Pure Reason Revolution - Above Cirrus (Cover)

Review Pure Reason Revolution – Above Cirrus

Als sich PURE REASON REVOLUTION 2011 auflösten, waren sie auf ihrem kreativen Höhepunkt und hatten eine einzigartige Melange aus Elektro und Progressive Rock geschaffen. Diese Mischung war wahrhaft fortschrittlich und ziemlich spannend, auch wenn sich die Briten damit aus kommerzieller Sicht zwischen alle Stühle setzten.
Umso schöner, dass PURE REASON REVOLUTION sich nach langer Funkstille vor zwei Jahren mit dem bärenstarken „Eupnea“ zurückgemeldet haben. Ihr Reunion-Album knüpfte eher an die psychedelisch-progressiven Klänge ihres Debüts „The Dark Third“ an, landete aber kurz nach Pandemiebeginn in den Plattenläden. Und so wurde es zwar von Kritikern abgefeiert, konnte aber natürlich nicht live promotet werden – und jetzt fühlt es sich an, als ob die Band mit ihrer neuen Scheibe „Above Cirrus“ noch einmal neu ansetzt und schon wieder wiederkommt.

Der Einstieg mit dem überaus knackigen „Our Prism“ ist überraschend energetisch und aggressiv. Zumindest in seiner Konsequenz und Gradlinigkeit erinnert er an den Opener „Fight Fire With Fire“ von „Hammer And Anvil“ – auch, wenn der Track eher auf Stromgitarren als auf Elektronikgewitter setzt. Schon hier macht sich die Rückkehr von Gründungsmitglied und Gitarrist Greg Jong bemerkbar.
Als frischgebackenes Trio gehen PURE REASON REVOLUTION deutlich rockiger und rifforientierter zu Werke als noch vor zwei Jahren. Einen festen Drummer haben sie leider noch nicht gefunden. Wie schon auf „Eupnea“ kümmert sich wieder Geoff Dugmore als Sessionmusiker um die Bearbeitung der Felle. Und zwei weitere Neuerungen im Sound der Band gehen auf „Above Cirrus“ tatsächlich auf ihn zurück: Zum einen der pointierte Einsatz wuchtig-martialischer Drums wie sie auch Tool oder Deadsoul Tribe bekannt gemacht haben, zum anderen die von ihm immer wieder eingestreuten, düsteren Spoken-Word-Passagen, die die Songs verbinden.

Davon abgesehen bleiben sich die Progrocker aber stilistisch treu. Ihre zentralen Erkennungsmerkmale sind der gemeinsame Lead- und Harmoniegesang sowie die wunderbaren Melodiebögen von Chloë Alper und Jon Courtney, jetzt zusätzlich unterstützt von Greg Jong. Ihre große Stärke ist, dass sie diese himmlischen Melodien in allerlei Gewänder kleiden können. Ob nun psychedelisch wie einst die frühen Pink Floyd, rockig wie Muse oder elektronisch wie in der Single „Phantoms“, dem vielleicht tanzbarsten Song der Band neben „Deus Ex Machina“ von „Amon Vincit Omnia“.

In sieben Tracks und 46 Minuten bringt die Gruppe alles unter, was sie seit jeher ausmacht, verbindet Prog und Elektronisches als wäre es das natürlichste der Welt. „Above Cirrus“ ist ungemein dicht, platzt beinahe vor Vitalität und bietet haufenweise Gänsehautmomente. Der finale Chorus von „Phantoms“ mit den Wall-Of-Sound-Gitarren darunter oder der Acapella-Abschluss von „Lucid“ sind nur zwei davon. Neue Akzente und Elemente halten die Musik auch für langjährige Fans frisch und interessant. Die knappe Spielzeit verzückt nicht nur Vinyl-Freunde; wie schon beim Vorgänger sorgt sie auch dafür, dass das Album gut überschaubar bleibt und sich schnell erschließt. Es entfaltet eine Sogwirkung und findet wie von selbst wieder den Weg in den Player.

Es gibt nichts drumrum zu reden: „Above Cirrus“ steht dem Reunion-Album „Eupnea“ in nichts nach und ist die logische, etwas elektronischere und energetischere Weiterentwicklung. Ein weiteres phantastisches Werk in der ohne Ausnahme hochkarätigen Diskografie der Band – und ein heißer Kandidat für die Prog-Platte des Jahres.

Anspieltipps: „Phantoms“ (kurz und tanzbar) sowie „Dead Butterfly“ – eine gute Zusammenfassung dessen, was die Band ausmacht.

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Wertung: 9.5 / 10

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