben die Newcomer von Pure Reason Revolution mit ihrem Debüt „The Dark Third“ für Furore gesorgt und Vergleiche mit Pink Floyd wurden angestrengt. Wir sprachen mit Songwriter und Sänger Jon Courtney über seine Inspirationsquellen, seine Vorbilder und wie schwer es ist die hohen Erwartungen zu erfüllen. Gleichzeitg gab er uns auch einen Ausblick auf die Zukunft. Aber lest am besten selbst!

English original…

Da das eurer erstes Album und das erste Interview mit Metal1.info ist, möchte ich dich bitten, unseren Lesern deine Band kurz vorzustellen.
Mein Name ist Jon Courtney, ich spiele Gitarre, Keyboards, Harfe, Mellotron und bin der Sänger, außerdem sind noch dabei:
Jamie Willcox: Banjo, Elektronik, Ukulele
Chloe Alper: Synthesizer, Bass-Geräusche, Gesang
Paul Glover: gewaltige Drums.

Wie würdet ihr euren Stil jemanden gegenüber beschreiben, der keine Ahnung hat, was „progressiv“ bedeutet?
Wir sind eine zeitgenössische Rock Band, die sich nicht auf das Progressive Rock Genre begrenzt sieht. Wir sind bekannt für variable, unberechenbare, trickreiche, melodische und pompöse Musik. Mit Pure Reason Revolution kennen wir keine Grenzen, wir machen was wir wollen. Zeitbegrenzungen bei Songs existieren bei uns nicht, alle instrumentalen Strukturen sind erlaubt, vom frommen Didgeridoo bis hin zu höllischen Riffattacken. Ich denke wir machen eine Art „Surreal Rock“….gibt es dieses Genre schon?

Ne. Offensichtlich habt ihr eine Menge unterschiedlicher Einflüsse. Welche Band oder Künstler ist oder war euer Haupteinfluss?
Vornehmlich Brian Wilson, Smashing Pumpkins/Billy Corgan, aber da sind auch noch Led Zeppelin, „Crosby, Stills, Nash & Young“, DJ Shadow, The Moody Blues und viele andere.

„The Dark Third“ wurde in England und den Vereinigten Staaten bereits früher veröffentlicht. Wie waren die Reaktionen der Kritiker und Fans bis jetzt?
Die Reaktionen der Kritiker und Fans waren fantastisch, aber zu gleich war es auch frustrierend, dass wir aufgrund der Politik der Plattenfirma nicht die Chance hatten, um den Veröffentlichtermin herum zu touren. Stattdessen spielen wir jetzt im Juni beim NEARfest und wir planen ein paar Terminen für die Ost-Küste und eine komplette Tour im Herbst.

Was ist „das dunkle Drittel“ („The Dark Third“)?
Bis zu dem Zeitpunkt an dem wir sterben, haben wir ein Drittel unseres Lebens geschlafen, ergo „das dunkle Drittel“.

Was ist das Konzept hinter „The Dark Third“?
Grundsätzlich vertieft sich das Album in mein Unterbewusstsein. Ich bin gewaltig von Träumen und Surrealismus beeinflusst. Ich wollte eine Art provokative Magie schaffen, etwas das den Faden des abschweifenden Denkens bricht. Ich wollte mit meinen Messern fuchteln und das „echte Leben“ erschrecken. Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen, verstehst du? Das ganze Ding ist ein übergroßes Symbol meiner Einbildung und du hast die Möglichkeit dich damit zu identifizieren, oder auch nicht…

Wie komponierst du ein riesiges Stück wie „The Bright Ambassadors of Morning“? Hat es sich im Laufe einer Jamsession entwickelt oder wurde es von Anfang bis Ende durchgeplant?
Weiß nicht, es war keine Jamsession, ich hatte diese Idee für einen langen Track mit verschiedenen Sektionen. In diesem Sinne war es also von vorne bis hinten geplant.

Wie bekommt ihr euch als Band nicht in die Haare, wenn es darum geht zu entscheiden, was im Song bleibt und was rausfliegt?
Naja, dadurch dass ich das ganze Material schreibe, habe ich das letzte Wort und ich habe meistens eine klare Idee, was die Komposition anbelangt. Aber schlussendlich nimmt jeder mit eigenen Ideen am Prozess teil.

Wie lange hat die Arbeit an „The Dark Third“ insgesamt gedauert? Gab es Probleme in diesem Prozess?
Mit Vorproduktion und dem Mix hat es um die 15 Wochen gedauert. Probleme gab es nicht wirklich, Paul Northfield ist so gut und er hat mir sooooo viel beigebracht. Ich hab mich vor den Aufnahmen schon für Musikproduktion interessiert, aber Paul hat uns so viele neue Tricks und Techniken gezeigt und er hat uns in die Ärsche getreten, wenn wir zu viel Zeit damit verschwendeten, Lärm in den Synthesizer zu programmieren, der wie sterbende Katzen klang. Er war eine Art Mentor und ist es noch immer. Das zweite Album möchten wir aber in kürzerer Zeit aufnehmen.

