Konzertbericht: Katzenjammer w/ Ine Hoem

20.03.2015 München, Tonhalle

katzenjammer-50c83274b34a5KATZENJAMMER melden sich 2015 endlich zurück. Gefühlt ist es in den letzten Jahren ein wenig zu still um die Miezen geworden – umso überraschender, dass die Norwegerinnen in München die Tonhalle nicht nur gut füllen, sondern sogar ausverkaufen können. “Rockland” heißt ihr drittes Album, das sie, noch fast druckfrisch, an diesem Abend mit im Gepäck haben, und trotz eher mäßiger Kritik und vor allem zu gemäßigter, neuer Musik lassen sich alte und neue Fans der Powerfrauen-Kombo offenbar nicht lumpen. Wobei sicherlich ein Großteil nur in der Tonhalle gewesen ist, um Marianne beim „Demon Kitty Rag“ ausflippen zu sehen. (Es hebe die Hand!)

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Das Konzert beginnt allerdings erst einmal eher unglücklich. Die zarte Norwegerin INE HOEM eröffnet den Abend mit ihren ruhigen und schönen Balladen – doch deren Wirkung verpufft völlig an einem Publikum, das auf die energiegeladene Musik der Katzen-Kombo wartet. Zwar beschränkt HOEM sich auf gerade mal vier Songs, doch diese reichen völlig, um das Publikum eher abzukühlen statt aufzuheizen. Sehr schade für die Sängerin, deren Eigenkompositionen separat betrachtet sehr hörbar sind.
Durch die eher kurze Einlage fühlt sich der darauffolgende dreiviertelstündige Umbau erst recht zu lang an, und das Publikum wird merklich unruhig. Warum genau der Changeover so lange dauert, wird nicht klar.

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Doch Fans vergeben schnell, und so wird lautstark gejubelt, als KATZENJAMMER endlich die Bühne betreten.
Wer die Band schon länger kennt. stellt sofort überrascht fest: Optisch hat sich das durchaus verändert. Was sich auf dem neuen Album bereits abgezeichnet hat, schlägt sich auch auf die Mädels nieder. Es scheint wohl vorbei zu sein mit den ausladenden Perücken, den wilden, selbstgeschneiderten, bunten Kleidern und den ausgefallenen Accessoires. Der Auftritt ist immer noch bunt und flippig – aber in einem gewissen allgemeintauglichen Rahmen. Doch zumindest an Spiellaune und Bühnenkonzept hat sich wenig getan. KATZENJAMMER sind fantastisch gelaunt, wechseln bunt ihre Instrumente durch und lassen dadurch Leben auf der Bühne entstehen – auch wenn dieser Effekt auf kleineren Club-Bühnen besser zur Geltung kam. (Vorsicht, Fan-Nostalgie: Irgendwie haben die intimeren, kleineren Konzerte einfach besser zum Konzept der Band gepasst.) Der Erfolg bleibt ihnen natürlich trotzdem gegönnt.

11402565_10153409495038035_45911153849838248_oErwartungsgemäß beginnen die Miezen mit Songs aus ihrem neuen Album, darunter das freche “Curvaceous Needs”, das wohl als einziger Song des Albums an die Anfangszeiten der Band zurückerinnern lässt. Im Gegensatz zu vielen Konzerten dieser Art, bei denen das Publikum nur die Post-Erfolgssingle-Lieder kennt und diese entsprechend feiert, wird im Laufe des Abends sehr deutlich, dass die Münchner die Tonhalle für die Songs der ersten beiden Alben gestürmt haben. Während Stücke wie “Flash in the Dark” fast wirkungslos verpuffen, zeigt München sein (zugegebenermaßen schwer zu entlockendes) Mitfeier-Talent gerade bei alten Schinken wie “I Will Dance (When I Walk Away)” oder dem unvergleichlichen sowie unvermeidbaren “Demon Kitty Rag”. Dennoch schaffen KATZENJAMMER es, mit süßen Ansagen und Publikumsinteraktion eine gewisse Leidenschaft für die neuen Songs aufkommen zu lassen. So wird beispielsweise erklärt, dass es sich bei “Lady Grey” um eine alte, demente Dame handelt, die von Marianne, ihrer Altenpflegerin, umsorgt worden ist. Nie habe sich die Dame gerührt, gesprochen oder auch nur ihre Emotionen verraten – nur bei Musik habe sie mitgewippt und fröhlich ausgesehen. Mit dieser kleinen Geschichte im Hinterkopf wird das dazugehörige Musikstück lebendiger. So ganz verdecken können KATZENJAMMER aber nicht, dass sie sich mittlerweile mehr in Richtung Dixie Chicks entwickeln.

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Als Zugabe warten die Mädels am Ende noch mit zwei ihrer besten Stücke auf: “Lady Marlene” sowie das Genesis-Cover “Land of Confusion”, die sie meisterlich vortragen und die ebenso meisterlich gefeiert werden. Ein würdiges Ende für ein Konzert, das KATZENJAMMER-üblich nicht nur die Band auf der Bühne verausgabt, und zudem mit dem neuen Album etwas versöhnlicher stimmt. Die wilden Zeiten, in denen auf winzigen Club-Bühnen Räder geschlagen und Tränen vergossen wurden, sind wohl leider vorbei – doch die Katzen haben es geschafft, sich so viel von ihrer Flippigkeit zu bewahren, wie es ihr wachsender Erfolg zulässt. Sie machen trotz langer Pause immer noch Spaß – und werden es sicherlich noch länger tun.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von:
Florian Hessler

 

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