Interview mit Marko Tervonen von The Crown

Wirklich gerechnet hat mit ihnen eigentlich niemand mehr – und doch sind THE CROWN nun mit ihrem neuen Langspieler „Doomsday King“ wieder auf der Bildfläche aufgetaucht. Grund genug für uns, Gitarrist Marko Tervonen auf dem diesjährigen Summer Breeze zum Interview zu bitten und ihm allerhand Wissenswertes über die Wiedervereinigung, die neue Scheibe und anderes zu entlocken.

Hey Marko! Wie geht es dir heute? Genießt du das Summer Breeze?
Ja, auf jeden Fall! Wir sind zwar noch nicht lange hier, aber es gefällt uns soweit wirklich gut. Wir haben allerdings festgestellt, dass das Gelände im Vergleich zum letzten Mal, als wir hier gespielt haben, ordentlich gewachsen ist. Es ist trotzdem noch nicht zu groß und das Wetter heute perfekt – was wollen wir mehr?

Dementsprechend freut ihr euch sicherlich schon auf die Show heute Abend. Ist ja auch schon wieder ein Weilchen her…
Klar! Ich fürchte aber, dass viele Leute schon todmüde sein werden, weil sie jetzt einige Tage lang durchgefeiert haben und dann zu so einer späten Spielzeit noch vor der Bühne stehen müssen.

Glückwunsch auch zu eurem neuen Album „Doomsday King“ – ist wirklich eine klasse Scheibe geworden! Wie kamt ihr denn auf den Albumtitel? Ein wenig erinnert er ja an euer 2000er-Werk „Deathrace King“.
Nun, den Titel haben wir von einem Song geklaut. Wir machen das nicht sehr oft, weil wir meistens genügend Sachen zur Auswahl haben. Das Wort “King” hat uns gefallen und war dieses Mal wieder sehr verlockend für uns, weil wir – wie du ja schon sagtest – auch schon eine Scheibe mit dem Namen “Deathrace King” hatten. Es ist ein guter Titel, der sehr stark klingt – und damit haben wir alles, was wir wollen.

Wie würdest du denn das Artwork der Scheibe mit ihrem Titel in Verbindung bringen?
Da gibt es eigentlich sogar eine Vielzahl an Verbindungen. Das Artwork selbst, so würde ich sagen, steht vor allem mit dem Song „Angel Of Death” in Verbindung. Dahinter steckt ohnehin eine ziemlich interessante Geschichte – denn die eigentlichen Lyrics des Songs wurden vor über 200 Jahren von einem Vorfahren von Magnus (Olsfelt; Bass – Anm. des Verf.) geschrieben! Dieser veröffentlichte ein Buch mit dem Namen „Angel Of Death”, das eine Art Gedichtsammlung war. Der Einband dieses Buches diente uns dann auch als Inspiration für das Artwork unseres Albums – das ist die Verbindung für mich. Innerhalb des dreijährigen Entstehungsprozesses der Scheibe rückten all diese Bausteine sehr nah zusammen, zumindest aus unserer Sicht, und sind heute praktisch untrennbar miteinander verbunden. Es macht einfach alles Sinn. Wir haben außerdem ein paar andere Farbtöne benutzt als bei den letzten Alben und obwohl es natürlich sehr todesmetallisch ist, hat es auch einen gewissen klassischen Touch.

Wo wurde „Doomsday King“ aufgenommen und wer war für das Mixing und Mastering verantwortlich?
Das war ich! Ich habe ein professionelles Studio und wir haben alles dort aufgenommen und gemixt. Das finale Mastering wurde in einem Studio ganz in der Nähe von uns erledigt, das aufs Mastering spezialisiert ist. Wenn ich mit anderen Bands in meinem Studio aufnehme, wird deren Material auch meistens in diesem anderen Studio gemastert. Für mich ist es immer gut, wenn der letzte Schliff von jemandem kommt, der die Sache von Außen begutachten kann. Beim Mastering kommen viele kleine Dinge auf einen zu – an Frequenzen herumschrauben, bis man fast verrückt wird, das ganze Feintuning erledigen und was sonst noch anfällt. Das ist es gut jemanden zu haben, der unvoreingenommen an so etwas herangehen kann und noch frisch bei der Sache ist.

Wo sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede von „Doomsday King“ zu den letzten, vor mehr als sieben Jahren erschienenen Alben?
Da gibt es eigentlich gar keine großen Unterschiede. Den speziellen THE CROWN-Sound erkennt man sofort. Magnus hat die Songs geschrieben und war dabei sehr auf das Riffing fokussiert. Das ist dieses Mal sehr rhythmusorientiert, was auf den letzten Alben höchstens teilweise der Fall war – deswegen finde ich, dass dieser Faktor bei „Doomsday King“ sehr stark auffällt. Wenn ich mir das Album anhören, hat jeder einzelne der Songs den gewissen Sound, die gewisse Art und Weise, wie wir auch schon bei älteren Scheiben gewirkt haben. Deswegen fällt es mir schwer, sonderliche Unterschiede oder Veränderungen an einem der Songs oder der Scheibe als Ganzes festzumachen. Am stärksten fällt wohl wirklich auf, dass die Tracks rifforientierter sind, aber mehr wohl auch nicht.