Eure Musik versprüht eine sehr positive Energie. Was ist deine Inspirationen?
Das sagen Leute oft, aber meine Einflüsse sind Träume und Surrealismus. Zusätzlich noch Max Ernst, Salvador Dali und Rene Margritte.

Entstehen Bilder in deinem Kopf, wenn du das Album hörst? Wenn ja, was siehst du?
Ich hab es schon so viele Male gehört und es wurde 2004 aufgenommen, das ist fast unmöglich zu beantworten, aber ich bin sehr stolz darauf.

“The Dark Third“ kling für mich sehr organisch und jeder Ton scheint an der richtigen Stelle zu sein. Irgendetwas das du ändern würdest, wenn du die Chance hättest?
Nein, ich hab den Ablauf des Albums so geplant und es fühlte sich gut an und tut es noch immer. Ich glaube nicht, dass man versuchen sollte, Sachen zu ändern, sie sind wie sie sind, sie spiegeln wider, was du zu einer bestimmten Zeitpunkt gemacht und gefühlt hast.

Die Presse bezeichnet euch gerne als „Pink Floyd des 21. Jahrhunderts“. Macht dich das stolz und wie schwer ist es, diesen Erwartungen gerecht zu werden?
Ich glaube nicht, dass es viele Leute so sehen. Das Zitat sagte nicht, dass wir wie Pink Floyd sind, sondern eher, dass Pink Floyd, wenn sie heute starten würden, klingen würden, wie unser Sound. Und auf das Risiko, dass es vielleicht egomanisch klingt, aber ja, es macht mich stolz, aber die Zeit muss zeigen, ob wir diesen Erwartungen gerecht werden können und vieles davon liegt außerhalb unserer Kontrolle.

Viele britische Bands klingen heute sehr ähnlich. Ihr auf der anderen Seite klingt sehr frisch und aufregend. Was hältst du von der britischen Musikszene?
Die englische Musikszene ist im Moment sehr erfolgreich, aber es gibt nur sehr wenige Bands, die ich wirklich mag. Aber ich höre kein Radio und schaue kein Fernsehen.

Habt ihr eigentlich einen Spezialisten für alle Einflüsse mit denen ihr arbeitet? Gibt es zum Beispiel Bandmitglieder, die eher Erfahrung mit elektronischer Musik haben und andere, die einen Rock Hintergrund haben? Oder sind einfach alle interessiert an all den verschiedenen Richtungen?
Es ist nicht ganz so einfach, es ähnelt eher einem Schmelztiegel. Es gibt einige Klassiker, zu denen ich immer wieder zurückkehre, aber im Moment höre ich mehr Dance als anderes.

Ihr wart auf Tour mit Blackfield. Kanntet ihr Steven Wilson und ist er ein Vorbild für euch? Glaubst du, dass ihr mit einer Tour mit Porcupine Tree größere Massen ansprechen könntet?
Die Tour mit Blackfield war großartig. Jetzt kennen wir Steve Wilson natürlich und er ist so etwas wie ein Vorbild. Er schafft es so viele verschiedene Projekte unter einen Hut zu bringen, wogegen wir gerade mal das eine durchziehe. Die Tour zog eine große Anzahl Fans an, sogar die Frau am Merchandise Stand sagte, dass sie noch nie eine Supportband gesehen hat, die dermaßen Reaktionen erhielt. Und schaut am besten hier vorbei, um Informationen zu einer möglichen Tour mit Porcupine Tree zu erhalten.

Gibt es bereits Pläne fürs nächste Album?
Ja, das zweite Album ist bereits fertig geplant und wird im Sommer aufgenommen und hoffentlich im Herbst veröffentlicht.

Als kleine Tradition am Ende jedes Interviews möchten wir dich zu unserem berühmten Metal1.brainstorming einladen. Was kommt dir zuerst in den Sinn?
Eine deutsche Band:
Digitalism
Massive Attack: Love em‘
Alkohol: Fehler
Poesie: William Blake
Lieblingsbuch: Aurelia (Gerard De Nerval)

Gibt es abschließende Worte für unsere Leser?
Seht euch im Herbst nach unserem zweiten Album um und wir sehen uns auf einer der vielen Liveshows, die wir geplant haben.

Vielen Dank für deine Zeit und das wunderbare Album und ich wünsche dir viel Erfolg für die Zukunft

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