Interview mit Andreas "Gerre" Geremia von Tankard

Seit nunmehr fast 30 Jahren sind TANKARD ein fester Bestandteil der deutschen Thrash Metal-Szene. Mit „Vol(l)ume 14“ legen die Frankfurter nun ihr, wie naheliegend, 14. Album vor. Was Frontmann Andreas „Gerre“ Geremia über das Album im Speziellen, deutschen Thrash Metal im Allgemeinen und die Weight Watchers zu sagen hat, könnt ihr in unserem Interview nachlesen:


Sers Gerre! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
Wie geht es dir?

– Eigentlich ganz ok, habe Südamerika gut überstanden, bin leider aber schon wieder am Malochen!

Arg im Stress mit der Promotion für das neue Album?
Ja, das kann man so sagen, aber das ist ja ausnahmsweise ein Job, der mir viel Spass bereitet!

Wie fallen denn die Pressereaktionen bislang so aus? Seid ihr mit dem Medienecho zufrieden?
So genau habe ich mir das noch gar nicht angeguckt, aber das , was ich gelesen habe, war durchweg positiv. Anonsten sind wir ja in solch einem Alter, dass man sich wegen solcher Dinge auch nicht mehr ganz so verrückt macht!

Ihr habt mittlerweile ja 14 Alben rausgebracht, seid fast 30 Jahre im Geschäft… interessiert ihr euch da überhaupt noch dafür, was Redakteure von eurem schaffen halten, oder reicht euch eure treue Fanbase?
Natürlich freut man sich über positive Kritiken, aber letztendlich zählt, ob den Fans das Album gefällt. Das ist dann immer die maßgebliche Bestätigung unseres Schaffens.

14 Alben sind ja schon eine ganze Menge… hättet ihr euch das zugetraut, als ihr mit TANKARD angefangen habt?
Natürlich nicht, da hätte niemand dran gedacht und da sind wir auch ehrlich gesagt ein bisschen stolz drauf! Die letzten Jahre vergingen allerdings wie im Flug, das ist echt krass , wenn man älter wird. Ein Ende ist auf jeden Fall nicht abzusehen, zumindest solange es uns noch so viel Spass macht.

2012 heißt es dann „30 Jahre TANKARD“. Ich könnte mir vorstellen, dass man da selbst auch erstmal schlucken muss, wenn man sich vergegenwärtigt, was das heißt. Was für ein Gefühl ist das für dich, und Plant ihr jetzt schon irgendwelche Feierlichkeiten, oder sind dir solche Sentimentalitäten egal?
Einerseits ein geiles Gefühl, so lange durchgehalten zu haben, anderseits merkt man langsam, was für alte Säcke wir geworden sind hahahaha………… irgendwas Spezielles wird es mit Sicherheit geben, aber konkrete Pläne haben wir noch nicht!

Wenn du dich eurer Anfangstage entsinnst und resümierst: Was hat sich seit damals bei TANKARD geändert, was ist gleicht geblieben?
Sicherlich haben wir uns musikalisch enorm weiterentwickelt und alles ist professioneller geworden. Gleich geblieben sind unser Irrsinn und der unglaubliche Spass an der ganzen Geschichte!

Während sich die anderen deutschen Thrash-Größen ein ums andere Mal versuchen, sich gesellschaftskritisch zu geben, habt ihr euch früh schon auf Texte, die sich im großen und ganzen meist um Alkohol und Bier im speziellen drehen, festgelegt.
Sehr ihr euch ein wenig als die Spass-Thrasher im Gegesatz zu den Weltverbesserern, oder nehmt ihr euch – obacht, Kalauer – bierernst?

In erster Linie nehmen wir uns selber nicht allzu ernst und der Spass steht im Vordergrund, nichtsdestotrotz versuchen wir bei den Lyrics, immer eine gesunde Mischung aus humoristisschen Dingen und ernsteren Themen hinzubekommen. Dies bedeutet, dass du bei Tankard durchaus auch gesellschaftskritische Themen findest, siehe z.B. “Black Plague (BP)” und “The Agency” auf unserer neuen Scheibe!

Bist du mit eurer Positionierung in der Szene als die Sauf-Band des deutschen Thrash eigentlich noch glücklich, oder kommt man irgendwann in ein Alter, in dem einen so ein Image langsam nervt?
Ach, wir machen uns ja immer wieder mal selber lustig über unser Image, man darf das Ganze halt nicht so ernst nehmen, daher können wir damit sehr gut leben!

Andererseits unterstützt ihr diesen Ruf ja auch, wo es geht… man denke an den Albumtitel „Vol(l)ume 14“. Gibts da noch eine „versteckte Botschaft“ oder tiefsinnigere Bedeutung, oder ist das einfach eure Art von Humor?
Das ist unsere Art von Humor, außerdem lieben wir ja Wortspiele. Die 6 freien Plätze in der Bierkiste implizieren natürlich auch, dass Ihr mindestens noch mit 6 Studioalben von uns rechnen müsst!

Wie entsteht denn der typische TANKARD-Song… stellt ihr euch zusammen in den Proberaum und spielt drauf los, oder sitzt einer zu Hause und konstruiert die Songs am „Reißbrett“
Einer in der Band kommt mit Ideen und einem fast schon fertigen Song an und ich versuche dann, Vocals auf die verschiedenen Gitarrenteile zu basteln. Das ganze wird dann bei unserem Gitarristen Andy in seinem kleinen Studio ausprobiert und letztendlich zusammengebastelt.

Und wie verlaufen dann die Aufnahmen zu einem TANKARD-Album?
Ganz klassisch: Erst Drums, dann Bass, Gitarre und Gesang wechseln sich dann ab!