Vor sechs Jahren habt ihr euch getrennt – jetzt steht ihr mit dem neuen Album in den Startlöchern. Hast du die Idee zur Wiedervereinigung die ganze Zeit mit dir herumgetragen oder war es letztendlich eine mehr oder wenige spontane Sache, es noch einmal miteinander zu versuchen?
Auf eine bestimmte Art und Weise war es natürlich immer irgendwo in meinem Kopf und ganz verworfen war der Gedanke sowieso nie. Dass THE CROWN sich aufgelöst hatten, bedeutete ja nicht, dass wir uns die ganze Zeit über nicht gesehen oder keinen Kontakt gehalten hatten. Wir haben uns immer mal wieder auf ein paar Biere oder zum Grillen getroffen und da hat man im Spaß natürlich auch darüber geredet, wie es wäre, die Band wieder zu aktivieren. Irgendwann kam Magnus mit neuen Songs an, die er mit uns unter dem Namen „Dobermann“ veröffentlichen wollte. Wir stellen allerdings schnell fest, dass sich das alles sehr nach THE CROWN anhörte. Letztendlich war es zwar ein langer Prozess, aber wir entschieden uns dann für das einzig Richtige – und das war eben, das neue Material als THE CROWN zu veröffentlichen, weil es im Grunde genommen auch nichts anderes war.

Was habt ihr denn in den Jahren der THE CROWN-Pause getrieben?
Oh, wir haben eine Menge getan während dieser Zeit! Das war im Grunde auch der Grund, warum die Pause so gut für uns war. So merkwürdig es sich jetzt auch anhört – aber wir hatten beispielsweise die Zeit, Familien zu gründen (lacht). Wir haben uns einfach ins normale Leben gestürzt, haben jetzt alle reguläre Jobs, Familien, führen geregelte Leben – eben all das, was wir nicht hätten tun können, wenn wir THE CROWN nicht auf Eis gelegt und weiter gemacht hätten wie bisher. Ich habe, wie schon erwähnt, ein eigenes Studio aufgebaut und die anderen haben auch die ganze Zeit über in anderen Bands gespielt. Die waren stilistisch zwar teilweise anders ausgerichtet als THE CROWN, aber sie haben sich an ihren Instrumenten fit gehalten und waren immer in Bewegung.

Ihr habt eure Auflösung damals damit begründet, dass ihr auf zu vielen Touren wart, die schief gegangen sind. Wäre es dann nicht eine Option gewesen, das Touren einfach sein zu lassen und als Studioband weiterzumachen?
Um ehrlich zu sein glaube ich noch heute, dass das nicht funktioniert hätte. Wenn wir einfach normal weiter gemacht hätten – auch ohne die Touren – wären wir sehr schnell komplett ausgebrannt gewesen. Jeder in der Band stimmt mir zu, wenn ich sage, dass die fünf Jahre Pause absolut notwendig waren. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und konzentrieren uns darauf, das Beste aus uns heraus zu holen und in ein Album zu stecken und nur noch ein paar ausgewählte Shows hier und dort zu spielen. Man wird uns also in der Zukunft garantiert nicht mehr auf längeren Touren oder auf jeder zweiten Bühne sehen, das können wir einfach nicht mehr.

Euer ehemaliger Sänger Johan Lindstrand ist mittlerweile nicht mehr an Bord, gab kurz nach der Auflösung auch zur verstehen, dass es THE CROWN nie wieder mit ihm geben würde. Habt ihr ihn trotzdem noch gefragt, als die Pläne zur Wiedervereinigung aufkamen?
Um genau zu sein haben wir Johan sogar schon gefragt, als wir noch unter dem Projekt Dobermann zusammen gespielt haben. Die Songs waren fertig und uns fehlte nur noch ein Sänger. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aber schon einige Jahre in seine eigene Band One Man Army And The Undead Quartett gesteckt, deren neues Album auch bald erscheinen sollte und das er auch wirklich machen wollte. Wir haben uns ihm wieder angenähert und ihn gefragt, aber letztendlich wollte er sich auf seine eigene Band konzentrieren. Der nächste logische Schritt war – da wir unser neues Album wirklich machen wollten und wieder heiß darauf waren, gemeinsam zu musizieren – einen neuen Sänger zu finden und da kam auch schnell Jonas ins Gespräch.

