CD-Review: Pure Reason Revolution - Hammer And Anvil

Besetzung

Jon Courtney – Gesang, Gitarre, Keyboards
Chloe Alper – Gesang, Keyboards, Bass
Jamie Willcox – Gitarre, Keyboards, Gesang
Paul Glover – Schlagzeug

Tracklist

01. Fight Fire With Fire
02. Black Mourning
03. Patriarch
04. Last Man, Last Round
05. Valour
06. Over The Top
07. Never Divide
08. Blitzkrieg
09. Open Insurrection
10. Armistice


Manchmal hilft es, nicht lange um den heißen Brei herumzureden und stattdessen die Dinge beim Namen zu nennen. Dieser Ansicht scheinen auch PURE REASON REVOLUTION zu sein. Bevor wir uns nämlich fragen können, ob ihr mittlerweile dritter Longplayer „Hammer And Anvil“ eher in Richtung des sphärischen New Artrock-Debüts „The Dark Third“ oder des schockierend elektronischen Nachfolgers „Amor Vincit Omnia“ geht, schallt uns die Antwort schon tonnenschwer aus den Boxen entgegen. „Fight Fire With Fire“ dröhnt und drückt, berauscht und hämmert sich mit seinem maschinellen, eintönigen Beat unweigerlich in Kopf und Herz. Subwoofer-Besitzer sollten die Lautstärke Ihres Tieftöners besser vorsorglich eine Stufe zurückregeln, so die Wand zum Nachbarn nicht allzu dick ist. Treibend und absolut tanzbar eröffnet der Vierer sein neues Album – und ja: Elektronisch.

Die Gitarre wird zum Begleitinstrument degradiert, das Schlagzeug spielt endgültig nur noch die zweite Geige. Überall pochert und pluckert es, von Progrock keine Spur. Die wichtigste Frage wäre damit geklärt und Fans des Erstlings klicken vermutlich enttäuscht die nächste Rezension an. Ein Fehler.

„Amor Vincit Omnia“ war rückwirkend betrachtet zwar ein Schock für die Progrock-Anhänger der Band, letztendlich aber nicht konsequent genug. Rock und Elektro standen dort ein wenig unbeteiligt nebeneinander. Die Mischung war nicht hundertprozentig rund, nicht lebendig. Zwei Songs fielen qualitativ deutlich ab. Nicht so „Hammer And Anvil“: Rock spielt hier zwar eine verschwindend kleine Rolle, wird im Falle des Falles aber in die elektronischen Soundwelten integriert, als sei es das natürlichste auf der Welt. Die Songs sind absolut homogen – wie aus einem Guss. Sie funktionieren wie schon bei Debüt wieder außerordentlich gut als Album, obwohl sie stilistisch durchaus breit gefächert sind.

Mit dem bereits erwähnten „Fight Fire With Fire“, dem an Minimal-Elektro erinnernden „Blitzkrieg“ und dem Chillout-Wunder „Armistice“ stecken Chloe Alper und ihre Kollegen das elektronische Territorium deutlich ab. Solches Material kennen wir von der Band noch nicht. Das erfrischt. Alle weiteren Songs bewegen sich dazwischen. Mal so sphärisch und ruhig, dass man sogar ans Debüt denken muss („Patriarch“), mal blubbernd wie auf dem Zweitling („Valour“, „Black Mourning“). Endzeitlichen Ambient-Noise wie in „Open Insurrection“ haben wir von PURE REASON REVOLUTION ebenfalls noch nicht gehört.

Ich habe lange das Haar in der Suppe gesucht. Ich habe es nicht gefunden. „Hammer And Anvil“ ist ein Werk von überragender Qualität, strahlt Selbstsicherheit und Konstanz aus. Und es hat sie wieder: Die atemberaubenden Melodien und majestätischen Refrains, derer man nie müde wird.

Ein Song, der die Sache gut zusammenfasst und sich daher als Anspieltipp anbietet: „Last Man, Last Round“.

Übrigens: Das Album erscheint auch als Limited Edition Digipak mit einer Bonus-DVD, die acht Live-Songs bietet.

Bewertung: 10 / 10

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