Trotz der langen Zeit, die ihr schon in der Szene aktiv seid, gibt es ja sicherlich noch Leute, die mit TANKARD noch nicht vertraut sind. Wie würdest du diesen potentiellen Fans euer aktuelles Album nahebringen?
Old School Thrash mit einem modernen Sound, eingängigen Refrains und einigen melodiösen Einschlägen!

Ich muss zugeben, dass „Vol(l)ume 14“ auch mein erster Kontakt zu einem TANKARD-Album ist… aber sicher nicht mein letzer. Welches andere TANKARD-Album würdest du mir als nächstes ans Herz legen und warum?
Natürlich alle hahaha.
……………naja, vielleicht das allererste “Zombie Attack”, damit du ein Gefühl bekommst, wo wir herkommen und dann vielleicht noch “B-Day” aus dem Jahr 2002, das war so eine Art Neustart für Tankard, neues Label, neuer Produzent und cooles Songwriting!

Ihr spielt ja relativ regelmäßig auf Festivals, in deutschen Clubs hingegen macht ihr euch relativ rar… spielt ihr lieber Open Air, oder hat das andere Gründe?
Da wir alle berufstätig sind, können wir leider keine zusammhängenden Tourneen über mehrere Wochen spielen, ansonsten versuchen wir, so viele Gigs wie möglich zu machen, natürlich auch in Clubs!

Mit einer ausführlicheren Club-Tour ist demnach vorerst nicht zu rechnen?
Im Moment sieht es danach aus besagten Gründen nicht aus, aber wie gesagt probieren wir so oft wie möglich live präsent zu sein!

Ihr habt ja gemeinsam mit Sodom und Konsorten auf dem Chris Witchhunter-Memorial-Konzert gespielt. Was war das für ein Gefühl für dich?
Das war echt ein cooles Event, die ganzen alten Weggefährten mal wiederzutreffen, so was könnte man ruhig mal öfter machen, und nicht nur bei so traurigen Anlässen!

Das Event hat ja auch, trotz einiger Querelen, wiedereinmal gezeigt, dass „Made in Germany“ im Thrash Metal wirklich ein Qualitätsmerkmal ist – man könnte bei den neuesten Werken von Sodom, Kreator, Destruction und nun, last but not least, euch, fast sagen, der deutsche Thrash erlebt einen zweiten Frühling.
Den zweiten Frühling bezüglich des Zuspruchs vielleicht, aber die genannten Bands haben ja seit jeher qualitativ gute Sachen rausgebracht, auch in den Zeiten, wo Thrash nicht sonderlich angesagt war!

Wie stehst du zur deutschen Szene, welche Bands favorisierst du und wie siehst du die Entwicklung des Thrash Metal in Deutschland in den letzten Jahren?
Ach, da könnte ich dir jetzt hunderte aufzählen! Es ist einfach cool zu shen, dass wieder auch blutjunge Bands die Liebe zum Thrash gefunden haben, da mache ich mir gar keine Gedanken um den Nachwuchs. Von daher blicke ich dem Ganzen sehr optimistisch entgegen. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis eine dieser jungen Bands auch international erfolgreich sein wird!

Wird das TANKARD-Publikum mit euch älter, oder sind es immer andere, gleich junge Gesichter, die ihr vor der Bühne seht?
Es ist eine gesunde Mischung aus alten Säcken wie uns und sehr jungen Fans, das ist echt äußerst interessant!

Ich hab Sodom ja gerade schon mal angesprochen, auch die nächste Frage hat damit zu tun: Wie man dir nur unschwer ansehen kann, hast du einige Kilos runter… man hört, das ganze habe mit einer Wette mit Bobby vom Ex-Sodom-Drummer Bobby zu tun…
Könntest du uns da ein bisschen mehr erzählen?

Ich habe Anfang letzten Jahres mit Weight Watchers angefangen und dann mit Bobby während eines Rock Hard-Drehs eine kleine Wette eingebaut, die ich dann natürlich auch locker gewonnen habe……….

Ein Album-Release ist ja immer ein Höhepunkt für eine Band… in wieweit bist du ansonsten mit dem Jahr 2010 zufrieden? Dein Fazit zum Jahr 2010:
Sehr viele geile Festivals (z.B. Hellfest in Frankreich und Graspop in Belgien) und Clubshows gespielt, viel Arbeit mit dem neuen Album gehabt und zum Ausklang noch ein paar Shows in Venezuela und Kolumbien gespielt, ich bin rundum zufrieden mit diesem Jahr!

Ok, das wars dann von meiner Seite fast schon wieder, wenn du nichts dagegen hast, würde ich das Interview an dieser Stelle gern mit dem Metal1.info-Brainstorming beenden:

Weihnachten: Fuck christmas!
Abstinenzler: Jedem das Seine!
Wikleaks: So lange keine Geheimprotokolle über unsere Bandmeetings veröffentlichen werden, ist mir das ziemlich egal!
Metal1.info: Wie könnt Ihr es wagen, meinen göttlichen Gesang zu kritisieren??????????
Margot Käßmann: Warum habe ich nicht neben Ihr im Auto gesessen????? Dann wäre ich jetzt reich und berühmt………………
Weight Watchers: Eine Sekte, der ich hoffnungslos verfallen bin!
Tankwart: War ein geiles Projekt, das bis auf weiteres auf Eis liegt!
Tankard in 10 Jahren: Immer noch am Start!
Du in 10 Jahren: Immer noch als Sänger oben genannter Band am Start!

Dann bedanke ich mich für deine Antworten! Ich wünsche dir und TANKARD alles Gute und viel Erfolg im Jahr 2011! Wenn du noch etwas loswerden willst, hast du dazu jetzt noch die Gelegenheit:
Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bei all unseren Fans für deren jahrelangen Support bedanken, ohne Euch wären wir nichts!