Konzertbericht: Carnivola w/ Mr Boom

29.11.2025 Bangkok, Immortal Bar

Wie kommt man dazu, eine eher unbekannte Band in einer noch unbekannteren Location in Bangkok zu sehen? Indem man das Internet so lang malträtiert, bis sich einem die Antwort offenbart, die man haben möchte. CARNIVOLA heißt die Band und sie spielt eine Mischung aus Thrash und Death Metal, die sehr roh und ursprünglich daherkommt. Das Konzert findet in der kleinen, aber sehenswerten Immortal Bar statt. 

Schon der Weg zur Immortal Bar, die in einer kleinen, aber am Abend sehr belebten Gasse parallel zur bekannten Khaosan Road liegt, ist ein kleines Abenteuer für sich. Die Bühne erkennt man schon einige Meter vor der Bar, da diese im Prinzip auf dem Gehweg aufgebaut ist. Direkt gegenüber ist der Tresen und dazwischen die kleine Gasse. Zur Begrüßung bei der Gratis-Show gibt es für die ersten zwanzig Besucher einen exklusiven Sticker mit dem Artwork zur Veranstaltung. Bedient wird man von einem der besten zehn Bartender der Khaosan Road, jedenfalls wenn man dem Schild hinter dem Tresen Glauben schenken darf.

Um die Besucher der Bar in Stimmung zu bringen und weiteres Publikum zum Verweilen zu animieren, wartet der Opening-Act MR. BOOM mit einem Akustikset aus Covern weltbekannter Songs auf. Mit Erfolg: Der Raum vor der Bühne wird bei Stücken von unter anderem GREEN DAY, BLINK 182 und JOHNNY CASH nach und nach voller. Der Gesang ist zwar zum Teil noch ausbaufähig, aber die Band macht diesen Umstand mit viel Leidenschaft und Herzblut wieder wett. Ein sehenswerter und kurzweiliger Auftritt, doch was jetzt folgt, ist nicht jedem im Publikum bewusst.

Vor einem inzwischen gut gefüllten Barbereich eröffnen CARNIVOLA ihr Jubiläumsset zum 20. Jubiläum mit „Souless Enemy“ von ihrem aktuellen Album „Courage Into Eternity“. Wer die Produktion des Albums kennt, weiß, dass hier mehr drin gewesen wäre. Umso besser funktioniert das Material live, denn die Soundqualität der Immortal Bar ist für die eher einfachen Verhältnisse vor Ort ziemlich gut.  Bei dem soliden Thrash Metal bilden sich umgehend die ersten Moshpits. Kurzum: Die Stimmung ist im wahrsten Sinne des Wortes mitreißend.

Als besonders kurios erweist sich dabei die Konstellation aus Bühne, Gasse und Tresen: Diese führt dazu, dass während der Show immer wieder Fußgänger und sogar die in Bangkok allgegenwärtigen Mopeds ihren Weg durch den Moshpit suchen müssen. Diesen wird aber, wenn wirklich notwendig, bereitwillig Platz gemacht, ehe der Pit wieder aufflammt.

Das Treiben wird von den Zuschauern, die eher wegen des zuvor gespielten Akustiksets geblieben sind, durchaus skeptisch aufgenommen: Kulinarisch von den direkt angrenzenden Garküchen versorgt, verfolgen sie den Auftritt von den Tischen aus. Für die Locals vermutlich gewöhnlich, für den Metal-Fan hingegen überraschend ist eine beachtlich große Gruppe von Pub-Crawl-Teilnehmern, die sich mit pinken Gruppenshirts und Saufeimern bewaffnet während der Show ihren Weg zwischen Bühne, Tresen und Publikum hindurchbahnt Immerhin: Der eine oder andere Metal-Fan aus der Gruppe gibt sich durch kurzes Headbangen und eindeutige Handzeichen zu erkennen.

Gleichermaßen für alle, die mit CARNIVOLA vertraut sind oder sich vertraut machen wollen, bietet das Set einen gelungenen Querschnitt der Bandgeschichte. Sänger und Gitarrist Lakfah Sarsakul schreit dem Publikum seine Texte mit vollem Einsatz entgegen, während ihn Pakrit Saleekul an der zweiten Gitarre, Settha Ruangsuwan am Bass und Ratchapong Supanantaset am Schlagzeug dabei unterstützen. Auch diese bekommen alle im Lauf des Sets Zeit, zu brillieren und nutzen diese mit umjubelten Soli voll aus. Zum Ende hin streut das Quartett noch ein paar Cover von SEPULTURA in das Set ein, die noch mal ordentlich für Stimmung sorgen. Hits wie „Refuse/Resist“ und „Slave“ sorgen dafür, dass die Nackenmuskulatur bis zum Schluss stark beansprucht wird.

Der DIY-Geist, die Leidenschaft der Musiker und die angenehme Atmosphäre vor Ort haben den Abend einmalig gemacht. Wer auch immer sich in Richtung Bangkok aufmacht und Lust hat, ein solches Konzert zu erleben, ist mit der Immortal Bar hervorragend beraten. Hier werden regelmäßig Konzerte veranstaltet, sodass sich oft eine Gelegenheit bietet – und das stets bei freiem Eintritt.

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Fotos von: Michael Schurig

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