
Touren ist teuer. Gerade für kleinere Bands mit begrenztem Budget ist Planungssicherheit wichtig und Kartenvorverkäufe sind essentiell, damit Konzerte in Zeiten hoher Benzinpreise und Lebenshaltungskosten nicht zum Verlustgeschäft werden. Umso trauriger, wenn mangelhafte Promotion dazu führt, dass man sich als talentierte und ziemlich großartige Band in einer superkleinen Venue in einer fremden Stadt vor rund 20 Zuschauern wiederfindet. Umso schöner, wenn die Musiker dann trotzdem eine einerseits extrem professionelle, andererseits aber auch wahnsinnig sympathische Show bieten – die aber trotzdem deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
So geschehen im Sugar Shack, einem kleinen 150-Personen-Kellerclub im Osten Münchens, in dem PREYRS aus dem nordirischen Belfast ihr Ende letzten Jahres veröffentlichtes und ziemlich fantastisches Album „The Wounded Healer“ vorgestellt haben. Und das auf einem Niveau, von dem sich viele Bands, die deutlich größere Hallen bespielen, mehr als nur ein Scheibchen abschneiden können. Dass „The Wounded Healer“ auf Pelagic Records veröffentlicht wurde, sollte man schon als ein kleines Indiz für die Qualität werten – immerhin erlaubt sich der Roster des renommierten Berliner Labels so gut wie keine Ausfälle. Aber das, was Frontfrau Amy Montgomery und ihre Truppe in München präsentiert haben, war noch deutlich großartiger, als man im Vorfeld (sogar optimistischerweise) vermutet hätte.

Spannend hierbei, dass nicht nur Songs von PREYRS gespielt wurden: Vielmehr scheint es sich bei dem Quartett um ein umtriebiges Kollektiv zu handeln, welches Montgomery an verschiedenen Fronten unterstützt. So sind die Musiker auch auf dem 2024er Album „Astil“ zu hören, welches unter dem bürgerlichen Namen der unfassbar talentierten Frontfrau erschienen ist. Trotzdem fügen sich die Songs der verschiedenen Projekte nahtlos in den PREYRS-Katalog, der natürlich an diesem Abend im Fokus steht, ein.
Das liegt natürlich vor allem an Montgomerys Stimme und Bühnenpräsenz: Unglaublich, wie perfekt die sympathische Frontfrau ihre Songs singt, ohne dass dabei Emotion auf der Strecke bleiben. Und das Gehörte ist deutlich mehr als nur eine Kopie einer makellosen Studioperformance: Montgomery singt, tanzt und springt auf der Bühne herum, als ob es kein Morgen gäbe. Man merkt ihr in jeder Sekunde an, dass sie für die Musik, die sie macht, lebt – egal, ob vor der Bühne eine, oder eintausend Personen stehen. Die rundum authentischen und publikumsnahen Ansagen zu den Songtexten sind dabei nur noch die Kirsche auf der Torte.

Aber auch die Band braucht sich nicht zu verstecken: Schlagzeuger Michael Mormecha, Gitarrist Nolan Donelly und Bassist Ciarán McGreevy sorgen trotz minimalistischer und schnörkelloser Backline bestehend aus kleinen Laney-Verstärkern ohne Schnickschnack für einen druckvollen und perfekt ausbalancierten Instrumentalunterbau, der an vielen Stellen die neunziger Jahre, also die Blütezeit des (Industrial-)Alternative Rock, wieder aufleben lässt, ohne dabei plump zu kopieren. Dass NINE INCH NAILs Post-Millenium-Alben, allen voran „With Teeth“, für das eine oder andere Detail im Sounddesign und Songwriting Pate stand, zeugt dabei von einem gewissen Anspruch, den die Musiker offensichtlich an sich selbst haben. Und dass Donelly und Mormecha für einzelne Songs auch mal die Positionen wechseln, macht das Konzert aufgrund unterschiedlicher Spielweisen am jeweiligen Instrument noch einmal abwechslungsreicher und spannender.

- Wave Of Wisdom
- Into The Blue
- Astil
- I Feel Love
- Crucify Love
- Tree Song
- Nova
- Change Change
- Bring Ur Bruises
- Donw To The River To Pray
- Zeros Ones & Lies
- Life Is Kind
- The Wounded Healer
Gegen halb zehn, also nach einer guten Stunde, ist das Konzert – gefühlt viel zu früh – wieder vorbei (eine Vorgruppe gab es nicht). Das hätte man sich gerne noch weiter angeschaut bzw. -gehört. Highlights zu benennen, fällt unglaublich schwer, da jeder Songs, egal ob groovender Industrial-Noise-Rock oder bluesige Halbballade mit Americana-Einschlag, einwandfrei dargeboten wurde und einfach ohne Einschränkungen funktioniert hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Nordiren nochmal die Gelegenheit bekommen, eine größere Bühne in München vor deutlich mehr Publikum zu spielen. Ein paar Termine hat die Band auf dieser Tour übrigens noch vor sich und wer interessiert ist, sollte dringend einen Blick auf das Tourplakat werfen. Denn ein weiteres Konzert unter weitestgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit haben Amy Montgomery und PREYRS einfach nicht verdient.
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