Wie genau kam der Kontakt mit Jonas denn zustande?
Als wir merkten, dass wir das Album auch nicht mit Andreas (Bergh; Gesang – Anm. des Verf.) machen können, weil er so beschäftigt mit seiner Band Deathstars war, haben wir unabhängig voneinander davon angefangen, Namen möglicher Sänger aufzuschreiben. Jonas Name kam dabei jedem von uns in den Sinn, weil wir seine Band Utumno sehr gerne hörten, als wir selbst anfingen, Musik zu machen. Ich hatte ihn bis dato zwar noch nie persönlich getroffen, dann aber einfach mal auf gut Glück über Facebook angeschrieben und gefragt, ob er immer noch singt und was er zur Zeit so macht. Es stellte sich raus, dass er ein Fan von THE CROWN war und so kam es dann, dass er von uns in mein Studio eingeladen wurde. Er war im Grunde genommen der erste und einzige Kandidat, den wir fragten, so dass wir gar keinen anderen ausprobieren mussten. Mit ihm fühlte sich alles von Anfang an perfekt an.

Johan wird mit One Man Army And The Undead Quartett im kommenden Jahr eine neue Scheibe auf den Markt bringen. Hältst du dich über solche Vorgänge auf dem Laufenden oder ist es dir mehr oder weniger egal?
Es gab ja auf persönlicher Ebene in der Vergangenheit und auch heute nie Probleme zwischen Johan und uns. Er wohnt ganz in meiner Nähe und wir treffen uns eigentlich regelmäßig. Ich finde es immer interessant, die Entwicklung von Freunden in der Musikszene und auch als Musiker speziell zu verfolgen und wünsche ihm deswegen natürlich nur das Beste. Solange er glücklich ist mit dem was er macht, ist alles in Ordnung.

Das neue Album wird über Century Media Records erscheinen, eure letzten vier kamen jeweils über Metal Blade Records heraus. Gab es ein Angebot von Metal Blade oder habt ihr es von Anfang an auf Century Media abgesehen?
Wir haben natürlich mit Metal Blade Records geredet und auch lange Verhandlungen geführt. Um ehrlich zu sein gab es Angebote von sehr vielen Labels – unter anderem eben auch Metal Blade. Wir haben aber auch schnell begriffen, dass wir anfangen mussten mit einem neuen Label zu arbeiten, wenn wir mit unserer neuen Haltung arbeiten wollten. Wir brauchten neue Leute um uns herum, wollten, dass sich alles frisch anfühlt. Wir werden jetzt auf jeden Fall zwei Alben über Century Media Records veröffentlichen und danach sehen wir wieder weiter. Wer weiß, was bis dorthin passiert? Vielleicht releasen wir dann nur noch digital oder was auch immer. Das kannst du in der heutigen Zeit nie wissen, weil sich alles so rasend schnell verändert. Drei oder vier Jahre können da eine verdammt lange Zeit mit vielen Veränderungen sein. Aber wir fühlen uns bei Century Media auf jeden Fall sehr wohl.

Du hast zwar gesagt, dass ihr nicht mehr auf längere Touren gehen werdet. Aber spielt ihr vielleicht trotzdem ein paar Shows in Deutschland nach der Veröffentlichung von „Doomsday King“?
Das kann man nie wissen… Wir haben uns noch für nichts entschieden, aber wir wollen auf jeden Fall alles sehr kontrolliert und zentriert haben und garantiert nicht noch einmal für mehrere Wochen oder Monate auf Tour gehen. Schauen wir mal was passiert, wenn das Album auf dem Markt ist und das Label langsam beurteilen kann, woran man noch arbeiten könnte. Dazu kann ich jetzt aber noch nichts sagen.

Zum Schluss noch unser traditionelles Brainstorming:

Krone: Die Hälfte meines Lebens und ein verdammt wichtiger Teil davon
Überraschung: Dass wir dieses Jahr auf dem Summer Breeze spielen konnten, nachdem wir uns aufgelöst haben und uns dazu entschieden, das eigentlich nie wieder zu sein
Öl: Das brauchst du, um voran zu kommen
Öffentlichkeitsarbeit: Ein Teil der Sache. Ich habe mich immer freiwillig gemeldet, die Interviews zu machen und mache vor dem Release einer Scheibe drei bis vier Tage die Woche nichts anderes. Die meiste Zeit über macht es Spaß, denn du kannst mit Leuten von überall auf der Welt reden und erfahren, was sie von deiner Musik halten.
Metal1.info: Interview in der Abendsonne, sehr schön!

Damit wären wir auch schon durch. Vielen Dank für deine Zeit, viel Erfolg für das Album und alles Gute weiterhin!
Vielen Dank auch dir, man sieht sich!

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